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Fahrplan für die energetische Entwicklung von Herne-Mitte vorgestellt

InnovationCity roll out

Tobias Clermont, Dr. Jürgen Bock, Dr. Frank Dudda und Karlheinz Friedrichs mit dem Konzept für Innovation City Herne. © Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Innovation City ist die Keimzelle der Stadterneuerung in Herne. Wir wollen Hausbesitzer beraten, ermutigen und ihnen Wege zu mehr Wohnqualität aufzeigen“, so beschreibt Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda das Projekt. Schon seit mehreren Jahren arbeitet Herne daran, gleichzeitig die Umwelt zu schonen und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern.

  • Tobias Clermont, Dr. Jürgen Bock, Dr. Frank Dudda und Karlheinz Friedrichs mit dem Konzept für Innovation City Herne. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Nach tiefgehenden Analysen, Einzelgesprächen und Berechnungen kann nun das nächste Kapitel aufgeschlagen werden: Tobias Clermont, Prokurist der Innovation City Management GmbH (ICM), hat am Dienstag, 7. November 2017, im Rathaus das Integrierte Energetische Quartierskonzept für Herne-Mitte an Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda übergeben. Der Stadtteil ist damit das zweite von den insgesamt 20 Quartieren, für das ein solches Konzept im Rahmen des Projekts „InnovationCity roll out“ abgeschlossen wurde. Es bildet die Basis für ein zukünftiges Sanierungsmanagement, das Eigentümer unter anderem bei der energetischen Modernisierung von Gebäuden unterstützen kann. Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda ist überzeugt, nach der bisherigen Theorie den klimagerechten Stadtumbau nun auch in der Praxis umzusetzen: „Es ist eine Herausforderung, die wir meistern werden. Die nächste InnovationCity zu werden, stand für uns immer ganz klar im Vordergrund. Wir möchten damit ein Zeichen setzen und den InnovationCity-Gedanken weiter tragen.“

Stadtwerke übernehmen Premiumpartnerschaft in der Umsetzung

Bereits zum Auftakt der Konzeptphase hatten sich die Stadtwerke Herne als Premiumpartner der Stadt für die Umsetzungsphase positioniert. Das Unternehmen plant künftig, die Energieberatung zu übernehmen und das Sanierungsmanagement in der täglichen Arbeit zu unterstützen. „Wir haben von Anfang an klar gemacht: Wir wollen mitmachen“, erklärt Dr. Jürgen Bock, Prokurist der Stadtwerke Herne AG. „Gerade als Stadtwerke sehen wir unsere Aufgabe darin, die Bürger ganzheitlich zu beraten und die Energiewende voranzutreiben.“

Tobias Clermont, Prokurist der ICM, erklärt: „Mit dem Konzept geben wir der Stadt Herne konkrete Handlungsempfehlungen für die weitere klimagerechte Entwicklung von Herne-Mitte an die Hand. Zusammen mit den bereits bestehenden Konzepten zum Stadtumbau sowie den weiteren Aktivitäten der Stadt Herne möchten wir die Weichen stellen für eine klimagerechte und lebenswerte Metropole Ruhr sowie für eine erfolgversprechende Zukunft des Energielands Nordrhein-Westfalen.“

Michael Theben, Leiter der Abteilung Klimaschutz im Wirtschafts- und Energieministerium NRW unterstreicht: „Das Projekt InnovationCity zeigt beispielhaft, welche Chancen der Klimaschutz  auf lokaler Ebene eröffnet. Privathaushalte, Wohnungswirtschaft sowie Gewerbe, Handel und Dienstleister in Herne können Energiekosten und CO2-Emissionen senken und tragen damit zum Gelingen der Energiewende bei.“

Ergebnisse der Analysen
Die Analyse des Quartiers hat deutlich gemacht, dass gerade der Bestand an Mehrfamilienhäusern sehr hohes Potenzial bei der energetischen Sanierung bietet. Der anstehende Generationenwechsel, unter anderem im östlichen Teil des Quartiers, bietet einen weiteren Anknüpfungspunkt für die künftige Beratung. Darüber hinaus stellen das niedrige Einkommen und die schwachen Standortqualitäten vor allem im westlichen Bereich Hemmnisse dar, für die passende Ansprache-Strategien konzeptionell erarbeitet wurden.

