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Sprache und Beruf lernen

quaz.ruhr: Regionales Sprach- und Schulungszentrum für Geflüchtete und Zugewanderte zieht positive erste Bilanz

Eindrücke aus dem QuAZ © Frank Dieper, Stadt Herne

Es riecht nach Öl und Gummi, eine Feile kratzt, Metall klappert, leise sprechen Menschen miteinander. In der ehemaligen Ausbildungswerkstatt von Opel lernen nun Geflüchtete und Zugewanderte Deutsch und bereiten sich auf den Beruf vor. 250 von ihnen üben sich in Metallbearbeitung und Elektro-Handwerk, Gastronomie und Pflege. An lebensgroßen Puppen und an einander üben die Teilnehmer des Pflegekurses Verbände anzulegen. An der Wand hängt eine anatomische Zeichnung, in der Ecke ist ein richtiges Krankenzimmer aufgebaut, sogar der Geruch von Desinfektionsmittel hängt in der Luft.

In der neuen Heimat ankommen

Menschen aus 35 Nationen lernen zusammen – und sprechen miteinander nur Deutsch. Dadurch sollen sie die Sprache üben und auch die Vokabeln ihres Faches beherrschen, vom Pflegebett bis Flachzange. Die Möglichkeit zur Verständigung soll der Schlüssel sein, in der neuen Heimat wirklich anzukommen. Im quaz.ruhr erhalten die Geflüchteten und Zugewanderten zudem passend zu ihren persönlichen, sprachlichen und beruflichen Kompetenzen die erforderlichen Weiterbildungen, um eine Ausbildung, Qualifizierung oder ein Studium beginnen zu können. Ziel des regionalen Angebotes ist, sich über die Arbeitswelt in die Gesellschaft integrieren zu können. Dabei unterstützt ein Team von Ausbildern, Job-Coaches, Lehrkräften und Sozialpädagogen die Teilnehmer im Qualifizierungszentrum, das die ehemalige Opel-Ausbildungswerkstatt in Bochum-Langendreer nutzt. Langfristig sollen die Teilnehmer gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, vor allem, da in vielen Bereichen Fachkräfte fehlen. „Wir müssen und werden zeigen, dass die Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt ein Gewinn sein werden“, ist Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne, überzeugt.

  • Eindrücke aus dem QuAZ ©Frank Dieper, Stadt Herne

Wichtig für die Integration

Die Erfahrungen des ersten halben Jahres zeigen: Der Integrationswert des quaz.ruhr ist hoch. Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Kulturen, sind aus ganz unterschiedlichen Gründen in Deutschland. Da ist der aus Syrien vor dem Krieg geflüchtete Familienvater ebenso wie der aus der Türkei zugewanderte Bewerber, der seit einigen Jahren in einem türkischen Betrieb arbeitet, aber nun arbeitslos wird und seine Deutsch-Kenntnisse verbessern muss, um gut eine neue Stelle zu finden. Die russische Zuwanderin, die in ihrem Heimatland als Technikerin gearbeitet hat, bekommt, damit sie eine gewerblich-technische Ausbildung im Elektrobereich machen kann, im quaz.ruhr ebenfalls die nötigen Weiterbildungschancen. Gleiches gilt für den polnischen Kfz-Mechatroniker, der Unterstützung bei der Anerkennung seines Berufsabschlusses und im Schreiben der deutschen Sprache braucht. Während dabei die Jobcenter Bochum, Herne und Ennepe-Ruhr bisher vorwiegend geflüchtete Menschen dem quaz.ruhr zuweisen und ihr Focus auf dem Spracherwerb liegt, wählen die Agenturen für Arbeit Bochum/Herne und Hagen eher Zugewanderte aus. Beide Teilnehmerkreise profitieren von dem großen, individuell zugeschnittenen Sprach- und Schulungsangebot „unter einem Dach“, erleben dort beim Lernen und Arbeiten viel Verbindendes.

