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Der zerdepperte Pott nach Kleist

Premiere am 19. Oktober

Das gesamte Zerdepperter-Pott-Ensemble: Ekki Neumann, Martin Zaik, Heiko Büscher, Susanne Fernkorn, Luis Volkner, Silke Volkner, Marvin Boettcher, Axel Schönnenberg, Christian Stratmann, Thomas Rech, Astrid Breidbach, Dominik Brünig, Melanie Linka und Andreas Wunnenberg. © Frank Dieper, Stadt Herne Das gesamte Zerdepperter-Pott-Ensemble: Ekki Neumann, Martin Zaik, Heiko Büscher, Susanne Fernkorn, Luis Volkner, Silke Volkner, Marvin Boettcher, Axel Schönnenberg, Christian Stratmann, Thomas Rech, Astrid Breidbach, Dominik Brünig, Melanie Linka und Andreas Wunnenberg. © Frank Dieper, Stadt Herne

Mit der Bearbeitung klassischer Komödien hat der Mondpalast große Erfolge gefeiert – „Ronaldo und Julia“ (nach Shakespeares großem Liebesdrama) läuft heute noch nach 13 Jahren als Zugnummer an der Wilhelmstraße. Jetzt nimmt sich Chefdramaturg Thomas Rech wiederum einen Klassiker vor: Aus Kleists „Der zerbrochene Krug“ wird „Der zerdepperte Pott“. Premiere ist am 19. Oktober. Der Vorverkauf hat begonnen.

Einsicht in die Proben

Bei einer Pressekonferenz informierten die Mondpalast-Macher nicht nur rund um die Premiere, sondern ließen die Pressevertreter auch für kurze Zeit an der Probe teilnehmen, die vor den Kulissen von „Herr Pastor und Frau Teufel“ stattfand. Das Stück wird „working in progress“ einstudiert, betont Rech. Während der Proben werden Passagen geändert, selbst das Ende steht jetzt noch nicht fest.

  • Sie feiern den Pott, der noch ganz ist: (vorne) Martin Zaik, Silke Volkner und Axel Schönnenberg sowie (stehend) Heiko Büscher, Susanne Fernkorn, Dominik Brünnig, Melanie Linka, Astrid Breidbach und Ekki Neumann. © Frank Dieper, Stadt Herne

Im Milieu des Ruhrpott-Fußballs

In Kleists „zerbrochenem Krug“ geht es bekanntlich um den Richter Adam, der über eine Tat zu Gericht sitzen soll, die er selbst begangen hat. Die Handlung im „zerdepperten Pott“ weist viele Ähnlichkeiten auf, allerdings spielt sie im Milieu eines hiesigen Fußballvereins. Ronaldo und Julia lassen grüßen – wieder steht das Fußball- und das Vereinsmilieu im Vordergrund. „Das Ziel ist es daher, dass sich möglichst viele Gäste wieder erkennen“, sagt Rech. Hier ist es der 1. FC Hinter Marl, der ehrgeizige Pläne verfolgt, weil er in die Regionalliga aufsteigen will. Wer die Parallelen zum „zerbrochenen Krug“ nicht auf Anhieb erkennt, kann sich auch an den Nachnamen orientieren: Aus dem Dorfrichter Adam wird Otto Adam, der Vorsitzende des 1. FC Hinter Marl, gespielt von Martin Zaik. Der Gerichtsschreiber Licht verwandelt sich in den Torwart Helmut Licht, verkörpert von Axel Schönnenberg. Und Gerichtsrat Walter heißt hier Fritz Walter und ist DFB-Funktionär (Heiko Bücher).

Über ein „erfolgreiches erstes Halbjahr“ zeigte sich Intendant Marvin Boettcher äußerst zufrieden. „‚Herr Pastor und Frau Teufel‘ war ein Kassenschlager, sozusagen der ‚Hotseason-Seller'“. Eingeschlagen hat auch das neue Ticketsystem. „Selbst ältere Zuschauer legen ‚Print-at-Home‘-Tickets vor.“ Vom „zerdepperten Pott“ soll das ganze Ruhrgebiet erfahren, weshalb 220 Großflächenplakate in der Region geklebt werden. Der Mondpalast will auch weiterhin zwei Premieren jährlich starten. „Die nächste Premiere ist schon in der Pipeline“, so Boettcher.

Es war der Adam

Der einzige Pokal, den der Verein je gewonnen hat, besitzt Reliquien-Status. Jetzt ist er zerdeppert – und alle machen sich einen Kopp, wer der Täter war. Wir wissen seit Kleist: Es war der Adam. Und wie der sich bei Kleist und bei Rech dreht und windet, das ist so lustig wie dramatisch. „Wir hatten das Stück schon länger im Visier“, sagt Prinzipal Christian Stratmann. Mit dieser Literaturverarbeitung hat Chefdramaturg Thomas Rech die Idee eines Kollegen aufgegriffen und führt nun Regie, Sigi Domke schrieb das Buch. Geprobt wird seit dem Ende der Sommerferien. Die derzeit aktuelle Kritik an der Fußballkultur wird nicht ausgeblendet, sagt Rech: Auch der wachsende Einfluss des Großkapitals fließt mit ein. „Allerdings sind wir kein politisches Theater, und diese Themen stehen nicht im Mittelpunkt.“

Horst Martens

www.mondpalast.com