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Eine Karriere unter Tage

Heiner Langhoff war der letzte Betriebsleiter der Zeche Unser Fritz

Heiner Langhoff war der letzte Betriebsleiter auf Unser Fritz. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Eine schwarze Narbe kennzeichnet das linke Ohr von Heiner Langhoff. Ein Zeichen, das ihn an seine lange Dienstzeit unter Tage erinnert. Er war gerade 18 Jahre alt, als er von Kohle verschüttet wurde. „Mein linkes Ohr war halb ab. Im Bergmannsheil hat man mich dann wieder zusammengeflickt“, erinnert sich der 74-Jährige. Aber lange im Krankenhaus liegen wollte er auf keinen Fall: „Ich wollte schnell wieder unter Tage arbeiten.“ Dabei konnte er  damals noch nicht ahnen, dass er der letzte Betriebsführer der Herner Zeche Unser Fritz sein würde.

  • Tags und oft auch nachts im Einsatz: Heiner Langhoff. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Mit 15 Jahren ins Ruhrgebiet

Als Jugendlicher in Berlin träumte Heiner Langhoff eigentlich von einem Leben bei der Handelsmarine. Aber als in seiner Schule Bergwerksgesellschaften um Nachwuchs warben, wurde sein Interesse geweckt. „Ich bin mit 15 Jahren von Zuhause weg“, erzählt Langhoff, der dann nach dem Hauptschulabschluss 1959 in das Lehrlingsheim der Zeche Pluto gezogen ist. Aber erst mit 16 Jahren ging es für ihn unter Tage: „Vorher durften die Jugendlichen noch nicht.“ Langhoff, der sich besonders auch für die Maschinen interessierte, beließ es aber nicht bei der Lehre. Er machte sein Fachabitur in der Abendschule und besuchte anschließend die Fachhochschule. Als Diplom-Ingenieur wurde er am 1. Februar 1969 Steiger auf Zeche Pluto Wilhelm. Nur drei Jahre später dann Reviersteiger: „Das war auch für die damaligen Verhältnisse sehr früh.“ Vom Reviersteiger wurde er 1977 zum Fahrsteiger befördert. Zu dem Zeitpunkt war der leitende Angestellte gerade 32 Jahre alt und zog in das großzügige Haus in der Plutostraße, das noch heute sein Zuhause ist. Es folgte die Beförderung zum Obersteiger und schließlich 1988 zum Betriebsführer. Zu diesem Zeitpunkt gehörten die Zechen Pluto Wilhelm, Unser Fritz und Consolidation als Verbundbergwerk längst zusammen.

Der Alltag

„Um 4.30 Uhr wurde ich angerufen und über die Nachtschicht informiert“, erklärt der zweifache Vater seinen Alltag. Danach ging es ins Büro. „Hier lagen die Protokolle und die wichtigsten Zahlen. Um 6 Uhr war die Reviersteigerbesprechung und um 7 Uhr die Besprechung mit der Direktion. Da musste man sich belobigen oder verhauen lassen –je nach Lage der Dinge“, so Langhoff. Danach ging es für ihn unter Tage, er kontrollierte den laufenden Betrieb. Um 16 Uhr gab es dann die nächste Besprechung mit der Direktion. „Da ging es dann um Kosten, Planungen und Unfallverhütung. Um 19 Uhr war in der Regel Feierabend.“ Dann war Zeit für die angenehmen Privilegien: „Als Betriebsleiter von Unser Fritz war ich gleichzeitig auch Vorsitzender des Casinovereins.“ Mit zum Teil hochkarätigen Gästen habe er hier den einen oder anderen Abend verbracht. „Ich habe so viele interessante Menschen kennengelernt. Das war eine tolle Zeit.“

Als Betriebsführer allerdings war Langhoff auch immer im Dienst. Selbst am anderen Ende seines Gartens gab es ein Werkstelefon, damit er immer erreichbar war. „Das Telefon ging Tag und Nacht. Teilweise wurde ich auch am Wochenende zu Besprechungen gerufen.“ Fernreisen und Erreichbarkeit Deswegen hat Langhoff den Urlaub besonders weit weg auch so sehr geliebt: „Ich war immer mindestens 10.000 Kilometer von der Zeche weg, dann gab es kein zurück. Aber selbst in Costa Rica ist ein Fax im Hotel angekommen, dass ich zurückkommen soll“, erinnert sich der 74-Jährige, der seit 1987 auch die Grubenwehr angeführt hat.

Im Frühjahr 1994 war dann Schluss für Langhoff: Mit 50 Jahren wurde er als letzter Betriebsführer von Unser Fritz pensioniert. „Ich habe den Job mit Leib und Seele gemacht. Es gab zwar auch schwierige Phasen. Aber ich bin jeden Tag gern zur Arbeit gegangen“, sagt der Mann, dem die extremen Bedingungen unter Tage nie etwas ausgemacht haben. „Ich hatte das Glück, dass ich körperlich immer sehr fit war und heute noch bin. Die Temperaturen haben mich nie gestört.“ Aber an die Pensionierung habe sich sein Körper dann schon gewöhnen müssen: „Mein Körper spielte verrückt. Das ganze System musste ich erstmal runterfahren. Dann habe ich viel Sport gemacht.“

Mittlerweile hat Langhoff sich aber daran gewöhnt. Mit seiner Frau und seiner Hündin Emma genießt er das Leben in Herne. Er hat nur noch einige Andenken, die an die Zeit unter Tage erinnern. Eines davon ist die Narbe an seinem Ohr.

Anja Gladisch