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Große und kleine Kunst beim Eröffnungsfest im Schloss

Sonderausstellungen von zwei internationalen Künstlern in Herne

Der nunmehr komplett verhüllte Eingangsbereich von Schloss Strünkede. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne Der nunmehr komplett verhüllte Eingangsbereich von Schloss Strünkede. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ein Fest für alle Sinne ist das Eröffnungsfest zur diesjährigen Sonderausstellung in Schloss Strünkede geworden. Wer durch den Park läuft, kann schon die scheppernden, metallischen Klänge des Wachtelrealisators hören. Ein Instrument aus Schrott, das mit Wattebäuschen und Schraubenschlüsseln gespielt wird. Nun kommt das verhüllte Schloss in den Blick, verschwunden unter Bahnen von Jutesäcken. Die Installation namens Coal Market des Ghanaischen Künstlers Ibrahim Mahama wurde am Samstag, 5. Mai 2018, als Sonderausstellung von Schloss Strünkede eröffnet.

Viele Diskussionen um die Installation
„Ich freue mich sehr, dass sich das Emschertal-Museum an dem städteübergreifenden Großprojekt der RuhrKunstMuseen mit so einer außergewöhnlichen Verhüllungs-Installation beteiligt hat und wir dieses Monumentale Kunstwerk für die nächsten Monate präsentieren dürfen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Er betont, dass dieses international angesehene Kunstwerk ein großes Geschenk für Herne ist, trotz aller Skepsis und Diskussionen. Immer wieder hatten sich Bürger irritiert geäußert, dass die beliebte Fassade des Schlosses unter gebrauchten Säcken verschwindet. „Wir brauchen diesen Dialog über Kunst, denn dadurch wird sie lebendig uns stößt Denkprozesse an“, zeigt sich Dr. Dudda überzeugt von dem aufwändigen Projekt.

  • Impressionen zum Eröffnungsfest der Sonderausstellung im verhüllten Schloss Strünkede. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Abschied vom Bergbau im Ruhrgebiet
Endlich hängen die Stoffbahnen zumindest an der Eingangsseite, nachdem vor einer Woche die Arbeiten wegen Sturm und Regen unterbrochen werden mussten. Statt der hellen Fassade sieht man nun scheckige Bahnen bräunlichen Stoffes. Manche haben Flecke, andere sind mit Namen oder Kürzeln beschriftet. Denn die ehemaligen Säcke gehörten den Trägern, die in ihnen Kakao, Obst oder Kohle trugen. Mit dieser Installation, die auf den Kohlen-Markt Bezug nimmt, leistet das Herner Emschertal-Museum seinen Beitrag zum Abschied vom Steinkohlebergbau in Deutschland.

Mit Trapez und Waschbrett
Statt Abschiedsstimmung kommt bei der Eröffnungsfeier aber viel Lachen auf. Dafür sorgen schon Fritz und Frieda, die gekleidet wie vor hundert Jahren mit Waschbrett und Stoff-Taschentuch durch den Park ziehen. Das Duo vom Theater Traumbaum spielt humorvolle Szenen vor. Auch die Maiers bringen mit allerlei Unfug die Besucher zum Lachen. Ob sie nun am Trapez hängen, darauf sitzen, zappeln – oder sich dafür abstrampeln, endlich heiraten zu können. Denn das ist gar nicht so einfach, zu viele Hindernisse stehen – oder hängen – diesem großen Tag noch im Weg.

Sackhüpfen und Zeichen-Workshop
Kinder, die nicht nur zugucken, sondern selbst machen wollen, können sich beim Kohlesack-Hüpfen verausgaben oder ihr Geschick beim Eierkohlen-Lauf testen. Wer findet in der Wanne voll schwarzen Sandes einen versteckten Schatz? Und wer schafft die ganze Bergmanns-Olympiade?
Beim offenen Kunst-Workshop dürfen auch Erwachsene mit Kohle experimentieren, damit zeichnen, malen, Bilder erschaffen. Und wer bei all diesen Aktionen hungrig geworden ist, kann sich bei herzhaften Brotaufstrichen des Weltladens Esperanza stärken oder die Küche des Schollbrockhauses testen. Auch die Kleine Zuckerbäckerei ist im Schloss vor Ort und versorgt die Besucher mit süßen Sünden.

Eine Stadt, zwei Ausstellungen
Auch die zweite Ausstellung zum Thema Kunst und Kohle findet an diesem Samstag Beachtung. Shuttle-Busse fahren Besucher von einer Ausstellung zur anderen. In den Flottmann-Hallen sind ab heute Werke von David Nash unter dem Titel Holz und Kohle zu sehen. Auch er hat Kohle zu seinem Thema gemacht und Skulpturen aus verkohltem Holz geschaffen. Riesige schwarze Löffel, ein überdimensionales Buch aus verkohlten Holzdeckeln und Zeichnungen in schwarz – das Waliser Künstler spielt mit künstlichen und natürlichen Formen. In der weißen Ausstellungshalle an der Straße des Bohrhammers beeindrucken die schwarzen Skulpturen besonders.
„Mit den Skulpturen und den Kohlezeichnungen setzen die Flottmann-Hallen ein deutliches Zeichen im Jahr des Abschieds von der Steinkohle“, würdigt Dr. Dudda die Ausstellung. „Ohne die Arbeit der Bergleute wären Wiederaufbau und Wohlstand nicht möglich gewesen.“ Die beiden Kunstprojekte zeigen, dass Herne eine weltoffene Stadt ist. Das Ruhrgebiet wandele sich zum Kulturgebiet und setze Impulse für die Zukunft.

Nina-Maria Haupt