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Anja Balzer beherrscht viele Genres

Herner Künstlerin möchte ein Impro-Theaterfestival etablieren

Anja Balzer (47) beherrscht viele Genres. Bei den „Sisters of Comedy“ in den Flottmann-Hallen am 12. November (ausverkauft) tritt sie als Comedian auf. Sie dürfte damit die erste Hernerin sein, die in diesem Metier Spuren hinterlässt.

Große Bandbreite

Sich selbst nennt sie schon mal ironisch „eierlegende Wollmilchsau“. Moderation, Training, Schauspiel, Improvisation, Gesang, Kabarett, Walk Act stehen in ihrem Portfolio. „Ein Beutel, der zu voll ist“, wie die gebürtige Bochumerin selbst meint. Aber wer sie im Interview erlebt, kann sich gut vorstellen, dass sie diese große Bandbreite auch beherrscht.

  • Kaum zu glauben: Comedian Anja Balzer war als Jugendliche schüchtern. © Frank Dieper, Stadt Herne

Das war nicht immer so. „Ich war schüchtern und gehörte in der blöden Pubertät immer zu den Uncoolen“, sagt sie. In ihrem ersten Beruf als Bauzeichnerin in ihrem Heimatort Meppen fing sie sogar an zu stottern. Heute ist sie genau das Gegenteil. Aber sie hat Empathie: „Leute, die schüchtern sind, sind bei mir gut aufgehoben, weil ich weiß, wie es sich anfühlt.“

„Mein Instrument ist Improvisation“

Andere heirateten, sie entschloss sich, Germanistik und Theaterwissenschaften zu studieren. Ihre erste Theaterheimat waren das Thealozzi und die Hottenlotten in Bochum. Mit 30 erkrankte sie an Krebs: „Für alles andere war ich zu erschöpft. Aber nicht für das Theaterspielen.“ Deshalb wusste sie nach ihrer Gesundung: Das ist mein Weg. Jahrelang spielte sie in Impro-Theatern. „Mein Instrument ist Improvisation.“

Nachdem ihr Sohn geboren wurde, orientierte sie sich auch aus finanziellen Gründen leicht um. In zahlreichen Workshops und Seminaren erwarb sie Kenntnisse, um als Businesscoach zu arbeiten und im Unternehmenstheater tätig zu werden. So tritt sie als Rollenspielerin in einem Assessment-Center auf. Seit vier Jahren animiert sie die Auszubildenden der Stadt Herne in einem Theaterworkshop zu mehr Offenheit. Im nächsten Jahr macht sie auch bei der Herner Frauen-
woche mit.

Der sehnlichste Wunsch

Aber demnächst ist wieder mehr Theater fällig. Ihr sehnlichster Wunsch ist: „Ich würde gerne ein Improvisationstheater-Festival etablieren. Durchaus auch in Herne. Das gibt es im Ruhrgebiet noch nicht.“ Die Idee für ein Stück oder ein Format hat sie schon. Nach Herne ist sie wegen der günstigen Wohnkosten gezogen. Aber sie sagt: „Ich liebe diese Stadt. Sie ist genau so schön wie Meppen.“

Horst Martens