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Ehrenamt: Zwei Frauen unterrichten Deutsch

Pressekonferenz

Ohne ehrenamtliches Engagement ist die Integration von Flüchtlingen kaum vorstellbar: Es sind Menschen wie Mechthild Nüssen und Andrea Klein, die zeigen, wie es geht.

Jeden Mittwoch stehen sie an der Tafel und unterstützen die Neuzugewanderten in der Unterkunft an der Dorstener Straße durch ihren Deutschunterricht beim Ankommen in Herne. Und eins wird bei der Pressekonferenz zum Thema Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe schnell klar, die beiden Frauen machen ihre Arbeit gerne. „Manche Flüchtlinge sprechen am Anfang kein Wort Deutsch. Doch nach einem halben oder einem dreiviertel Jahr kann man sich tatsächlich mit ihnen unterhalten. Diese Entwicklung zu sehen, ist ein großer Erfolg und das macht einen unglaublichen Spaß“, betont Mechthild Nüssen und fügt hinzu: „Aber es gab natürlich auch einige Herausforderungen zu meistern, vor allem bei den Flüchtlingen, die Analphabeten waren. Da muss man sich erst mal irgendwie verständigen. Bei den Menschen aus Syrien wurde das Problem gelöst, weil dort meist jemand Englisch konnte und so haben wir versucht, die deutschen Worte auf Englisch zu erklären“, sagt die Ehrenamtliche, die seit 2015 an der Dorstener Straße wöchentlich im Einsatz ist.

Gudrun Thierhoff: Das ist wirklich eine ganz wertvolle Arbeit

„Sprache ist der Schlüssel zu allem. Die Menschen, die regelmäßig und verbindlich diese Kurse anbieten, sind für uns unverzichtbar. Das ist wirklich eine ganz wertvolle Arbeit“, weiß Dezernentin Gudrun Thierhoff um die Bedeutung der Ehrenamtlichen in Herne. Dabei setzen die beiden Frauen  nicht nur auf Theorie. „Wir haben auch schon einmal einen Obstsalat gemacht, damit die Menschen die Begrifflichkeiten beim Obst kennen lernen. Im Sommer haben wir uns getroffen und sind gemeinsam ein Eis essen gegangen. Hier konnten sie üben, etwas zu bestellen und eine Rechnung zu bezahlen“, sagt Andrea Klein, die eineinhalb Jahre später zum Unterricht dazu gestoßen ist.

  • Dezernentin Gudrun Thierhoff beschrieb noch einmal das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe. ©Frank Dieper, Stadt Herne

Grundsätze sollen Arbeit näher regeln

Viele Bürgerinnen und Bürger waren sofort zur Stelle und haben insbesondere im Jahr 2015 ihre Unterstützung angeboten, um den Neuzugewanderten zu helfen. „Wir waren sehr froh, dass viele Menschen in unserer Stadt sich sofort den unterschiedlichen Feldern gewidmet haben und  helfen wollten“, freute sich Gudrun Thierhoff, die während der Pressekonferenz noch einmal die Strukturen für die Integrationsarbeit in Herne mit den drei Projektgruppen beschrieb. Eine dieser Gruppen konzentrierte sich auf die Unterstützung der Ehrenamtlichen. „Wir haben jetzt Strukturen gefunden, wo Ehrenamtliche eine gute Ansprache und Orientierung finden können. Das war uns ganz wichtig. Ehrenamtliche brauchen eine Unterstützung und Begleitung, oft sind sie die ersten Vertrauenspersonen von den Menschen, die zu uns gekommen sind“, betonte die Dezernentin. Sie erinnerte auch an die Grundsätze, die aufgestellt wurden, um die Aufgabenverteilung und Arbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen näher zu regeln.

Langfristige Projekte

Beate Tschöke vom Ehrenamtsbüro der Stadt Herne erklärte, dass das Teilprojekt inzwischen abgeschlossen ist: „Das, was wir aber entwickelt haben, wird aber langfristig fortgesetzt. So zum Beispiel regelmäßige Treffen von Ehrenamtlichen bei einem Dankeschön-Frühstück. Hier können sich die Menschen austauschen, Ideen einbringen oder Fragen klären.“ Beate Tschöke sieht solche Aktionen als einen wichtigen Teil der Anerkennungskultur. Als Mitarbeiterin im Ehrenamtsbüro weiß sie, wo aktuell noch Bedarf an Helfern besteht. Im Blick hat sie vor allem Unterstützung bei der Begleitung minderjähriger Flüchtlinge oder den Einsatz für Patenschaften. Wer vielleicht einfach mal mit den Neuzugezogenen und Ehrenamtlichen ins Gespräch kommen will, könnte ein Begegnungscafe besuchen. „Das ist eine niederschwellige Möglichkeit, aufeinander zuzugehen, Hemmschwellen abzubauen und ins Gespräch zu kommen“, betont Monika Staszczak vom Caritasverband Herne. Gemeinsam mit Martina Wisnewski (Eine-Welt-Zentrum) fungiert Monika Staszczak als Ehrenamtskoordinatorin. Sie warb bei der Pressekonferenz noch einmal für den Einsatz als Unterrichtshelfer, „um in den Willkommensklassen die Lehrer zu unterstützen. Da sind die Schulen sehr dankbar, wenn Ehrenamtliche mit an Bord sind und die Kinder beim Lernen helfen.“

Vielleicht machen die Hernerinnen und Herner dann ähnliche Erfahrungen wie Andrea Klein: „Es ist toll zu sehen, wenn jemand plötzlich an die Tafel geht und das erste Wort schreibt. Sie sind dann oft richtig stolz. Und das ist auch für uns schön, da kommt viel Dankbarkeit zurück.“