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Dritter Herner Bildungsbericht liegt vor

Bildung

Pressegespräch zum 3. Herner Bildungsbericht. © Thomas Schmidt. Stadt Herne

Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff hat am Donnerstag, 22. Januar 2015, den inzwischen dritten Herner Bildungsbericht vorgelegt. „Er zeigt Herausforderungen und Stärken, und auch, an welchen Stellen noch angesetzt werden muss“, so die Stadträtin. Dennis Neumann und Christian Kattenbeck vom städtischen Fachbereich Schule und Weiterbildung erläuterten die Ergebnisse des Berichts.

 Was sind die zentralen Ergebnisse des dritten Herner Bildungsberichts?

Der nach den Berichten von 2008 und 2011 nunmehr dritte Herner Bildungsbericht wurde inhaltlich um die Themenfelder Weiterbildung sowie non-formales und informelles Lernen erweitert. Somit wird nun erstmals ein Überblick über die Möglichkeiten des Lernens entlang des Lebensverlaufs in Herne gegeben.

An vielen Punkten des Bildungsberichts konnte gezeigt werden, dass Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Besonders gut kann dies anhand der Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung gezeigt werden, bei der alle Kinder vor dem Eintritt in die Grundschule gesundheitlich – unter anderem auf ihre Sprachkompetenzen – untersucht werden. So wird festgestellt, dass Kinder in Abhängigkeit des sozioökonomischen Status ihrer Familien häufiger mangelnde Sprachkompetenzen aufweisen können. Einen positiven Einfluss auf eine solche Problemlage hat allerdings eine lange Kindergartenbesuchszeit, die in den letzten Jahren sukzessive erhöht werden konnte.

Mit Blick auf die Schule fällt auf, dass der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die die Schule mit einem Abitur verlassen haben, deutlich gestiegen ist. Im Vergleich zum Jahr 2008 erreichten 17 % mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur, was einem Anteil von 33 % an allen Schulabschlüssen von Abgängerinnen und Abgängern von Herner Schulen entspricht. Gleichzeitig gibt es allerdings auch viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne einen Abschluss. Sie haben einen Anteil von 8 % an allen Abgängerinnen und Abgängern.

Der Bildungsbericht bietet erstmals einen Einblick in non-formale und informelle Unterstützungssysteme. So wird gezeigt, dass 31 % der Hernerinnen und Herner in den letzten 24 Monaten an einer Weiterbildung teilgenommen haben. Die Volkshochschule als ein Weiterbildungsanbieter in Herne konnte im Jahr 2012 sogar einen Höchststand von 12.739 Belegungen vermelden. Darüber hinaus zeigt der Bildungsbericht eine Auswahl weiterer Unterstützungssysteme non-formaler und informeller Bildung. So hat die Stadtbibliothek – um auf die Sprachkompetenzen zurückzukommen – ihr Angebot in den letzten Jahren breiter aufgestellt und hat gezielt Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche geschaffen. Durch ihre Bildungspartnerschaften mit Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Schulen ist sie ein wichtiger Akteur zur Prävention von mangelnden Sprachkompetenzen geworden. Als konkretes Beispiel hierfür kann die Junior-Fahrbibliothek gelten, die im 14-tägigen Rhythmus entsprechende Institutionen anfährt und Kinder, Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen mit altersgerechten Angeboten versorgt.

Was ist der Kontext des Bildungsberichts?

Der Bildungsbericht hat zum Ziel, Transparenz über die Bildungslandschaft in Herne herzustellen und dadurch zur Weiterentwicklung der Bildungslandschaft beizutragen, indem notwendige Diskussionen initiiert und objektiviert werden. Dazu bedarf es der kontinuierlichen und indikatorengestützten Analyse von wichtigen Kennzahlen. Dies meint einen regelmäßig aktualisierbaren Satz an Kennzahlen (z.B. „Anteil der Übergänge zum Gymnasium“ oder „Anteil der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife“). Die Interpretation dieser Daten hilft, Entscheidungen im Bildungssystem nachzuvollziehen sowie Stärken und Schwächen der kommunalen Bildungslandschaft zu erkennen und so von „Daten zu Taten“ zu gelangen.

Die Bildungsberichterstattung ist Teil des im Bildungsbüro verorteten Bildungsplanungsprozesses der Stadt Herne. Ziel ist es, die in Herne zur Verfügung stehenden Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Zur Entscheidungsfindung bedarf es einer fundierten Datenbasis, auf deren Grundlage Entscheidungen getroffen werden können. Ein zentraler Aspekt des Bildungsmanagements ist die Einbeziehung der Öffentlichkeit, zum einen durch Berichte in politischen Ausschüssen, durch die Bildungskonferenz oder durch Veröffentlichungen wie dem Bildungsbericht. Das wichtigste Ergebnis der letzten Jahre war das 2011 vom Rat der Stadt Herne verabschiedete und von allen Herne Bildungsakteuren gemeinsam entwickelte Leitbild „Lernen! in Herne“. Die daraus resultierenden 14 Handlungsziele, die 2013 vom Rat der Stadt Herne beschlossen wurden, sollen für 3 bis 5 Jahre handlungsleitend für alle Herner Bildungsakteure sein. Gleichzeitig stellt die Weiterentwicklung der Handlungsziele einen Schwerpunkt für die Arbeit des Bildungsbüros dar, bei der es erneut alle Herner Bildungsakteure einzubeziehen gilt.

  • Vorstellung des 3. Herner Bildungsberichts durch die Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff, © Thomas Schmidt, Stadt Herne

 Zahlen, Daten, Fakten (Auswahl)

Herne ist stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Bis 2030 ist von einem Rückgang der Einwohnerzahl um 12,2 Prozent auszugehen. In der Gruppe der unter 18-Jährigen ist sogar ein Rückgang um 25,4 Prozent zu erwarten. Dies entspricht einer Zahl von 7.050 Kindern und Jugendlichen.

