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Die Geschichte des Ruhrgebiets würdigen

Kunst und Kohle

Schloss Strünkede wird verhüllt ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Der Rittersaal des Schlosses war voll, als die Macher des Ausstellungsprojektes Kunst & Kohle ihren Beitrag zum Abschied der Steinkohleförderung vorstellten. Am Mittwoch, 2. Mai 2018, präsentierten sie Konzept und Hintergründe der Ausstellungen.

  • Stück für Stück lassen Arbeiter die Jutebahnen am Schloss hinab. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Alleine schon die Zahlen beeindrucken: 17 Museen in 13 Städten des Ruhrgebiets haben sich zusammen getan. Gemeinsam stellen sie 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche für das Projekt zur Verfügung und präsentieren darauf 150 künstlerische Positionen. Von klassischer Malerei und Bildhauerei, über Installationen, Comics, Video bis hin zur Klangkunst reichen die Beiträge vieler namhafter Künstler. Auch international bekannte Namen wie David Nash, Bernd und Hilla Becher oder Ibrahim Mahama sind in dem Projekt vertreten. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Das Ruhrgebiet ist Kulturgebiet
„Kunst & Kohle ist mehr als eine Ausstellung, es ist eine einzigartige Leistung eines selbstgegründeten Netzwerks“, sagte Dr. Ursula Sinnreich, die Generalsekretärin der Kunststiftung NRW. Schon 2008, vor zehn Jahren, haben sich 20 Museen des Ruhrgebiets zu den RuhrKunstMuseen zusammen geschlossen, „jedes davon ein Kraftfeld mit eigenen Vernetzungen“, wie Leane Schäfer, Sprecherin der RuhrKunst Museen, betont. Bis auf drei sind alle am Projekt Kunst&Kohle beteiligt. Sie ist überzeugt: „Das Ruhrgebiet ist immer schon Kulturgebiet gewesen.“ Der Name des Projekts erinnert an die Aktion Kunst gegen Kohle, wo im Winter 1946/47 frierende Hamburger Künstler nach Recklinghausen kamen, um Kohle zu bekommen. Im Gegenzug dazu traten sie im Sommer 1947 dort auf – die Ruhrfestspiele waren geboren. „Durch die Kohle ist auch die Kunst ins Ruhrgebiet gekommen“, resümierte Schäfer.

  • Matthäus und Victor bringen die Jutebahnen an. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Kohle fasziniert
Jetzt, wenn die letzte Zeche Ende des Jahres schließt, wird die Kunst bleiben und neue Perspektiven erschließen. „Das ist so ein Einschnitt, dass wir etwas machen müssen. Die geistigen Ressourcen, die aus der Kohleförderung entstanden sind, haben unsere Museen entstehen lassen“, erklärte Professor Ferdinand Ullrich, der das Projekt koordiniert hat. Deswegen haben die 17 Museen das Thema Kohle aufgegriffen und in diesem Sommer zu ihrem Schwerpunkt gemacht. „Kohle, dieses besondere Material, ist für viele Künstler ein Faszinosum“, so Ullrich.
Das wohl spektakulärste Kunstwerk zur Kohle befindet sich in Herne: Schloss Strünkede verhüllt mit Kohlesäcken. „Ich bin überwältigt, weil ich zum ersten Mal Industriekletterer am Schloss sehe“, gab Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda zu. „Das Ausstellungsprojekt Kunst & Kohle ist ein richtiges Signal des Aufbruchs des Ruhrgebiets. Hier ist das Leben echt und rau. Wir werden die Kunst nehmen, nicht um Tränen des Abschieds zu weinen, sondern um Diskussionen über die Zukunft zu führen. Die Stadt atmet von morgens bis abends Kunst und gesellschaftliche Diskussion“, zeigte sich Dr. Dudda überzeugt.

Die Tugenden der Bergleute würdigen
„Dass es auf Schloss Strünkede losgeht, freut mich als Herner Bürgerin besonders“, gab Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstand der RAG-Stiftung, zu. Die Stiftung finanziert das, was nach dem Ende der Kohleförderung bleibt: Ewigkeitsaufgaben wie Wasserhaltung und -reinigung. Aber auch Projekte in Kunst und vor allem Bildung fördert die Stiftung. Für Kunst & Kohle hat sie mit 750.000 Euro die größte Einzelförderung zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel kamen unter anderem von der Brost-Stiftung und aus den Etats der einzelnen Museen. Rund 2,5 Millionen Euro stehen insgesamt für die 17 Orte der Ausstellung zur Verfügung, für den Druck der Kataloge und die einzelnen Aktionen. „Dieses Projekt ist wichtig, um die Leistung des Bergbaus nach 200 Jahren zu würdigen und die Tugenden des Bergmanns: Solidarität, Verlässlichkeit, Integration.“ Denn unter Tage zähle es nicht, wo man herkomme, erklärte Bergerhoff-Wodopia.
Die Kunstausstellungen sollen nun die Geschichte des Ruhrgebiets mit der Zukunft verbinden. Einen Anteil daran hat die Verhüllung des Schlosses. Jutesäcke, die auf der ganzen Welt unterwegs gewesen waren, hängen nun vor der Schlossfassade. Dass das für manche Bürger irritierend ist, weiß der Oberbürgermeister. Dennoch steht er hinter der Aktion: „Auf der Suche nach Perfektion darf man nicht in Herne landen. Wir spüren hier die Bewegung, aus dem, was wir haben, etwas zu machen. Die Verhüllung ist ein Monument. Hier machen Kunst und die Einbindung in den Welthandel die Geschichte des Ruhrgebiets sichtbar.“

Eröffnungsfeiern
Die Ausstellungen eröffnen zwischen Donnerstag, 3. Mai, und Dienstag, 12. Juni 2018. Damit die Besucher sich einen möglichst vielfältigen Eindruck verschaffen können, gibt es Bustouren, Shuttelbusse und Kombi-Tickets für die Ausstellungen. Mehr Informationen unter www.ruhrkunstmuseen.com. Schloss Strünkede und die Flottmann-Hallen feiern die Eröffnung am Samstag, 5. Mai 2018, ab 15 Uhr. Zwischen beiden Orten fährt ein Busshuttle.

Nina-Maria Haupt