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Junge Flüchtlinge spielen was sie fühlen

„WERTmitbürger*innen" feiert Premiere

Hayan Amer schreit seinen seelischen Schmerz heraus. ©Horst Martens, Stadt Herne Hayan Amer schreit seinen seelischen Schmerz heraus. ©Horst Martens, Stadt Herne

Mit großem Erfolg haben junge Menschen, unter ihnen zahlreiche Flüchtlinge, im vorigen Jahr Theater gespielt. Jetzt steht die Premiere eines weiteren Stückes bevor. In den Flottmann-Hallen präsentieren 12 Schauspieler im Alter von 17 und 27 Jahren das Stück „WERTEmitbürger*innen“ (Samstag, 1. Dezember, um 19 Uhr).

Anfang nächsten Jahres wird das Stück noch einmal in Köln und in Bochum vorgestellt. Die Idee basiert auf einer Initiative von Hajo Salmen, einem Ex-Lehrer aus Bochum, der einerseits Leiter des Fördervereins des Schauspielhauses Bochum, zum andern in der Flüchtlingshilfe Weitmar aktiv ist.

Einladung nach Berlin

Nach dem Erfolg mit den Stücken „HisStory“ und „Beeing Peer Gynt“ (eine Nominierung und eine Einladung für das Theatertreffen in Berlin) hat sich das so formierte Ensemble den Namen „Familie RANGARANG“ gegeben, was auf persisch „bunt“ heißt. Viele Kontakte ergaben sich zwischen „Rangarang“ und theaterkohlenpott, nicht zuletzt durch das Eurocamp „Pottfiction“, wie Gaby Kloke vom theater kohlenpott betont. Konzept und Regie hat Manuel Moser übernommen, der von Anfang das Theaterprojekt begleitete und ebenfalls dem theater kohlenpott beruflich verbunden ist. So ergab sich für dieses dritte Stück eine enge Kooperation. Sibel Polat ist Spielleiterin, auch sie ist in Herne gut bekannt.

  • Ahmad Jaber und Hayan Amer bei einer Szenenprobe. ©Horst Martens, Stadt Herne.

Der Rechtsruck in der Realität

„Der Titel des Stückes klingt wie eine Ansprache und ist auch so gemeint“, sagt Moser. „es geht viel um Populismus.“ Die Schauspieler zeigen, wie sie den Rechtsruck in Deutschland empfinden, fühlen und wie sie damit umgehen. „Es wird getanzt, gesprochen und gespielt“, sagt Moser. „Die Schauspieler haben mittlerweile gelernt, wie Theater funktioniert.“ Sie sitzen im Stück auf einer Sofagarnitur und kommunizieren á la Maischberger. Aber nur teilweise. „Bei dem Stück, das mit einer großen Energie präsentiert wird, handelt es sich um eine performative Auseinandersetzung, um eine Collage“, erläutert Moser.

„Das Ensemble ist meine Familie“

Ahmad Jaber ist seit drei Jahren in Deutschland. „Ich nenne das Ensemble meine Familie“, sagt er, „so wohl fühle ich mich.“ Zu dem Stück sagt er: „Wir sagen nicht in Wörtern, was wir fühlen, wir spielen das.“ Er wohnt in Bochum und macht eine Ausbildung in Fachinformatik.

„Wir zeigen die Realität“

Hayan Amer war sogar Theaterschauspieler in Syrien, was man seiner Schauspielkunst auch anmerkt. „Was für mich neu ist: Wir zeigen auf der Bühne die Realität. Wir zeigen, was wir fühlen, was uns wehtut.“ Das sei anderes als in seiner Heimat Syrien, wo er klassische Stücke gespielt habe.

„Theater ist ein ideales Mittel für die Integration“, betont Initiator Hajo Salmen. „es stärkt die Reflektion, regt die Fantasie an, stärkt die Teamfähigkeit und die Disziplin“.

Horst Martens