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Brückenbauer zwischen den Kulturen

Das Kommunale Integrationszentrum vermittelt Sprach- und Kulturmittler

Ein Elterngespräch in der Schule führen, einen Antrag abgeben oder nach Unterstützung durch Fachleute fragen – solche Situationen sind besonders schwierig für Zugewanderte, die die deutsche Sprache und Kultur nicht kennen. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt und auch Neuzugewanderte die Hilfsangebote in Herne nutzen können, vermittelt das Kommunale Integrationszentrum (KI) sogenannte Sprach- und Kulturmittler.

  • Die Sprach- und Kulturmittlerinnen Ionela Ghenov und Nawal Ayo mit der Projektkoordinatorin Sarah Klinkenbusch (mitte). ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Die derzeit 19 Personen sprechen zusammen 22 Sprachen und sechs Dialekte. Sie kennen verschiedene Kulturen und sind in der Lage, die Verständigung zwischen Behörden, Schulen, Kitas und Bürgern zu unterstützen. Sie arbeiten auf Honorarbasis, sind unabhängig und achten den Datenschutz.

Integration von Anfang an

„Wir wollen Integration von Anfang an gewährleisten. Die Menschen sollen sich in Ämtern und Institutionen verständlich machen können. Auch Institutionen sollen ihre Anliegen vermitteln können. Einander zu verstehen kann viele Missverständnisse vermeiden“, so beschreibt Dezernentin Gudrun Thierhoff den Ansatz der Stadt Herne.

Wichtig ist, dass die Sprach- und Kulturmittler Deutsch und eine weitere Sprache gut beherrschen, dass sie in einem anderen Land sozialisiert wurden und damit andere Kulturen verstehen. Sie sollen keine regulären Dolmetscher ersetzen, sondern zusätzlich in Situationen dabei sein, in denen sonst keine Dolmetscher anwesend sind.

Bürger und Behörden entlasten

„Wir bieten den Ansatz, dass Mitarbeiter in Institutionen entlastet werden. Dazu ist es wichtig, dass unabhängige Personen dabei sind. Wenn die Kunden Familienangehörige mitbringen, führt das oft zu Rollenkonflikten“, weiß Sarah Klinkenbusch, die beim KI arbeitet und die Honorarkräfte koordiniert. Auch sei es in manchen Situationen wichtig, ob ein Mann oder eine Frau dabei wäre, aus welchem Land oder welcher Ethnie jemand komme. Sie und ihre Kollegin Monika Krüger suchen dann die passenden Ansprechpartner.

Warum das so wichtig ist, erklärt Klinkenbusch an einem Beispiel: In manchen Kulturen sei es eine Geste des Respekts, wenn jüngere Personen älteren nicht in die Augen schauen. In Deutschland würde das oft als unehrlich oder unsicher interpretiert. Ein Mittler könne nicht nur das Missverständnis auflösen, sondern auch den Beteiligten Hintergrundwissen über die jeweils andere Kultur bieten.

Auch schwierige Themen erklären

„Es ist eine gute Sache, weil viele Themen so schwierig sind, dass die Leute die Bedeutung nicht immer sofort erkennen. Viele Eltern kennen das Schulsystem nicht und wissen nicht, was von ihnen erwartet wird“, weiß Sprach- und Kulturmittlerin Nawal Ayo, die selbst vier Kinder hat. „Wir wollen eine Brücke bilden“, sagt die gebürtige Syrerin, die seit 1989 in Herne lebt.

Auch Ionela Ghenov hat beobachtet, dass ihre Klienten oft unsicher sind, wenn sie nicht verstehen, warum eine Behörde oder eine Schule etwas entscheidet. Manchmal würden sich Menschen diskriminiert fühlen, wenn sie nicht wüssten, welchen Hintergrund eine Entscheidung hat. Ghenov stammt aus Rumänien und ist seit zwei Jahren Hernerin.

Damit sie auch schwierige Situationen meistern, bekommen die Honorarkräfte Weiterbildungen und Coaching. Klinkenbusch hat die Weiterbildung konzipiert und steht für Fragen zur Verfügung. Das Geld für ihre Stelle kommt vom Land NRW. Auch die Honorare werden aus Landesmitteln bezahlt. Damit kann der Einsatz der Sprach- und Kulturmittler für städtische Dienststellen kostenlos bleiben. Bei anderen Anfragen wird im Einzelfall entschieden.

Institutionen, die das Angebot der Sprach- und Kulturmittler nutzen wollen, können sich mit ein paar Tagen Vorlauf beim Kommunalen Integrationszentrum unter integration@herne.de melden.

Nina-Maria Haupt