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Eine neue Chance für 20 Jugendliche

Ausbildungsplätze

Kooperative Ausbildung an Kohlestandorten © Thomas Schmidt, Stadt Herne

20 Jugendliche aus Herne können endlich eine Ausbildung beginnen. Die RAG-Stiftung und das Land NRW haben ihr Programm „Kooperative Ausbildung an Kohlestandorten“ ausgeweitet. Junge Menschen, die bislang keinen Ausbildungsplatz finden konnten, können nun eine überbetriebliche Ausbildung absolvieren. NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer, Bärbel Bergerhoff-Wodopia aus dem Vorstand der RAG-Stiftung und Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda stellten das Programm am Freitag, 28.Oktober 2016 im Herner Rathaus vor.

  • 20 neue Ausbildungsplätze für Herner Jugendliche. © Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Ich habe fast das ganze Jahr gesucht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, einen Ausbildungsplatz zu finden“, berichtet Asya Yilmaz. „Ich habe immer zwanzig bis dreißig Bewerbungen auf einmal weggeschickt. Meistens haben nur zwei Firmen überhaupt geantwortet.“ Jetzt macht die 19-jährige Hernerin eine Ausbildung zur Friseurin. Auch Tatyana Theuner hatte Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. „Viele Firmen haben mich nicht genommen, weil ich ein Fachabitur habe. Sie meinten, ich sei überqualifiziert“, sagt die Zwanzigjährige. Auch sie kann nun eine kooperative Ausbildung zur Friseurin machen.

Schon fast alle Plätze vergeben

Bei dieser Form der Ausbildung beginnen die Azubis nicht bei einem Betrieb, sondern bei einem Bildungsträger. In Herne hat die RAG-Stiftung dafür die „Gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft Herne mbH“ ausgewählt, eine städtische Tochtergesellschaft. Die Beschäftigungsgesellschaft betreut die Jugendlichen während ihrer Ausbildung, unterstützt sie bei Problemen in Schule und Betrieb und gibt bei Bedarf auch Nachhilfe. Pädagogen achten darauf, dass die Jugendlichen pünktlich kommen und ihre Berichtshefte führen.

In Partnerbetrieben absolvieren die Azubis ihren praktischen Teil. Wenn es gut klappt, werden sie nach einem Jahr von den Betrieben in ein normales Ausbildungsverhältnis übernommen. Sollte das nicht klappen, machen die Jugendlichen ihre Ausbildung beim Bildungsträger zu Ende. In Herne sind schon 18 der 20 verfügbaren Plätze vergeben.

Chance, ein eigenes Leben aufzubauen

In den vier ehemaligen Bergbau-Städten Bochum, Herne, Gelsenkirchen und Marl gibt es nun insgesamt 80 neue Plätze in dem Ausbildungsprogramm. Gerade für Jugendliche in den Bergbaustädten ist das wichtig, denn „Mit dem Ende des Bergbaus sind auch viele Ausbildungsplätze weggefallen“, erklärt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstand der RAG-Stiftung. Deswegen möchte sie den Jugendlichen „Anerkennung und Wertschätzung geben und eine Chance, ihr eigenes Leben aufzubauen.“

Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

In den vier Städten ist diese Unterstützung sehr willkommen. „Eines der größten Problemfelder unserer Stadt ist die Jugendarbeitslosigkeit“, erklärt der Herner Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. „Wir haben in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze generieren können – wir haben aber auch mehr Bewerber.“ Deswegen bleiben immer noch Jugendliche ohne Ausbildung. Mit der Woche der Ausbildung und anderen Projekten wirbt die Stadtverwaltung bei Betrieben darum, mehr Auszubildende einzustellen. Alleine kann sie das Problem jedoch nicht lösen. „Die große alte Tradition der Ruhrkohle lebt in Herne zum Glück fort: Die Solidarität“, freut sich Dudda über die Unterstützung.

Auch NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer betont, wie wichtig das Programm ist: „Mir ist es ein Herzensanliegen, dass es für junge Menschen genug Ausbildungsplätze gibt. Eine abgeschlossene Ausbildung bietet einen guten Schutz vor Langzeitarbeitslosigkeit. Nur wenn wir heute ausbilden, gestalten wir unser aller Zukunft mit.“

Nina-Maria Haupt