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Einen Ehrenplatz für die Nummer 10

Fußballausstellung

Die DSC-Legende Norbert Lücke besucht die Fußballausstellung

Das schwarz-gelbe Trikot mit der Nummer 10 hat Zuhause in der Vitrine einen Ehrenplatz: Normalerweise gibt es Norbert Lücke nicht aus den Händen. Für die Ausstellung „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei“ macht das DSC-Idol eine Ausnahme.

Mittelfeldregisseur schwelgt in Erinnerungen

36 Jahre alt ist inzwischen das  Trikot, in dem der Mittelfeldregisseur  Süd einst an der Seite von Ingo Peter die Fäden zog. Das gute Stück hat schon etwas Nostalgisches an sich und ist daher wie gemacht für die Ausstellung, die insbesondere die lokale Fußballgeschichte von Herne und Wanne-Eickel beleuchtet. Lücke hat die Exponate inzwischen schon zweimal gesehen und ist völlig begeistert: Hier ist wirklich etwas ganz Tolles auf die Beine gestellt worden. Da muss man Respekt zollen. Für ältere aber auch für jüngere Fußballfans ist es doch eine Freude in den alten , Jährige. Geschwärmt haben damals auch die Zuschauer über die Nummer 10 des DSC Wanne-Eickel. 

32 Tore in der Zweiten Liga erzielt

Ein Foto in der Ausstellung zeigt die Massen, die bis an den Spielfeldrand dicht gedrängt ein Derby in den 70er Jahren gegen Westfalia Herne verfolgen. Es war die Zeit als beide Traditionsmannschaften noch große Erfolge eierten. Die zwei Jahre in der Zweiten Bundesliga (1978 bis 1980) waren auch für Lücke die Highlights seiner langen Karriere. In 64 Begegnungen traf er 32 Mal, eine Quote, die Einen Ehrenplatz für die Nummer 10 sich sehen lassen kann. Sein Heimatverein hieß allerdings 1.FC Styrum. Als 19-Jähriger wechselte Lücke 1969 zum Bundesligisten RW Oberhausen, für den er zwei Spielzeiten das Trikot trug. Nach einem Gastspiel bei Viktoria Köln landete der Mann mit der Nummer 10 1973 in Wanne. 16 Jahre – bis 1989 – kickte Lücke in der ersten Mannschaft. Als Dank für die 16 Jahre gab es von den Fans einen Teller mit Gravur. Auch dieser Teller ist in der Ausstellung zu sehen.kickte Lücke in der ersten Mannschaft. Als Dank für die 16 Jahre gab es von den Fans einen Teller mit Gravur. Auch dieser Teller ist in der  Ausstellung zu sehen.

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Norbert Lücke am Kicker in der Fußballausstellung. ©Michael Paternoga

