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Die Verhüllung des Schlosses beginnt

Kunstprojekt "Coal Market"

Die ersten Jutesäcke hängen am Schloss. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Die erste Stoffbahn aus Jutesäcken hängt schon an der barocken Fassade von Schloss Strünkede, im Schlosshof steht ein Kran. Die Verhüllung des Schlosses hat begonnen. Im Hof dirigiert Francis Djiwornu, der Assistent des Künstlers Ibrahim Mahama, die Vorbereitungen. Die Feuerwehr hat bereits Wasserschläuche ausgerollt, die während der gesamten Dauer der Installation „coal market“ liegen bleiben werden – zum Brandschutz. Und die ersten neugierigen Spaziergänger bleiben stehen, stellen Fragen, beobachten, wie Stoffbahn um Stoffbahn hochgezogen und an eigens angebrachten Traversen befestigt wird.

  • Die Verhüllung von Schloss Strünkede beginnt. © Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ein Projekt von internationalem Rang

Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda ist gekommen, um sich einen Eindruck von einer der größten Kunstaktionen, die es je in Herne gab, zu verschaffen. „Ich bin hier, um Vorfreude zu wecken, auf ein Projekt von internationalem Rang, das ein Abschiedsgeschenk des Bergbaus ist“, so Dr. Dudda. Das Emschertal-Museum beteiligt sich nämlich am städteübergreifenden Großprojekt „Kunst & Kohle“  der RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau. Gefördert wird die Aktion unter anderem von der RAG-Stiftung.

„Es ist keine rein ästhetische Aktion. Hier geht es auch um eine politische und soziale Aussage und eine Aussage über die Weltwirtschaft“, erklärt Kurator Prof. Dr. Ferdinand Ullrich. Denn die Jutesäcke, die Mahama benutzt, haben früher Menschen in Ghana gehört, die damit alles Mögliche, auch Kohle, transportiert haben. Deswegen tragen die Säcke die Spuren ihres Einsatzes: Risse, Schmutz, Verformungen und Kennzeichnungen. Sie erinnern daran, unter welchen Bedingungen Menschen für die Kohle arbeiten. War es früher im Pott durchaus nicht ungefährlich, unter Tage zu malochen, sind die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern heute noch viel riskanter.

Das größte Projekt kommt nach Herne

„Wichtig ist, dass das größte Projekt der Ausstellungsreihe hier nach Herne kommt“, zeigt sich Ullrich, gebürtiger Herner und Sohn eines Bergmanns, stolz. Auch Dr. Oliver Doetzer-Berweger, Direktor des Emschertal-Museums, freut sich über die Installation in Herne: „Herr Mahama hat sich mit großem Interesse über die Bergbautradition und das Leben in Herne informiert.“ Nachdem der Künstler an der Documenta in Kassel und in Athen teilgenommen hatte, bringt er ein Stück Weltkultur nach Herne.

Kunst wird vor Ort gearbeitet

„Für mich ist der spannende Ansatz, dass hier Kunst gearbeitet wird. Das kann man sehen, das kann man fühlen. Ich bin gespannt, wie das Publikum reagiert“, sagt Dr. Dudda, während er den Beginn der Verhüllungen beobachtet. In den vergangenen Wochen war das Projekt bereits intensiv von Bürgern diskutiert worden. Ein Umstand, den die Verantwortlichen gar nicht negativ sehen. „Diskussionen sind gut – so lange sie sich in höflichen Bahnen bewegen“, findet Dr. Dudda. Und auch Ullrich empfindet die Auseinandersetzung damit als förderlich für die Stadtgesellschaft. Dennoch wird die Installation Tag und Nacht von Museumsmitarbeitern und einem Sicherheitsdienst beaufsichtigt. Nahbar wird das monumentale Kunstobjekt trotzdem sein. „Es ist Kunst im öffentlichen Raum. Jeder, der hier vorbei geht, sieht es. Sie können gar nicht anders, als Kunst wahrzunehmen“, so Ullrich.

Nina-Maria Haupt