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Die Ankunft der Jungfrau von Eickel

Historische Skulptur steht auf Heimatmuseum-Areal

Die Jungfrau von Eickel ist mit einem Krankentransport zum Gleiscafé im Heimatmuseum transportiert worden. Dort prangt sie nun auf einem noch trockenen und provisorischen Brunnen, der aber demnächst sprudeln soll.

Ihre letzte Reise war eine Liegendfahrt mit dem Dienstleister Hospi-Trans von der Jugendkunstschule, wo sie geschaffen wurde, bis zu ihrem Bestimmungsort. Wie eine Kranke wurde die Jungfrau von Eickel behandelt, was auch daran lag, dass die 1,62 Meter große, zierliche Frau leicht zerbrechlich ist. Klaus Möllmann und sechs seiner Mitarbeiter organisierten den Transport für den guten Zweck: Die 80 kg schwere und 1,62 Meter lange Figur wurden auf der Trage mit Styropor verpackt, damit auch nichts beschädigt wurde.

Nachbau aus einem Keller geborgen

Aber von Anfang an: Die Jungfrau war eine Bronzestatuette, die seit 1909 den Hohenzollern-Brunnen auf dem Eickeler Markt schmückte. Einer der Ladenbesitzer soll gefordert haben, die Figur auf einen drehbaren Podest zu setzen. „Sonst muss ich immer auf ihren Hintern starren“, beschwerte er sich. Im Dritten Reich schmolzen die Nazis die Skulptur in einem Akt des Kunstvandalismus für Kriegszwecke ein. 1971 kam der Konditormeister und Café-Inhaber Werner Messner Senior auf die Idee, die Jungfrau nachzubauen. Der Nachbau wurde nun aus einem Keller geborgen, um in der Jugendkunstschule restauriert zu werden. Doch da war jede Mühe vergebens, das Weib war dahin.

  • Die zerbrechliche Jungfrau allein im Krankenwagen. © Frank Dieper, Stadt Herne

Ein Kern aus Styropor

Werkspädagoge René Schuster fertigte auf Initiative von Hotte Schröder und den Mondrittern mit Jugendlichen der Jugendkunstschule die Replik einer Replik an, die jetzt auf die Reise zum Heimatmuseum geschickt wurde. Neben den Krankenpflegern war im Fahrzeug auch eine Radio-Herne-Reporterin, die live über die Krankenfahrt berichtete. „Als Vorlage haben wir in erster Linie alte, schlecht aufgelöste Fotos genutzt“, sagt Schuster. „Der Kern besteht aus Styropor, der Rest aus Beton.“ Die Frau wurde mit einer Farbe angestrichen, die angedunkelte Bronze imitiert. Ihren endgültigen Platz findet die Jungfrau direkt am „Gleiscafé“, das von Sandra Apostel-Schröder betrieben wird.

Bald sprudelt auch der Brunnen

„Eine aufregende Geschichte“, findet Hotte Schröder, der die Wiederbelebung der Jungfrau organisiert hat. „Die Leute haben unterwegs sparsam geguckt, als sie den Krankenwagen sahen. Sie fragten sich bestimmt, wen jetzt der Schlag getroffen hat.“ Gärtner Thorsten Klumpen wird „in den nächsten 14 Tagen“ den Brunnen-Nachbau fertigen. Eine Holzkonstruktion imitiert schon jetzt die Brunnenfassung. Klumpen wird zudem ein Wasserspiel installieren und die Vorbedingungen für eine Hydrokultur schaffen – schöne Blüten sollen den Brunnen dekorieren. „Anschließend ist dann eine Einweihungsparty fällig“, verspricht Hotte Schröder. Für Schröder und seine Mondritter hat die Schöne aus Eickel auch einen pädagogischen Wert. „Den Schülern kann man die Geschichte Eickels an der Figur erklären.“ Die Jugendstil-Skulptur war eine Hommage an den Hohenzollern-Kaiser und ein wichtiger Bestandteil des historischen Stadtteilplatzes. Was die Aktion kostet, ist noch nicht bekannt: „Wir warten die Rechnungen ab“, so Hotte.

Und zu Hotte Schröder: Mal schau’n, was der Mann sonst noch ausgräbt. Vielleicht kann man eines Tages sagen: „Hotte restauriert Eickel.“

Horst Martens