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Gebrochene Engelsflügel und biblische Poesie

Island aus der Sicht von Dagmar Meiritz im Foyer der VHS-Galerie. ©Frank Dieper, Stadt Herne. Island aus der Sicht von Dagmar Meiritz im Foyer der VHS-Galerie. ©Frank Dieper, Stadt Herne.

Engel mit gebrochenen Flügeln, das bebilderte Hohelied Salomos und die kargen Landschaften Islands – welches ist der gemeinsame Nenner dieser drei Themen? „Ewigkeiten“ heißt die Antwort der Künstlerin Dagmar Meiritz aus Oer-Erkenschwick. So hat sie auch die Ausstellung in der VHS-Galerie im Haus am Grünen Ring benannt, die am Freitag, 21. September, eröffnet.

  • Dagmar Meiritz im VHS-Foyer. ©Frank Dieper, Stadt Herne

Abgebrochener Ast = Engelsflügel

Dagmar Meiritz hat längere Zeit mit einer Freundin zusammen gearbeitet, die schon seit vielen Jahren Engel malt. Also beschloss sie, ebenfalls auf das Thema Engel zu setzen. Dabei interessiert sie auch der Aspekt des gebrochenen Flügels. „Bei einem Spaziergang im Wald nach einem Sturm habe ich einen abgebrochenen Ast gefunden, der auf erstaunlich Art und Weise an einen Flügel erinnert.“ Ihr flügellahmes Himmelswesen hat sie auch in ihrem Bildern verewigt. Ihre himmlischen Botschafter hängen direkt am Eingang zur VHS-Galerie und lenken die Blicke auf sich durch ihre großen Formate und ihre expressiven flächigen Hintergrundgrundfarben. Die zweite Strecke beinhaltet eine Serie aus kleinformatigen quadratischen Arbeiten, die zur Illustrierung eines Bildbandes über das Hohelied Salomos dienten. Eine Anspielung auf die Ähnlichkeit mit dem Farbstil mit einem bekannten Künstler beantwortet Meiritz so: „Ich liebe Chagall.“ Bei ihrer Mischtechnik setzt Meiritz hier auch Holzstempel ein, welche Ornamente des Nahen Ostens andeuten.

Dagmar Meiritz – Ewigkeiten. Ausstellung in der VHS-Galerie, Herne-Wanne. 21. September bis 26. Oktober. Vernissage: Freitag, 21. September, 19 Uhr: Begrüßung Angelika Mertmann, Einführung: Matthis Leonhard Meiritz, Musik: Amarula Saxophon-Quartett.

Im Land der Elfen

Im VHS-Foyer dominieren dann wieder die Großformate. Island, wohin das Auge schaut. Karge Landschaften, Berge, einsame Gewässer, sogar Elfen werden da abgebildet. Die Farben mal dezent, mal kräftig in Gelb, Türkis, Blau und Grün. Das Schwarz bei ihr wird noch schwärzer durch die Verwendung von Bitumen. Mischtechnik ist ihre favorisierte Arbeitsmethode, wobei sie vorwiegend mit Acryl, Kreide und in Öl malt und ebenfalls sehr häufig Collagen daraus fertigt, indem sie vorhandene Fotos und Zeichnungen in Form von Gesichtern, Augen, Figuren hineinmontiert und teilweise übermalt.

„Ich hatte mir Island geheimnisvoller vorgestellt“

„Ich war von Island fasziniert und habe einige Bilder gemalt, bevor ich das Land mit meinem Mann besuchte. Nachher war ich ein wenig enttäuscht, weil das Land komplett touristisch erschlossen ich. Ich hatte mir Island geheimnisvoller vorgestellt.“ Engel und Salomos Hohelied – hier ist der Begriff „Ewigkeiten“ sofort nachvollziehbar, weil er biblisch angehaucht ist. Aber auch Island lässt den Bezug zu: „Ewiges Eis, ein ewiger Kampf zwischen Feuer und Eis, die ewige Schönheit ohne Vergänglichkeit“. Ihr Titel heißen: Wo Elfen noch helfen; Unter Eis und Schnee; Die Eiswelt Islands.

Ausstellungen im „Drübbelken“ organisiert

„Schon als kleines Mädchen malte ich bei jeder Gelegenheit“, sagt Meiritz. Familienbedingt fand sie erst mit über 30 Jahren die Gelegenheit, ihr Talent auszuüben. Für eine Kindertheatergruppe stellte sie Bühnenbilder und Kostüme her. Danach folgten sieben Jahre Studium an einer freien Kunstschule mit anthroposophischen Ansatz in Dortmund-Hörde, danach folgten regelmäßige Workshops und der Austausch mit Künstlern in festen Künstlergruppen. Sechs Jahre lang haben sie und ihr Mann die Ausstellungen in der Recklinghäuser Künstlerkneipe „Drübbelken“ betreut. Dort kam Dagmar Meiritz in Kontakt mit dem ehamaligen VHS-Leiter Dieter Ruppel, der sie der Ausstellungsleiterin Angelika Mertmann empfahl. Mertmann war begeistert von den Themen und den unterschiedlichen Größen der Bilder: „Wer die kleinen Formate beherrscht, kann noch lange nicht die großen“. Was wohl hier gelungen ist.

Horst Martens