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Die Kraft der reinen, ungemischten Farben

Konkrete Malerei in den Flottmann Hallen

Mehr als 40 großformatige, an Seilen aufgereihte, Farb-Malereien schaffen einen neuen, ungewohnten Blick auf die 600 Quadratmeter großen Flottmann-Hallen, den Kultur- und Veranstaltungsraum der Stadt Herne.

Die reine, ungemischte Farbe sind Thema und Titel der aktuellen Ausstellung. Thomas P. Kausel zeigt mit seiner Konkreten – das heißt: nicht abbildenden – Malerei die elementare Farb-Substanz; das ist: Pigment mit Bindemittel – wie zum Beispiel Leinöl oder Acryl. Die Flottmann-Hallen waren eine ganz besondere Herausforderung durch die Größe und Architektur. Er hatte den Wunsch, den Raum neu zu gestalten, nicht nur ein paar Bilder aufzuhängen. Und das ist ihm gelungen. Durch zwei diagonal gespannte Stahlseile durch den Ausstellungsbereich, schafft er praktisch drei neue Räume, die Dreiecke bilden und durch großformartige Arbeiten abgegrenzt werden. Dabei orientiert sich Kausel vor allem an drei Besonderheiten:

Der Einsatz von reinen, ungemischten Pigmenten

Zum einen arbeitet er nur mit den 154 reinen, ungemischten Pigmenten höchster Lichtechtheit. „Denn die Intensität reiner Farbe ist höher als die von gemischten Farben: reiner ist stärker!“, betont der Künstler. „Was ist das blaueste Blau? – wie rot kann Rot sein?“ Die Antworten kann der Betrachter in der Ausstellung sehen. Kausel macht die Farbe als Substanz sinnlich erfahrbar: auf der „Bühne“ von Holz, Papier und Leinwand stellen sich die Farb-Substanzen dar: transparent dünn oder dick aufgetragen mit rau strukturierter Oberfläche oder hochglänzend lackiert.

  • Ausstellungsleiterin Jutta Laurinat und Künstler Thomas P. Kausel während der Pressekonferenz. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Zahlen und Worte orientieren sich am Colour Index

Die zweite Besonderheit sind Worte und Ziffern, wie zum Beispiel „Blue 28″ . Hierbei handelt es sich um die international offiziellen Namen des jeweiligen Pigments. Diese Namen entstammen dem global verbindlichen industriellen Ordnungs-System Colour Index (C.I.). „Dieser Index ordnet die Pigmente und Farbstoffe als einziges nicht nach dem Aussehen wie alle gewohnten Farb-Kreise seit Newton oder Goethe, sondern nach dem chemischen Aufbau. Dieses System hat den Vorteil, dass man sich überall auf der Welt über Farbsubstanzen verständigen kann“, berichtet der 79-Jährige. So steht „Blue 28″ für das Pigment Kobalt-Blau. „Das Aussehen einer Farbsubstanz ist ja nur eine Eigenschaft, allerdings muss ich zugeben – die wichtigste. Wenn ich weiß, dass ich ein Kobalt-Pigment habe, habe ich im Hinterkopf auch gleich die anderen Eigenschaften. Es ist immer deckend, es ist sehr beständig und wird hunderte von Jahren halten.“

Reduzierte Sonderpreise zum 80. Geburtstag

Kausel orientiert sich bei seinen Werken streng an das o.g. Farbschema. Wenn der in Berlin geborene Künstler mehrfarbige „Farb-Akkorde“ fertigt, dann bestehen sie ausschließlich  – und das ist die dritte Besonderheit – aus chemisch verwandten Pigmenten: wie zum Beispiel drei rote Leinwände mit dem Titel „Red 254“ und „Red 255“ aus der organischen Substanz „Aminoketon“. Nach dem C.I. sind alle Bilder hier in Herne geordnet, so hängt z.B. ein braunes neben einem dunkelblauen Eisen-Oxid. Dies alles macht die ganze Ausstellung ungewöhnlich. Der Titel einer Werkgruppe „Unusual Interaction of Colors“ – bezieht sich explicit auf Josef Albers, den in den USA berühmt gewordenen Sohn Bottrops. Die Ausstellung zeigt: auch Kausel hat mit Landschaften angefangen, später abstrakt (krasse Beispiele: Aktions-Malerei, entstanden 1991 bei Hermann Nitsch – auf Kausels Art), endlich konkret. Anlässlich seines 80. Geburtstages, und nur hier in Herne, bietet der Künstler viele Arbeiten zu stark reduziertem Sonder-Preis an.

Kausel, 1937 in Berlin geboren und in München lebend, war Fotograf und Kameramann, studierte in Salzburg Malerei bei Vedova, Chia, Dias, bei Nitsch als Meisterschüler und bei G.K. Pfahler als Assistent. Arbeiten von Kausel befinden sich u.a. im Von der Heydt-Museum Wuppertal, Sprengel Museum Hannover, Hamburger Kunsthalle, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Berlinische Galerie Berlin, British Museum London.

Eröffnung: Samstag 28. Oktober 17 Uhr. Ausstellungsdauer: 28. Oktober – 15. Dezember 2017. Dienstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. An Veranstaltungstagen bis 20 Uhr. Montags geschlossen. Straße des Bohrhammers 5, 44625 Herne