Vier Städte und vier Volkshochschulen stimmen sich ab

An ihrem erstem Tag im „quaz.ruhr“ machen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Sprachtest und vertiefen dann ihre Deutsch-Kenntnisse in möglichst homogenen Gruppen. Regelmäßige mündliche und schriftliche Tests prüfen die Entwicklung des Sprachniveaus. Eine Besonderheit ist, dass mit Bochum, Herne, Hattingen und Witten | Wetter | Herdecke vier Volkshochschulen gemeinsam die Integrations- und berufsbezogenen Deutschkurse in dem Qualifizierungszentrum durchführen. Sie stimmen diese mit dem Angebot des quaz.ruhr zeitlich und inhaltlich ab. Dieser wichtige Baustein des Projektes dürfte bundesweit einmalig sein. Dabei zeigt sich: Wer konsequent teilnimmt, verbessert sich schnell mündlich wie schriftlich. Dazu tragen auch die Arbeit in den Werkstätten für die berufliche Qualifizierung in den Bereichen Elektro, Farbe/Raumgestaltung, Hotelgastronomie /Hauswirtschaft / Ernährung, Lager/Logistik/Handel, Metall und Pflege im quaz.ruhr und gemeinschaftliche Pausen bei: Hemmnisse, sich verbal auf Deutsch zu äußern, schwinden im gemeinsamen achtstündigen Lern- und Arbeitsalltag deutlich, wodurch das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach und nach wächst.

Positive Bilanz des ersten halben Jahres

Auch die Agenturen für Arbeit Bochum/Herne und Hagen sowie die Jobcenter Bochum, Herne und Ennepe-Ruhr ziehen daher eine positive Bilanz nach der ersten Qualifizierungsrunde. Das bestätigt auch Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Bochum:„Hier können die Menschen unsere Angebote richtig nutzen und Integration kann erfolgreich gelingen. Die Verknüpfung von Sprachunterricht und praktischer Arbeit ist die Besonderheit des Sprach- und Qualifizierungszentrums und zahlt sich aus. Unsere Erfahrung bis jetzt ist nur positiv.“ Die Zusammenarbeit unter anderem von Vermittlern, Job-Coaches, Sozialarbeitern funktioniert gut. Durch regelmäßige Anwesenheit vor Ort und gezielten Austausch, zum Beispiel mit Vermittlungsfachkräften der Arbeitsagenturen im quaz.ruhr, können Fragen und Probleme unmittelbarer erkannt und geklärt werden. Dies gilt für Gewerke oder Sprachkurse, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Gründen nicht richtig aufgehoben fühlen, oder für die erforderliche Anwesenheit in Vollzeit (39 Stunden pro Woche). Beide Beispiele führten in der ersten Schulungsrunde zu Wechseln. Letztlich waren die im quaz.ruhr zur Verfügung stehenden rund 250 Plätze jedoch in allen Bereichen zu hundert Prozent belegt. Sowohl die Jobcenter als auch die Arbeitsagenturen haben eine Warteliste mit Bewerberinnen und Bewerbern. Daher haben die Jobcenter und Arbeitsagenturen bereits Ende Januar angestoßen, das Angebot um ein Jahr zu verlängern. Dazu meint Frank Böttcher, Geschäftsführer des Jobcenters Bochum: „Insbesondere die enge, auch räumliche Verknüpfung von Sprachunterricht und praktischer Arbeit macht den besonderen Reiz von Quaz. aus. Denn nirgends lernt man Sprache besser als in der direkten Erprobung bei alltäglichen Arbeiten und Situationen, und Sprache ist der Schlüssel zur Integration – in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt.“

quaz.ruhr

Das quaz.ruhr wird unterstützt von dem „Verein zur Unterstützung der Qualifizierung und Ausbildung von Zugewanderten“ (QuAZ). Dieses im März 2017 gegründete, einmalige gesellschaftliche Bündnis besteht aus den Städten Bochum, Hattingen, Herne und Witten, der Bochum Perspektive 2022, den Kreishandwerkerschaften, der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, dem Einzelhandelsverband, der Ruhr-Universität Bochum sowie der Hochschule Bochum, der IG Metall, dem Arbeitgeberverband, der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Arbeitsgemeinschaft Bochumer Moscheen. Angeboten wird das Sprach- und Qualifizierungszentrum von einem Trägerverbund aus renommierten, regionalen Bildungsdienstleistern: der Gewerkstatt (Bochum), der Gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft Herne, HAZ Arbeit + Zukunft e.V. (Hattingen) und der vhs Witten | Wetter | Herdecke. Das „quaz.ruhr“ wird sowohl aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit als auch aus Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds gefördert.