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Die größten Fans der Cranger Kirmes

Wie sich Kirmes-Fans auf die fünfte Herner Jahreszeit vorbereiten

Eine Familie echter Kirmeskinder ist die Familie Buchholz. ©Frank Dieper, Stadt Herne. Eine Familie echter Kirmeskinder ist die Familie Buchholz. ©Frank Dieper, Stadt Herne.

Sie sparen das ganze Jahr über, entwerfen Kirmes-T-Shirts, kennen die Geschichte jedes Fahrgeschäfts oder betreiben eine Fan-Seite auf Facebook. So unterschiedlich ihre Ideen sind, gemeinsam haben sie die Liebe zur Cranger Kirmes. Denn Crange ist für sie schöner als Urlaub.

Aufgewachsen am Kirmesplatz

Eine Familie echter Kirmeskinder ist die Familie Buchholz. Die drei Brüder Marco (40), Sven (36) und Patrick (30) sind in unmittelbarer Nähe zum Kirmesplatz aufgewachsen. Als Kind konnte Patrick am Rattern der Achterbahn erkennen, in welcher Kurve sich der Waggon gerade befand. Inzwischen lebt er mit seiner Frau Sarah und der zehn Monate alten Nela in der Wohnung. Auch Nela ist ein richtiges Kirmeskind: „Sie ist während der Kirmes geboren, bei den ersten Böllerschüssen vom Feuerwerk gingen die Wehen los“, berichtet die Mutter. Schon bevor der erste Schausteller-Wagen kommt, sind die Buchholz‘ auf dem Kirmesplatz und suchen die Markierungen für den Aufbau. „Wir schauen, wo was hinkommen könnte und planen selbst, wie wir die Fahrgeschäfte platzieren würden“, erzählt Patrick Buchholz.

Dieser Artikel erscheint auch in der Druckausgabe von inherne 3/18. Siehe auch diese Artikel: Beatrice Egli als Stargast im Festzelt, Wild und schwindlig, Von Pferdemarkt bis Feuerwerk.

  • Familie Krause/Giersch rechnet im "Kirmeszeit". ©Nina-Maria Haupt.
    Familie Krause/Giersch rechnet im „Kirmeszeit“. ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne.

Die Brüder kennen jedes Fahrgeschäft

Die Fahrgeschäfte kennen die drei Brüder genau: Welchem Schausteller gehört welche Attraktion? Wer hat sie zuvor besessen? Und wer wird wohl verkaufen? Ihr Wissen haben die drei meist aus dem Internet, lesen Fachforen und schauen Youtube-Filme über die Fahrgeschäfte. Aus eigener Erfahrung an jedem einzelnen Kirmestag kennt Familie Buchholz aber auch diverse Geheimtipps. Wo gibt es die besten Biere und den leckersten Schnaps? Wo die saubersten Toiletten?

Das Kirmes-Hauptquartier

„Das ganze Jahr über sind wir auf verschiedenen Kirmessen und in Freizeitparks. In Deutschland haben wir schon alle durch“, erklärt Karina Neumann, die mit Sven Buchholz verlobt ist. „Wir waren auch in den USA und in den Niederlanden in Freizeitparks“, berichtet er. Aber an Crange kommt keiner ran. Weil die Wohnung so nah am Kirmesplatz liegt, verwandelt sie sich im August ins Kirmes-Hauptquartier. Familie und Freunde kommen zu Besuch, übernachten, gehen mit auf den Platz.

Besondere Perspektiven von Crange

Der Cranger, der zwar in Bochum lebt, aber bei jeder Gelegenheit zum Kirmesplatz fährt, heißt Dominik Siwenski. „Der Cranger“ heißt auch seine Kirmes-Fanseite auf Facebook, die er seit August 2015 betreibt. Schon als er vier Monate alt war, hat seine Mutter ihn mit nach Crange genommen. Später fuhr Siwenski alleine mit dem Fahrrad hin und machte Fotos, die er seinen Freunden zeigte. „Ich versuche, die Menschen zu informieren, was auf Crange los ist. Ich möchte besondere Perspektiven von Crange finden, die das besondere Flair wiederspiegeln“, so der 21-Jährige. Damit auch andere Menschen seinen Blick auf Crange teilen können, richtete er die Facebook-Seite ein und hat inzwischen mehr als 1400 Abonnenten.

Die Bewohner gestalten Crange mit

Für Siwenski hat Crange eine besondere Stärke, die Hinterhof-Gastronomie: „Crange ist nicht nur eine Kirmes, die ein Veranstalter macht, sondern die auch die Bewohner mitgestalten. Wenn man nach Crange kommt, kann man den Alltag vergessen.“

Sobald die ersten Wagen kommen, geht es zum Kirmesplatz

Wer Familie Krause/Giersch besucht, sieht sofort, dass hier Kirmes-Fans wohnen. An der Küchentür hängen Zeichnungen, mit Riesenrad und Karussell natürlich. Die Künstler heißen Lola (9) und Charly (fast 8). „Kirmeskröte“ und „Kirmeskind“ steht auf ihren T-Shirts, die die Familie selbst entworfen hat. Auf dem Küchen-Regal stehen vier Spardosen, in die Wiebke Krause-Cords, Sascha Giersch und die beiden Kinder ihr Erspartes stecken. Denn wenn auf den Kirmesplatz aufgebaut wird, geht für sie die schönste Zeit des Jahres los.

„Kirmes ist unsere Zeitrechnung“

Für die Zeit der Kirmes gelten bei Familie Krause/Giersch eigene Regeln: „Sobald der Ritter oder der Steinmeister offen hat, koche ich nicht mehr“, sagt Wiebke Krause-Cords. Überhaupt: „Kirmes ist unsere Zeitrechnung. Hat jemand vor oder nach der Kirmes Geburtstag?“ Charly ist ein richtiges Kirmes-Kind: Er ist am Kirmessonntag während des Feuerwerks auf die Welt gekommen – und inzwischen mit Leidenschaft dabei, vor allem am Fußball-Stand. Auch Lola ist ein großer Fan des bunten Treibens: Kein Fahrgeschäft ist ihr zu hoch oder zu schnell. Bei so viel Begeisterung fällt der Abschied nach elf bunten Tagen schwer: „Nach der Kirmes fallen wir in ein Loch. Wenn die Kirmes vorbei ist, ist der Sommer vorbei und man ist schon ein bisschen niedergeschlagen“, meint Krause. Leiste fügt Lola hinzu: „Und ich habe ein bisschen geweint.“

Nina-Maria Haupt