Mehr als jede vierte Hernerin / jeder vierte Herner (28,3 Prozent) hat einen Migrationshintergrund. Innerhalb der Gruppe der unter 18-Jährigen sogar fast die Hälfte (47,9 Prozent)

Viele Herner Familien leben in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Das zeigt sowohl die, auch im Vergleich mit dem ganzen Ruhrgebiet, hohe Arbeitslosenrate (Herne 13,2 Prozent, Ruhrgebiet 10,6 Prozent), als auch der hohe Anteil von Kindern unter 15 Jahren, die in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II leben. Auch deren Anteil ist mit 27,6 Prozent höher als im ruhrgebietsweiten Durchschnitt (24,7 Prozent). Ein Blick in das Kapitel „kleinräumige Strukturen“ (Seite 37 bis 46) zeigt zudem die teilweise gravierenden Unterschiede zwischen den einzelnen 13 Herner Ortsteilen.

Ein mindestens zweijähriger KiTa-Besuch stellt über alle beobachteten sozialen Gruppen hinweg den Regelfall dar. Der Anteil der Kinder, die bis zur Einschulung weniger als 24 Monate eine Kindertageseinrichtung besucht haben, ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

Die herausragende Bedeutung von Familien im Erziehungsprozess von Kindern wurde in den letzten Jahren deutlich stärker gewürdigt. So wurden die strukturellen und konzeptionellen Grundlagen für Familienbildung mit der Einrichtung des Familienbüros sowie mit der fortschreitenden Zertifizierung von Familienzentren nachhaltig weiterentwickelt.

Der Anteil der Kinder mit mangelnden Sprachkompetenzen in der deutschen Sprache ist seit Jahren relativ konstant. Im Rahmen der Sprachstandserhebungen zwei Jahre vor der Einschulung werden rund ein Drittel aller Kinder als sprachförderbedürftig eingeschätzt.

Der Anteil der Kinder mit mangelnder Sprachkompetenz in der deutschen Sprache variiert mit der Dauer des Kindergartenbesuchs. Mit zunehmender Kindergartenbesuchsdauer ist auch die Sprachkompetenz tendenziell höher.

Über 15% der Einschülerinnen und Einschüler in Herne sind übergewichtig oder adipös. Der Anteil übergewichtiger Kinder variiert insbesondere mit dem sozioökonomischen Status der Familien.

Aufgrund weiterhin sinkender Schülerzahlen sowie gesetzlicher Neuregelungen im Rahmen der Inklusion, mussten und müssen schulorganisatorische Maßnahmen ergriffen werden. Insbesondere die Hauptschulen sowie die Förderschulen, ferner auch die Grundschulen sind aktuell von rückläufigen Schülerzahlen betroffen.

Durch den Ausbau von Ganztagsangeboten im Primar- wie auch Sekundarbereich, haben sich die strukturellen Voraussetzungen für individuelle Förderung in den allgemeinbildenden Schulen verbessert. Die Nachfrage nach ganztägigen Angeboten dürfte allerdings nach wie vor das derzeitige Angebot übersteigen.

Die sozial selektive Verteilung von Übergängen sowie die starke Streuung der grundschulspezifischen Übergangsquoten auf das Gymnasium verweisen auf das große Problem ungleicher Bildungsteilhabe und Bildungschancen. Das im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Abschlussniveau der Herner Schülerinnen und Schüler ist nicht zuletzt ein Ausdruck der im Schnitt ungünstigeren sozioökonomischen Lage der Herner Familien.

Auch die Schülerzahl der Berufskollegs ist – trotz derzeit noch konstanter Abgängerzahlen an allgemeinbildenden Schulen – rückläufig. Seit dem Jahr 2008/09 ist die Schülerzahl der städtischen Berufskollegs insgesamt um 5,6% zurückgegangen. Dies gilt insbesondere für die dualen Fachklassen sowie für die Klassen für Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildungsverhältnis.

Zahlreiche Bildungsgänge der Berufskollegs ermöglichen den nachträglichen Erwerb allgemeinbildender Schulabschlüsse. 2012 konnten sich 604 Jugendliche im Hinblick auf ihren allgemeinbildenden Schulabschluss verbessern.

Die Volkshochschule konnte ihr Angebot seit 2006 kontinuierlich erweitern. Im Jahr 2012 konnten rund 17 % mehr Kurse angeboten werden.

Weiterbildung unterliegt geschlechtsspezifischen Unterschieden. Während Männer überwiegend betriebliche Weiterbildung in Anspruch nehmen, besuchen Frauen häufiger auch aus privaten Gründen Weiterbildungsveranstaltungen. An der Volkshochschule machen Frauen 71% der Belegungen aus.

Die Weiterbildungslandschaft ist heterogen und hält eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote vor, deren Einzugsbereich über die Stadtgrenzen von Herne hinaus reicht.

Die Herner Stadtbibliothek hat trotz der Schließung von Teilstandorten nicht an Bedeutung verloren. Zwar reduzierte sich die Anzahl der Entleihungen pro Einwohner, die Besuche je Einwohner blieben jedoch auf einem konstanten Niveau. Daher lässt sich vermuten, dass sich die Bedeutung der Stadtbibliothek insofern verlagert hat, als dass ihre Bedeutung als Ort des Lernens und der sozialen Interaktion wichtiger geworden ist.

Non-formale und informelle Bildung sind zentrale Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Einzelnen. Es bedarf einer großen Vielfalt an Angeboten, um alle Bevölkerungsgruppen angemessen zu erreichen.

 Hier gelangen Sie zum Bildungsbericht.