Zu sehen gab es auch von Lücke einiges auf dem Platz. Mit zahlreichen Vorlagen und Toren verwöhnte er seine Fans. Ein Treffer in der ersten Liga blieb ihm allerdings verwehrt. An die zwei Spielzeiten in Oberhausen denkt er dennoch gerne zurück: „Als junger Bursche war das natürlich schon ein Erlebnis. Diese Zeit will ich nicht missen“, verrät der gebürtige Oberhausener. Sein Trainer trug schon damals einen großen Namen. Adi Preißler. Als Assistent stand Karl-Heinz Feldkamp noch am Anfang seiner Trainer-Karriere. Genauso wie der junge Lücke als Spieler. Er spricht heute noch von einem Glücksfall, wenn er an seine erste Begegnung mit Werner Stahl denkt. Stahl wechselte 1973 als Trainer von Westfalia Herne zum Dauerrivalen nach Wanne-Eickel und hatte dabei auch Lücke auf seiner Wunschliste. Das Jahr 1973 war somit der Beginn einer langen Treue zum DSC. Eine Verbundenheit, die auch 41 Jahre später anhält. Bei jedem Heimspiel ist der Schwarz-Gelbe vor Ort. Dann trifft er sich mit Weggefährten wie Uli Seidel, Horst Bittger oder Helmut Hanisch, um über die alten Zeiten zu plaudern. Besonders in Erinnerung bleibt das Jahr 1978. Mit dem Gewinn der Westfalenmeisterschaft und dem Aufstieg in die Nordstaffel der Zweiten Bundesliga – die Liga war damals noch zweigeteilt – feierten die Schwarz-Gelben die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. „Wir waren damals eine eingeschworene Truppe. Es wurden nur Spieler geholt, die in die Mannschaft passten.“ Die Zuschauer von damals erinnern sich sicherlich noch an Namen wie Reinhard Biermann, Roland Kosien, Ingo Peter, Hannes Oehler, Peter Wieczorek – um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen – Aufstiegstrainer Günter Luttrop. „Den beiden Trainern Günter Luttrop und Werner Stahl habe ich viel zu verdanken. Sie sind gut auf mich eingegangen, ich war nicht immer ein einfacher Typ“, gesteht der Ruheständler, der zuvor als Steiger oft in die Grube eingefahren ist. In der Bergbauwerkstatt von Heitkamp war er viele Jahre unter Tage tätig. Zu Beginn malochte er in Herten auf der Zeche Schlägel & Eisen, später 16 Jahre auf Auguste Viktoria in Marl. Der Job war ihm natürlich wichtig, auch, wenn das Profitum lockte. In diesem Zusammenhang ist sicherlich auch der schwerste Moment seiner Fußballkarriere zu sehen. „Als wir die Lizenz für die Zweite Liga zurückgegeben haben, war es natürlich schon bitter. Das tat schon weh, aber nachdem man ein paar Tage darüber geschlafen hat, konnte man die Entscheidung schon nachvollziehen. Durch die Einführung der eingleisigen Zweiten Liga hätte man auch bei uns das Profitum einführen müssen. Viele hätten ihren Beruf aufgeben müssen“, sagt Lücke, der von großen Verletzungen verschont blieb.

Kopfballtor gegen Uli Stein

Der schönsten Nebensache der Welt ist er natürlich auch nach seiner Laufbahn treu geblieben. Von 2003 bis 2006 war er sogar Vorsitzender. Das Traineramt war dagegen nicht sein Ding. Ein kurzes Gastspiel gab er als Torwarttrainer beim RSV Wanne. Zwei Jahre schickte das einstige Idol an der Seite von Fritz Bödecker und Hannes Oehler die Keeper auf dem Bickernsportplaz in die Ecken. Wie die Torhüter zu überwinden sind, weiß ein ehemaliger Spieler wie der heute 63-Jährige natürlich bestens. Noch gerne erinnert er sich an ein Kopfballtor gegen Ex-Nationalspieler Uli Stein. 1979 war Arminia Bielefeld als Bundesliga-Absteiger haushoher Favorit gegen den DSC Wanne-Eickel. „Wir sind noch überraschend 1:0 in Führung gegangen, haben zum Schluss aber leider 1:2 verloren.“ Eine Niederlage gab es leider auch 1985 im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Damals gegen die Reserve von Werder Bremen im Weserstadion. Auf der anderen Seite kickten Spieler wie Dieter Eilts oder Frank Ordenewitz und machten das 0:3 perfekt. Dieses Finale war einer der letzten Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. Lücke würde gerne wieder mehrere tausend Fans im Stadion Wanne-Süd begrüßen. Aber auch er weiß: „Für die kleinen Amateurvereine wird es nicht einfacher.“ Daran kann auch ein Ehrenplatz für die Nummer 10 nur wenig ändern…

 

 

Die Fußballausstellung „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei“ wurde mit viel Liebe zum Detail von dem Historiker Ralf Piorr zusammengetragen:

Ort: Heimat- und Naturkundemuseum, Unser-Fritz-Straße 108

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr

Samstag: 14 bis 17 Uhr

Sonntag: 11 bis 17 Uhr

Die Ausstellung ist bis zum 5. Oktober zu sehen