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Alte Bücher und neue Technik

Tag der offenen Tür in der Martin-Opitz-Bibliothek

Uralte Werke zum Anfassen ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

„Heute richten wir die Scheinwerfer auf eine Einrichtung, die es wert ist und die sehr besonders ist“, kündigte Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda am Freitag, 23. Februar 2018, an. Die Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen und präsentierte den Gästen neue Geräte, Arbeitsplätze und das erweiterte Magazin. Stöbern war ausdrücklich erlaubt, auch dort, wo Besucher normalerweise nicht hin dürfen.

  • Dr. Frank Dudda und Dr. Hans-Jakob Tebarth begrüßen die Gäste. ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Fronten und Vorurteile abbauen

Zwischen jahrhundertealten Büchern und modernsten Scannern drängten sich die Besucher. Viele von ihnen suchten in der MOB nach Spuren ihrer Familiengeschichte, denn Aufgabe der Bibliothek ist es, Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa zu bewahren, erforschen und zu vermitteln. Damit ist sie deutschlandweit die zentrale Einrichtung in diesem Fachgebiet. Auch im Ausland ist sie bekannt: Mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Polen und Tschechien arbeitet sie intensiv zusammen. Diese internationale Ausrichtung lobte auch der Oberbürgermeister: „Wir müssen uns mit anderen Ländern beschäftigen, sonst versteht man die Welt nicht mehr“, betonte Dr. Dudda. „Fronten und Vorurteile, die sich gerade aufbauen, müssen unbedingt durchbrochen werden.“

Schüler forschen über Martin Opitz

Neugierig stöberten auch angehende Abiturienten vom Mulvany-Berufskolleg in den Räumen am Berliner Platz 5. Einige von ihnen hatten sich im Unterricht mit Martin Opitz, dem Namensgeber der Bibliothek, beschäftigt. Beim Tag der offenen Tür konnten sie das neue Magazin kennen lernen, in dem inzwischen alle 330.000 Werke einen Platz haben – noch. Denn stetig kommen neue Werke hinzu.

Eine Millionen Online-Besucher

Viele von ihnen werden mit Hochleistungs-Scannern abgelichtet, aufbereitet und für die Online-Suche bereitgestellt. So können Menschen auf der ganzen Welt auf diese Werke zugreifen. Auch Bücher, in denen man nicht mehr blättern kann, ohne sie zu beschädigen, können so gelesen werden. Nicht nur Wissenschaftler oder Studierende nutzen diese Möglichkeit, auch Bürger, die ihre Familiengeschichte erforschen, profitieren davon. Rund eine Millionen Online-Besuche verzeichnete die MOB im vergangenen Jahr, erklärte der Leiter Dr. Hans-Jakob Tebarth. Für den Tag der offenen Tür hatten er und sein Team einige wertvolle alte Bände herausgelegt, in denen die Besucher nur mit weißen Handschuhen blättern durften, um die Seiten nicht zu beschädigen.

Stiftung für die Ewigkeit

70 Jahre lang, seit 1948, werden in Herne Informationen über die Geschichte der Deutschen im Osten gesammelt. 1948 beschloss der Rat der Stadt Herne, die sogenannte Bücherei des Deutschen Ostens zu gründen. Viele Herner Bürger oder ihre Vorfahren kamen ursprünglich aus den östlichen Gebieten und waren an ihrer alten Heimat interessiert. Viele kamen als Arbeitskräfte während der Industrialisierung, andere wurden während der Weltkriege vertrieben. 1989 übernahm die Stiftung der Martin-Opitz-Bibliothek die Bücherei des Deutschen Ostens. Heute finanzieren Stadt, Land und Bund diese Arbeit. „Eine Stiftung ist gegründet für die Ewigkeit. Sie wird noch da sein, wenn wir es nicht mehr sind“, so Dr. Dudda.

Damit möglichst viele Menschen davon profitieren, ist die MOB ab sofort auch freitags geöffnet. Außerdem stellt sie einen eigenen Arbeitsplatz für private Recherchen zur Verfügung – denn die Bibliothek erfreut sich regen Zuspruchs von Studierenden, Forschern und Bürgern.

Nina-Maria Haupt