Aus energetischer Sicht hat das Quartier eine solide Ausgangslage, bietet jedoch noch verschiedene Potenziale. In dem Konzept wurden daher 25 Maßnahmen beschrieben, mit denen der Energieverbrauch der Bewohnerinnen und Bewohner teils deutlich reduziert werden kann. Dabei geht es beispielsweise um die energetische Modernisierung von Gebäuden und die Umstellung der Wärmeversorgung sowie der Straßenbeleuchtung aber auch um Klimaschutz im Kindergarten, Mieterprojekte zum Energiesparen und Energielotsen für fremdsprachige Haushalte. In einem realistisch erreichbaren Szenario können so in den kommenden fünf Jahren der Endenergieverbrauch um sieben Prozent und die Treibhausgas-Emissionen um knapp acht Prozent gesenkt werden.

Beteiligung bei der Konzepterstellung
Das vorgelegte Integrierte Energetische Quartierskonzept erarbeitete die ICM in Zusammenarbeit mit der Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft und der RAG Montan Immobilien GmbH. Während der Konzeptphase wurden auch die Akteure mit Bezug zu Herne-Mitte regelmäßig über sogenannte Projekttische und Einzelgespräche beteiligt, um Möglichkeiten zur Integration der jeweiligen Engagements in das Gesamtvorhaben zu prüfen.

Auch die Bürgerinnen und Bürger wurden über eine standardisierte Befragung in den Prozess eingebunden. Insgesamt 96 Teilnehmer beantworteten dabei beispielsweise Fragen zu anstehenden und erfolgten Modernisierungen, Beratungsinteresse sowie gewünschten Hilfestellungen. Die Auswertung ergab unter anderem, dass alle Altersgruppen unter den Eigentümern ein grundsätzliches Interesse an einer Beratung zur energetischen Modernisierung haben. Auch bei der Art der Beratung lassen sich drei Bereiche mit hohem Interesse herausfiltern. Über alle Altersgruppen hinweg ist eine Energieberatung im Quartier gewünscht. Darüber hinaus ist für die Altersgruppen bis 65 Jahre auch eine Beratung im Haus gewünscht. Die ältere Bevölkerung ab 65-Jahre ist dagegen mehr an Besichtigungen von bereits realisierten Projekten interessiert. Wenig überraschend waren die Ergebnisse zu der Frage, warum Immobilien bislang energetisch ertüchtigt wurden. Hier standen mit dem Werterhalt und der Senkung von Energiekosten insbesondere finanzielle Aspekte im Vordergrund, während der Klimaschutz nur eine kleinere Rolle einnahm.

Umsetzungsfahrplan für Herne-Mitte
Die über die Konzeptphase gesammelten Analyseergebnisse wurden in dem über 230-seitigen Bericht ausgewertet und aufbereitet. Dieser soll für den kommenden Sanierungsmanager als Leitfaden dienen und bildet die Grundlage für die energetische Erneuerung von Herne-Mitte. Da das Konzept verschiedene Informationen enthält, die aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden dürfen, wurde zudem eine 20-seitige Kurzfassung erstellt, die unter www.icrollout.de heruntergeladen werden kann.

InnovationCity roll out
Der Name „InnovationCity roll out“ steht für eines der größten Projekte des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem 2010 gestarteten Projekt „InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop“ sollen auf das gesamte Ruhrgebiet ausgerollt werden. Ziel ist es, den einzigartigen, initial für Bottrop entwickelten Prozess auf weitere Städte im Ruhrgebiet zu übertragen. In insgesamt  20 ausgewählten Quartieren der Metropole Ruhr werden ganzheitliche Quartiersentwicklungen nach dem Vorbild der „InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop“ initiiert. Das Gesamtprojekt soll durch Analyse, Konzeptentwicklung und eine mögliche darauf folgende Umsetzung eine deutliche CO2-Reduktion erzielen und die „Energiewende von unten“ weiter vorantreiben. Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)“.

Alle wichtigen Informationen und Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Projekt des „InnovationCity roll out“ und Informationen zum Quartier Herne-Mitte finden sich unter www.icrollout.de.