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Formschöne Unikate

Wanner Werkstaetten wollen nachhaltiges Kunsthandwerk aufwerten

In Wannes Mitte hat ein nicht gerade alltäglicher Verein das Licht der Welt erblickt, der durch die Ausstellungsreihe „Der Erste macht das Licht an“ im Kreativ.Quartier Wanne / Hallenbad an der Heinestraße von sich reden machte.

Vorbild aus Wien

Interessant zu erfahren, wie das Kollektiv „Wanner Werkstaetten“ (mit ae statt mit ä) entstanden ist. Im Grund war umfangreiche Netzwerkarbeit von ähnlich tickenden Künstlern und Kunstliebhabern der Grund für den Gründungsprozess. Der wichtigste Impuls ging von den „Affenhack Studios“ an der Werderstraße aus, wo Kunst abseits der ausgetretenen Pfade ein Zuhause gefunden hat. Michaela Pawelke, Gründungsmitglied im „Affenhack“, war bei einem Besuch ihrer Mutter von einer Decke besonders angetan. „Die Decke ist ein Produkt der ‚Wiener Werkstaetten'“, antwortete ihre Mutter. Die Wiener Werkstätte GmbH war eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, die sich im Jahr 1902 gründete. Die Gemeinschaft wollte dem Handwerk einen positiveren Stellenwert verleihen. Sie stellte Schmuck, Möbel, Textilien und Keramik auf hohem künstlerischen Niveau her.

  • Vier Mitglieder der Wanner Werkstaetten im „Hallenbad“: Werner Lob, Michaela Pawelke, Alexander Reisenberg und Daniel Pajonk. © Frank Dieper, Stadt Herne

Ausstellung im Kreativquartier

Gleichgesinnte, die sich im „Affenhack“ kennen gelernt hatten, diskutierten nun über die Möglichkeit, etwas Ähnliches in heutiger Zeit zu errichten. Da gesellten sich dazu: Michaela Pawelke (Initiatorin), Werner Lob, ebenfalls vom „Affenhack“, die Künstler Alexander Reisenberg und Daniel Pajonk sowie Tinika Aufermann (Workshops, Beratung) und Nadja Lembke (Grafik-Design) . Um andere mitzuziehen, begannen sie mit der Tätigkeit des Netzwerkens. Sie stellten Kontakte zu Stefanie Thomczyk und dem Kreativ.Quartier Wanne / Hallenbad her und erhielten die Zusage für eine erste Ausstellungsserie im Kreativquartier Hallenbad unter dem Titel „Der Erste macht das Licht an“. Neben Reisenberg und Pajonk stellten dort bis zum 17. Juni auch andere aus wie die Label „Wood & Steel“ oder „Pott-Pourri“ (upcycelte Taschen).

Schöne Unikate

Alexander Reisenberg setzt auf Upcycling und Recycling  – und das auf eine ästhetisch ansprechende Weise: Beim Upcycling verwandelt er Schrott in neuwertige Produkte, beim Recycling werden Abfallproduktie wiederverwendet. Er bietet formschöne Lampen, Teelichter und Möbel an. (www.alexander-reisenberg.de). Auf der gleichen Linie liegt das Label „Wood & Steel“, das zum Beispiel aus alten Paletten schöne Wohnzimmertische oder aus einem Motor-Öl-Fass ein Hunde-Liegemulde fertigt. Daniel Pajonk sorgt für die Kunst an den Wänden, er widmet sich der Malerei und hat mit einigen überzeugenden Arbeiten zu der bisherigen Ausstellung beigetragen. Die Mitglieder der Wanner Werkstätten sprechen allerdings weniger von Kunstwerken, sondern von „Produkten“, denn sie können erworben und „genutzt“ werden. „Für unsere Produkte gilt das Prädikat ‚Lebenslänglich'“, sagt Reisenberg. „Wir setzen bei unseren Kunden auf das bewusste und nachhaltige Einkaufen.“ Pawelke unterstreicht die Qualität: „Unsere Leute bauen schöne Unikate.“

Treffpunkt für die Werkstaetten

Gesucht werden Kaufinteressenten und Menschen, die sich beteiligen wollen: „Wir wollen Mitmacher gewinnen“, sagt Pawelke. „Mit der Präsentation unserer Produkte hoffen wir bei den Menschen auf die Reaktion: ‚Finden wir gut, da machen wir mit‘. Außerdem wollen wir natürlich, dass unsere Objekte zugänglich sind.“ Die „Wanner Werkstaetten“ haben demnächst auch eine Adresse: Sie teilen sich das Vereinsheim des ETUS Wanne 1928 mit dem Verein. „Wir haben den Raum schon ausgerumpelt“, sagt Werner Lob, „in den Sommerferien wollen wir das Heim als Treffpunkt und Arbeitsraum nutzen.“ Öffentlichkeitswirksam wollen sich die Werkstaetten den kompletten September wiederum im „Hallenbad“ mit ihren Produkten präsentieren.

Weitere Infos: wannerwerkstaetten.de

Horst Martens