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Kuriose Geräte und Formen aus Textilien

Austellung "KUR" von Julia Arztmann und Sylvie Hauptvogel in den Flottmann-Hallen

Ausstellung KUR_©Thomas Schmidt, Stadt Herne Ausstellung KUR_©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Kuriose Geräte aus Textilien, gebrauchte Unterwäsche auf Schaufenstertorsos, Fotoserien von maroden Kuranstalten – solche und viele andere Exponate kann man in der aktuellen Ausstellung „KUR“ in den Flottmann-Hallen bestaunen. Gestaltet haben diese Arbeiten die Künstlerinnen Julia Arztmann und Sylvie Hauptvogel.

  • Ausstellung KUR, Flottmann.©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Leicht ins Gruselige

Beide Künstlerinnen stammen aus Göttingen, was aber, wie Julia Arztmann betont, „eher zufällig“ ist. Mittlerweile leben sie in Telgte bzw. Wuppertal. Jutta Laurinat, die Ausstellungsleiterin der Flottmann-Hallen, hat sich für sie entschieden, „weil sie seltene textile Arbeiten zeigen, die witzig, humorvoll und ironisch zugleich sind“. Der gemeinsame Nenner ihrer Objekte ist, dass sie sich, so Arztmann, beide „mit medizinischen Themen beschäftigt haben, aber auf unterschiedliche Weise. Bei mir geht es leicht ins Gruselige wie bei der Pritsche und den Kunstledergurten, wo man nicht weiß, was fixiert wird.“ Bei Sylvie Hauptvogel überwiegt das Stoffliche, geformt aus gebrauchter Unterwäsche. Der morbide Charme von Kur-Anstalten steht im Mittelpunkt, aber es geht auch um andere Formen von Erholung wie zum Beispiel bei der Fotoserie vom Campingplatz, bei der einzelne Körperteile aus den Zelten lugen.

Eröffnung: Samstag, 19. Januar 2019, 17.00 Uhr / Flottmann-Hallen, Straße des Bohrhammers 5

Begrüßung: Jutta Laurinat, Flottmann-Hallen / Einführung: Dr. Andrea Brockmann

Finissage mit Katalogvorstellung und KUR-Tag am Sonntag, 3. März 2019

Schwarzrote Heilwasseranlage aus Stoff

Dominierendes Element ist die riesige schwarzrote Zapfanlage in der Mitte des Raumes, aus der direkt Heilwasser fließen könnte, wäre das Ganze nicht aus Stoff und mit Watte gefüllt. Gleichzeitig gibt es Zapfanlage-Miniaturen, wie hergestellt für einen imaginären Museums-Shop. Ein anderes Textilskulptur erinnert an antiquierte Behandlungsgeräte aus dem Wellness-Bereich, wobei die skurrilen Schläuche und Öffnungen in Form von Flaschenhälsen auf billige Science-Fiktion-Filme der 50-er Jahre verweisen. Der eigenartige Helm „do not use the brain“ ist eine direkte Assoziation auf den Horrorfilm „Ride of the Monster“. Ein Sicherheitsgurt mit bösartigen Schrauben, eine Tasche mit seltsamen Filzauswüchsen, mit Watte gefüllte Kinderstrumpfhosen, die aus der Wand schauen sind weitere Beispiele dieser Sichtweise.

Die Unterwäsche-Torsos, die in unterschiedlichen Gruppenformen angeordnet sind, erinnern in ihrem Weiß an Turnvater Jahn oder in ihrem Karo- oder Feinripp-Design an die 70-er Jahre. Daneben sieht man eine Gruppe aus Schürzen, die stehen, weil sie mit Harz und Lack steif geformt wurden.

Den Hintergrund ihrer Arbeiten erklärt Arztmann so: „Die Zeit wird immer rasanter und anstrengender, immer mehr Leistung ist in immer kürzerer Zeit zu erbringen. Da geht es dann bei uns immer mal wieder um Bereiche, in denen man zu sich selbst kommt. Wie bei den Schürzen, die man einfach mal in die Ecke stellt. Es geht nicht nur um Erholung im medizinischen Sinne, sondern auch darum den Geist durchzumischen.“ Und das alles mit einem Augenzwinkern. „Das ist ein zweischneidiges Schwert“, bestätigt Arztmann, „manche Skulpturen sind ziemlich kryptisch.“

Im Rahmen der Ausstellung laden die Künstlerinnen zu einem Kur-Tag ein, an dem die Besucher sich entspannen, Wasser treten und einfach nur Spaß haben dürfen.

Horst Martens