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Hommage an den Zille von Wanne-Eickel

Gesamtschau des Röhlinghausener Künstlers Albert Kelterbaum

Kelterbaums Zeichnungen an der Wäscheleine. Kuratorin im Schloss ist Katrin Lieske. © Horst Martens, Stadt Herne Kelterbaums Zeichnungen an der Wäscheleine. Kuratorin im Schloss ist Katrin Lieske. © Horst Martens, Stadt Herne

Über seine Bedeutung muss nicht spekuliert werden: Albert Kelterbaum ist der einzige einheimische bildende Künstler, nach dem eine Straße benannt wurde. Trotzdem gab es bis heute keine Gesamtschau seiner Werke. Mit „Westfalenstraße 36, Bergmann“ holt die Stadt dieses nun nach. Gleich in zwei Häusern – im Schloss und im Heimatmuseum – sind seine Bilder, zumeist Linolschnitte, Feder- und Tuschezeichnungen, jetzt ausgestellt.

  • Kelterbaums Zeichnungen an der Wäscheleine. Kuratorin im Schloss ist Katrin Lieske. © Horst Martens, Stadt Herne

Der Titel der Ausstellung lautet – ganz schlicht – wie der Auszug aus dem Adressbuch: „Westfalenstraße 36, Bergmann“. Und es tatsächlich seine Anschrift, an der Westfalenstraße hat Kelterbaum zeitlebens gewohnt.

Albert Kelterbaum: Westfalenstraße 36, Bergmann. 30.10. bis 23.12.2018 im Schloss Strünkede und im Heimatmuseum. Eröffnung: Dienstag, 30. 10.2018, um 19 Uhr im Heimatmuseum.

Das Lebensgefühl der 50-er im Schloss

Kelterbaum war ein genauer Beobachter des gesellschaftlichen Lebens im Stadtteil. Deshalb wird er auch gerne als „Zille des Reviers“ apostrophiert. Das bezeugen auch die Titel seiner Bilder, die mit vielen Details ausstaffiert wurden: „Kneipe im Ruhrtal“, „Nach den Feiertagen“, „Aber Tantchen“ oder „Am Rande der Großstadt“. Dieser sozialgesellschaftliche Teil seiner Arbeit findet sich im Schloss Strünkede wieder. „Das Lebensgefühl der 50-er und 60-er Jahre ist hier abgebildet“, sagt Katrin Lieske, die für den Schlossteil der Ausstellung zuständig ist. Die Zeichnungen hängen an einer Wäscheleine, befestigt an Wäscheklammern. Kleine möblierte Ecken im Stil der alten Zeit lassen den Flair von damals atmen.

Bergbau und Arbeitswelt im Heimatmuseum

Der Schwerpunkt im Heimatmuseum sind Kelterbaums Zeichnungen über den Bergbau und die Arbeitswelt im Allgemeinen. Kelterbaum kannte das Leben unter Tage aus erster Hand – er war Bergmann. Ralf Piorr, der die Ausstellung im Heimatmuseum organisiert, sieht hier ein „authentisches Zeugnis des Bergbaus“.  1972 ist Kelterbaum gestorben, kurz vorher hatte die Stadt Wanne-Eickel den Nachlass des Künstlers, der aus etwa 200 Bildern bestand, für 12.000 Mark erworben, etwa die Hälfte ist in den Ausstellungen zu sehen. Vor seinem Deal mit der Stadt hat Kelterbaum nur ganz wenige Arbeiten verkauft. Sein Wohnzimmer hing voll von seinen Kunstwerken, so dass seine Frau ihn drängte, seine Werke doch abzugeben.  „Kelterbaum war auf dem Weg, anerkannt zu werden“, sagt Piorr, „aber er ist zu früh gestorben.“ Dabei hat er schon als Kind mit dem Zeichnen angefangen. Irgendwann konnte er das.

Hommage an Kelterbaum

„Im Jahr, in dem wir Abschied von der Kohle nehmen, soll dieses noch einmal eine Ausstellung sein, die sich mit dem Thema befasst“, beton Museumsdirektor Dr. Oliver Doetzer-Berweger.

Horst Martens