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Kampagne gegen Plastikmüll

Marktcheck: Herner Geschäfte geben weniger kostenlose Tüten aus

Claudia Starikoskaja, Ralf Krieter, Gudrun Klapper, Silke Gerstler und Barbara Nickel machen weiter Front gegen den Plastikmüll. © Horst Martens, Stadt Herne. Claudia Starikoskaja, Ralf Krieter, Gudrun Klapper, Silke Gerstler und Barbara Nickel machen weiter Front gegen Plastikmüll. © Horst Martens, Stadt Herne.

Die vor einem Jahr in Herne gestartete Kampagne gegen die Plastikflut konnte mit Aktionen und Umfragen viel bewirken und hat auch für die Zukunft noch einiges vor.

Das Aktionsbündnis, dass sich 2016 gegen den Missbrauch von Plastik verschwor, setzt sich aus der Verbraucherzentrale Herne, dem Project Blue Sea und Entsorgung herne zusammen. Die Vertreter dieser Einrichtungen setzen sich genauso gegen die Verwendung von Microplastik beispielsweise in Kosmetikartikeln ein wie gegen die kostenlose Ausgabe von Plastiktüten im Einzelhandel. Das ist ein ökologisches Horrorszenario: 6,1 Milliarden Plastiktüten und 3,1 Hemdchenbeutel (für Gemüse und Obst) gehen in Deutschland jährlich über die Ladentheke.

„Auf einem guten Weg“

  • Da schüttelt’s einen: Funkelnder Microplastik schwimmt in der Seife.

Zwei Marktchecks führte das Aktionsbündnis durch, indem es 40 Herner Geschäfte nach dem Umgang von Plastiktüten befragte – einmal im März und einmal im September. Dazwischen lag die EU-Verordnung zur Reduzierung des Plastiktüten, die in Deutschland in der freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels mündete. Die Frage war, ob sich beim Herner Handel ein Einstellungswandel vollzogen hatte. Das Ergebnis: 31 von 39 Geschäfte hatten noch Plastiktüten im Handel. Lobenswerterweise gaben 63,2 Prozent im September die Tüten kostenpflichtig ab, im März waren es nur 25 Prozent gewesen. Kritikwürdig: Immer noch sechs Unternehmen verlangten kein Geld, im März war es allerdings noch die Hälfte gewesen. Die Bilanz, die Ralf Krieter vom Fachbereich Umwelt zog: „Wir haben die Vorgaben noch nicht erreicht, sind aber auf einem guten Weg.“ Die Alternativangebote zu Plastiktüten sind: Baumwolltaschen, Kunststoff-Shopper, Papiertaschen, Einkaufsklappkörbe, Transportkartons. Einwegtüten sollten vermieden werden, egal aus welchem Material.

Mikroplastik in der Kosmetik

Der Kampf gegen Mikroplastik geht gegen Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 mm sind. Diese sind in zahlreichen Kosmetikprodukten massiv vorhanden, erklärte Silke Gerstler von der Verbraucherberatung. „Sie ist Bestandteil von Puder, Concealer, Foundations, Mascara, Lidschatten. Durch eine einzige Tube Peeling können 137.000 bis 2,8 Millionen Kunststoffteilchen in die Meere gelangen.“ Als Demonstrationsobjekt hatte Gerstler eine Schaumseife für Kinder mit penetrantem Himbeergeruch mitgebracht, in der Tausende Glimmerteilchen funkelten – nur, damit die Kinder es schön finden. Die Teilchen sind – reines Plastik. Gerstler empfahl die App „Codescheck“ (www.codescheck.info), mit der man den QR-Code des Artikels scannen kann: Dann wird angezeigt, welche verwerflichen Bestandteile das Mittel enthält.

Zahlreiche Aktionen

Wie die Mikroteilchen ins Abwasser gelangen, von dort in die Emscher, in den Rhein und schließlich ins Meer, erläuterte Barbara Nickel von entsorgung herne: „Die Fische verzehren die Plastikteilchen, die auf diesem Wege in die Fischstäbchen gelangen und dann schließlich bei uns auf dem Tisch landen – wo sie ja ursprünglich herkamen.“ Nickel zählte auf, mit welchen Aktionen das Bündnis gegen den Plastik zu Felde zieht: unter anderem Aktions- und Informationsstand am Herner Umwelttag, Workshops zur Herstellung von Naturkosmetik, Wanderausstellung „Müll im Meer, Anzeigen in den Medien, Pressegespräche, Herstellung und Einsatz eines Angelspiels. Mit diesen Aktionen ist die leise Hoffnung verbunden, das der Plastikmüll zum Rückzug gezwungen wird und auf dem Tisch wieder Fischstäbchen landen, die keine Mikroteilchen beinhalten.