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Ein Klassenraum in der Natur

Emschergenossenschaft baut den Ostbach um

Die Schülerinnen und Schüler freuen sich auf den neuen Lernort. © Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Da, wo einmal das Blaue Klassenzimmer sein soll, ist es derzeit vorwiegend grün. Vom Ostbach ist neben dem Otto-Hahn-Gymnasium noch nicht viel zu sehen, der fließt an der anderen Seite des Gebäudes vorbei. Bald möchte die Emschergenossenschaft den Bachlauf renaturieren, den Bach ein Stück umleiten – und dabei einen Klassenraum unter freiem Himmel einrichten, den das Otto-Hahn-Gymnasium gemeinsam mit der Schiller-Schule nutzen kann.

  • Biologie-Lehrer Torsten Kramer erklärt, wie das blaue Klassenzimmer aussehen soll. © Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Diskussion statt Hitzefrei

Ein Stück Wiese muss dafür weichen, erklärt Torsten Kramer, Lehrer für Biologie und Philosophie. Wiese, die derzeit häufig als Hundetoilette genutzt wird. Dafür sollen ein natürlicher Bachlauf und Freiluft-Klassenzimmer entstehen. Statt Hitzefrei zu genießen, haben sich 24 Schüler beider Schulen am Montag, 19. Juni 2017, versammelt, um mit ihren Lehrern, den Projektleitern von der Emschergenossenschaft und Mitarbeitern des Landschaftsarchitektur-Büros Hoff ihre Ideen für das Blaue Klassenzimmer zu diskutieren. Schulleiter Egon Steinkamp bringt einen Kasten eiskalter Wasserflaschen mit, Sabrina Oelze vom Landschaftsarchitektur-Büro Hoff und ihre Kollegin haben Pläne ausgerollt. Ulrich Hermanns, Projektleiter der Emschergenossenschaft, möchte sowohl die Schiller-Schule als auch das Otto-Hahn-Gymnasium in die Planungen einbeziehen. Denn derzeit haben beide Schulen gemeinsam die Patenschaft für den Ostbach übernommen.

Zwei Lernorte am Bach

Gleich zwei Lernorte will die Emschergenossenschaft den Schulen bauen: Einen Klassenraum mit Sitzreihen aus großen Steinen und einem steinernen Pult, das sogenannte Blaue Klassenzimmer. Ein Stückchen weiter soll die Aue-Klasse entstehen: An einer Stelle, wo der Bach sich staut und eine Aue bildet, sollen Trittsteine einen Weg durch das Wasser bilden. Außerdem sollen auch dort Sitzgelegenheiten entstehen, wo sich einzelne Schüler niederlassen und Wasserlebewesen untersuchen oder Pflanzen zeichnen sollen. Aber nicht nur die beiden Schulen, auch Kitas oder Vereine sollen den Lernort nach Absprache nutzen können.

Biotop und Hochwasserschutz

Derzeit fließt der Ostbach hinter dem Gymnasium entlang und verschwindet ein Stück weiter unter der Erde, unterquert die Herner Innenstadt und tritt erst kurz vor dem Rhein-Herne-Kanal wieder zutage. In Zukunft soll er so naturnah wie möglich gestaltet und vor allem aus der Betonröhre befreit werden. Damit nicht mitten in der Stadt kilometerweise der Boden aufgerissen werden muss, wird der Ostbach ein Stück verlegt und bekommt dort Platz, um sich mit samt den dazugehörigen Tieren und Tierchen auszubreiten. Nicht nur aus reiner Liebe zur Natur gibt die Emschergenossenschaft dem Bach sein natürliches Aussehen zurück. Auch vor Hochwasser schützt ein natürlicher Bachlauf deutlich besser als eine Betonrinne.

Fördergelder für die Freiluft-Klasse

Das Geld für den ökologischen Umbau des Gewässers kommt von der Emschergenossenschaft. Die reinen Kosten für das Blaue Klassenzimmer werden vom Landesministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr bis zu 80 Prozent gefördert. Angedockt wird das Projekt an den Stadtumbau Herne-Mitte, für den das Ministerium die Fördergelder bereithält.

Schüler gestalten Lern-Material

Zuerst bedeutet der Umbau etwa zwei Jahrelang eine Baustelle neben der Schule. Bäume müssen gefällt und neue gepflanzt werden, Bagger werden den Bachlauf ausheben und Laster die Steine liefern. Am Ende sollen noch Info-Materialien bereitgestellt werden, in welcher Form, das überlegen Schüler und Projektleiter noch. Auf jeden Fall sollen die Evolution und das Sonnensystem dargestellt werden – die Schüler des Gymnasiums wollen die fachlichen Inhalte liefern, die Grundschüler wollen sie gestalten. Besonderen Wert legen sie alle darauf, dass kein Müll in ihrem zukünftigen Lern-Biotop herumliegt. Damit sie beim Lernen nicht in Haufen treten, wollen sie keine Hunde in ihr Freiluft-Klassenzimmer lassen und auch zum Spielen wollen sie Möglichkeiten schaffen. Das Planungsbüro nimmt die Wünsche und Ideen auf und überarbeitet daraufhin noch einmal die Pläne. Demnächst wird der Auftrag ausgeschrieben, 2018 soll der Bau beginnen und 2020 soll der Freiluft-Klassenraum fertig sein.

Nina-Maria Haupt