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Das Zicklein „Rüdiger“ auf Entdeckungstour

Nachwuchs im Minizoo Eickel

Die Stalltür geht auf und laut meckernd läuft Rüdiger hinaus, die derzeit kleinste und wahrscheinlich auch niedlichste Ziege in ganz Herne. 13 Tage alt ist der Zwergziegenbock, als er am Freitag, 19. Mai 2017, auf Entdeckungstour geht. Das Besondere ist: Rüdiger wird von den Tierpflegern der Stadt Herne mit der Flasche aufgezogen, weil seine Mutter die Geburt nicht überlebt hat. Er ist der erste Ziegen-Waise im städtischen Zoo.

  • Hier kommt Zicklein Rüdiger! ©Frank Dieper, Stadt Herne

Vom ersten Tag an hat Rüdiger mit den anderen Zwergziegen zusammen im Gehege gelebt, fünf Mal am Tag bekommt er die Flasche. 300 Milliliter Ziegenmilch hat der gelernte Zoo-Tierpfleger Michael Kück für Rüdiger mitgebracht. „Dafür haben wir eine Nachbarziege aus dem Edelziegen-Stall gemolken. Wenn sie nicht genug Milch hat, rühren wir spezielles Milchpulver an“, erklärt Kück. Neugierig und völlig furchtlos  läuft Rüdiger zwischen den ganzen Menschenfüßen umher, knabbert am Schuh des Fotografen und beschließt dann, ein paar Baumwurzeln zu erklimmen. Ein paar Hüpfer noch, dann ist es Zeit fürs Mittagessen.

Unter dem Zaun durchgeschlüpft

„Es sind schon Besucher gekommen, die gefragt haben, ob wir Rüdiger überhaupt füttern würden“, wundert sich Birgit Claus vom Fachbereich Stadtgrün. „Sieht er etwa verhungert aus?“ Im Gegenteil: Sein Gewicht hat der kleine Bock seit der Geburt schon fast verdoppelt. Zwei Kilogramm bringt er inzwischen auf die Waage. „Er ist sehr pflegeleicht. Wir füttern ihn, ansonsten beschäftigt er sich mit den anderen Ziegen. Nachts ist er im Stall. Auch wenn wir ihn mit der Flasche großziehen, lernt er, dass er eine Ziege ist und wie er sich in der Herde richtig verhält“, erklärt Michael Kück. Und Birgit Claus ergänzt: „Manchmal wird er von den anderen Ziegen geärgert, weil er keine Mutter hat, die ihn beschützt. Dann schlüpft er unter dem Zaun durch, wo die großen Ziegen nicht hinterher kommen.“

Insgesamt sieben Jungtiere haben die Ziegen derzeit, genügend Spielkameraden also. Einen Freund hat Rüdiger auch in Hund Watze gefunden. Der schnuppert an dem Ziegenjungen, spielt mit ihm und versucht, ein wenig Milch abzubekommen. Noch rund fünf Monate, dann wird Rüdiger geschlechtsreif sein und wahrscheinlich die Herde verlassen. „Wir suchen für die Ziegen, die wir nicht behalten können, ein neues Zuhause. Sie werden in gute Hände verkauft“, verspricht Birgit Claus. Sie steht schon mit anderen Ziegenhaltern in Kontakt.

Nina-Maria Haupt