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Kritzelbarock im Schloss

Ausstellung mit Zeichnungen von Volker Lehnert

Volker Lehnert, Geläfiges Gelände | Kritzelbarock ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Geläufiges Gelände. Kritzelbarock“, schon der Name der Ausstellung vereint die Gegensätze von schneller Zeichnung unterwegs und barocken Motiven von bekannten, ja geläufigen Orten, die Kunstprofessor Volker Lehnert seit Freitag, 23. Februar, bis Sonntag, 8. April 2018, im Schloss Strünkede, Karl-Brandt-Weg 5, zeigt.

Blätter am Stahlseil

80 Arbeiten des Künstlers hängen im Schloss, größtenteils an Stahlseilen aufgehängt, wie Wäsche auf der Leine. „Für mich war das Spanneste, ob die Stahlseile gespannt bleiben oder ob sie nach drei Metern durchhängen“, sagt Lehnert. Er möchte den großen, hellen Raum nicht vollstellen, sondern seine Werke luftig präsentieren.  An zwei Orten war die Ausstellung zuvor aufgebaut, im Saarland und ganz im Norden Deutschlands, kurz vor der dänischen Grenze.

  • Volker Lehnert, Geläfiges Gelände | Kritzelbarock ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Von Kakteen und barocken Kirchen

Die Zeichnungen wirken leicht, oft hell und dynamisch. Lehnert komprimiert, was er auf seinen Reisen sieht, zu vielschichtigen Bildern. Auf verschiedenen Ebenen, räumlich und farblich, überlagern sich Fassaden und Ansichten. Entstanden sind die Bilder mit unterschiedlichen Techniken: Bleistift, Farbstift, Aquarellfarben, Leimfarbe, teils neben-, teils übereinander.

Auch die Motive bieten ein breites Spektrum: Zwar beschäftigt Lehnert sich vorwiegend mit barocker Architektur, aber auch moderne Gebäude, Graffiti, eine Mülltonne und eine Gruppe Kakteen tauchen auf seinen Bildern auf. „Viele Zeichnungen sind sachlich, manche übertrieben, ins Groteske, Ironische“, erklärt der Künstler. Denn er zeichnet die Wirklichkeit nicht ab, sondern komprimiert sie auf ein Bild, hält auffallende Gebäude darin fest und kommentiert das Gesehene bildlich. „Es gibt Orte, denen ich mich nur sachlich nähere und Orte, mit denen ich sofort spiele“, berichtet Lehnert. Seine Bilder zeichnet er vor Ort, auf einem DIN-A-3-Block, den er auf den Knien hält.

Von Rom bis Krakau, von Tschechien bis Spanien

Fasziniert haben ihn vor allem barocke Kirchen in ganz Europa. „Barock hat mich schon als Kind interessiert, bestimmte Orte habe ich schon als Kind gezeichnet“, so Lehnert. „Im Barock sind viele Prinzipien enthalten, die den Künstler herausfordern: Die Fülle, die Auflösung des Raumes, erzählerische Inhalte.“ Besonders Räume, die sich nicht fotografieren lassen, weil sie so klein sind oder sich das Wesentliche schlecht auf ein Foto bannen lässt, ziehen den Zeichner an. Oft sind es berühmte Orte, wie Rom, Venedig, Prag und Lissabon, Krakau und Toledo, aber auch der Taksim-Platz in Istanbul, zu denen Volker Lehnert reist.

Wenn er nicht unterwegs ist, lehrt der Maler und Zeichner an der Stuttgarter Kunstakademie. Ein Atelier hat er in Witten. Jedes Jahr baut er für einige Wochen sein Atelier in einer anderen europäischen Stadt auf, um dort zu arbeiten. Vor Ort erkundet er fremde Architekturen, Städte und Landschaften. Seine Zeichnungen vor Ort verdichtet Lehnert in seinem Wittener Atelier und schafft großformatige Bilder, die nun in Schloss Strünkede zu sehen sind.

Nina-Maria Haupt