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Make Herne herrlich

Interview mit Gospelprojekt-Gründerin Christa Merle und Unterstützer Karl-Erivan Haub

Buntes Treiben in der Dannekampschule, dem Quartier des Gospelprojekt-Ruhr. Kleine Balletttänzerinnen studieren neue Schritte. Im Foyer trimmen Männer auf Fitnessgeräten ihre Muskeln mit dem Crossfit-Trainingsprogramm. Christa Merle und Karl-Erivan Haub empfangen uns im Gospelprojekt-Büro.

Die studierte Kirchenmusikerin und den millionenschweren Magnaten eint eine Passion: die Begeisterung für die „gute Nachricht“ ( engl.: Gospel). Aus dieser gemeinsamen Leidenschaft wollen sie etwas Neues entstehen lassen: ein stattliches Domizil für den Gospelprojekt-Ruhr e.V.

  • Christa Merle (r.) und Karl-Erivan Haub (M.) standen uns in der ehemaligen Dannekampschule Rede und Antwort. Links: Tiffy Bonin, Head of Management von Gospelprojekt-Ruhr. © Frank Dieper, Stadt Herne.

inherne: Wir waren begeistert, als wir davon erfahren haben, dass Sie etwas Großes vorhaben, ein Projekt, das unter dem Arbeitstitel „Gospel-Center“ figuriert. Können Sie uns verraten, wie der aktuelle Stand Ihrer Planungen ist?
Karl-Erivan Haub: Wir haben schon mal einen Architekten mit der Raumplanung beauftragt. Er soll berechnen, wieviel Quadratmeter und wieviel Geschosse wir brauchen würden und wie groß das Auditorium sein muss.

inherne: Steht schon fest, welcher Architekt das Prestigeobjekt hochzieht?

Haub: Nein, es geht erst um den Raumbedarf. Wir müssen ja erst mal einen Platz haben. Wir haben gelernt: Es ist gar nicht so einfach, hier in Herne oder überhaupt im Ruhrgebiet einen Platz zu finden.

inherne: Sie haben auch anderswo gesucht?

Haub: Ja klar. Wir glauben aber, das Herne recht gut platziert ist, in der Mitte gelegen, und über die Autobahnen recht gut erreichbar. Unser Wunsch ist natürlich, dass das Projekt seinen Mittelpunkt in Herne behält, weil es in dieser Stadt entstanden und gewachsen ist. Wir müssen schauen, ob was geht.

inherne: Wird auch eine Konzerthalle mit integriert?

Haub: Konzerthallen gibt es genügend. Übungsraum zu finden das ist das primäre Ziel.

inherne: Es hat ja einige Anläufe gegeben, ein neues Domizil zu finden, auch weil die Stadt die Dannekampschule, in der sie jetzt untergebracht sind, verkaufen wollte.

Haub: Wir sind sehr dankbar, dass wir hier seit 2009 in diesem ehemaligen Schulgebäude sein können. Aber wir stehen regelmäßig vor der Frage: Wie lange können wir noch bleiben?

inherne: Haben Sie das Gefühl, dass die Stadt hinter Ihrem Projekt steht?

Haub: Oberbürgermeister Dudda war schon ganz oft bei Konzerten dabei. Gefühlsmäßig spüren wir Unterstützung. Man sieht bei der Stadt, wie viel das Projekt schon geschafft hat, wie viele Menschen davon schon berührt worden sind.

inherne: In welchem finanziellen Rahmen soll sich der Bau des Gebäudes bewegen?
Haub: So weit sind wir noch nicht. Da brauchen wir erst das Grundstück und die Raumplanung.

inherne: Das Gebäude soll schon nach außen eine bestimmte Ausstrahlungskraft besitzen?

Haub: Es soll schon was hermachen. Klar, wenn schon, denn schon.

inherne: Können Sie das noch ein bisschen ausführen?

  • Konzert im Audimax Bochum. © Gospelprojekt-Ruhr.

Haub: Vielleicht machen wir auch eine Ausschreibung. Wenn ich einen Wunsch
hätte, gelte das Prinzip auch hier: aus dem Ruhrgebiet, für`s Ruhrgebiet.

inherne: Sie selbst wohnen aber nicht im Ruhrgebiet?

Haub: Ich wohne in Köln. Die Firma jedoch ist seit 150 Jahren in Mülheim an der Ruhr etabliert.

inherne: Was ist derzeit Ihr wichtigstes Vorhaben in Ihrem Management?

Haub: Wir freuen uns, dass wir die Ministererlaubnis umsetzen konnten: Der Verkauf unserer Supermärkte Kaisers Tengelmann war ein schwieriger Kampf. Außerdem feiere ich in diesem Jahr unser 150-jähriges Bestehen als Familienunternehmen in fünfter Generation. Also: Im Moment ist es ein Innehalten. Und dann schauen, wo es nach vorne geht.

inherne: Frau Merle, Herr Haub, wie kam es, dass Sie zueinander fanden?

Christa Merle: Ich habe viele Prominente im Ruhrgebiet angeschrieben und ihnen unser Vorhaben beschrieben. Nur einer hat sich gemeldet: Herr Haub.

Haub: Ich fand das Projekt spannend, weil wir Haubs Deutschamerikaner sind und den Gospel aus Amerika kennen. Außerdem habe ich gesehen, dass im Gospelprojekt eine tiefe Passion, eine tiefe Überzeugung vorhanden ist.

Merle: Ich sehe das Ganze geistlich. Wenn Gott einen Plan hat, Menschen mit ganzheitlicher Unterstützung und guten Nachrichten zu erreichen, dann geht er seine eigenen Wege. Wir suchen die Zusammenarbeit mit Werte vermittelnden Institutionen: mit Schulen, Universitäten und Kirchen.

inherne: Sie haben Ihr Vorhaben „Projekt“ genannt. Bedeutet es, dass eine Anfangsidee immer weiter entwickelt wird?

Merle: Mittlerweile geht es gar nicht in erster Linie um die Gospelmusik, sondern um das Projekt „Gospel“. Und „Gospel“ heißt „Gute Nachricht“, das heißt für uns: Menschen und insbesondere Kinder zu motivieren, sie in ihrem Selbstvertrauen und ihrem Teamgeist zu fördern.

Aus diesem Grund sind die Spotlight-AGs eine unserer wichtigsten Säulen. Ausgebildete Dozenten singen und spielen mit Kindern an Grundschulen des Ruhrgebiets. Durch die wöchentlichen AGs werden die Kinder auf ihre Auftritte auf großer Bühne vorbereitet. Hier lernen sie nicht nur das richtige Singen und die entsprechenden Choreographien, sondern hier stehen Teamgeist und das faire und wertschätzende Miteinander im Vordergrund. Wir erleben, wie gerade in unserer heutigen Zeit solche Initiativen ganz neu an Bedeutung gewinnen und immer mehr Grundschulen dieses Angebot für sich in Anspruch nehmen möchten.

inherne: Projekt bedeutet dann auch, dass …

Haub: … die Sache nie fertig ist.

Merle: Vor genau zehn Jahren, 2007, hat Herr Haub den Förderverein gegründet. Mit prominenten Menschen, die uns sehr stark im Hintergrund mit Kontakten unterstützen.

Haub: Die Tatsache, dass die nächste Generation mit ihren Ehepartnern mitzieht, gibt mir das Gefühl, dass es weitergehen kann. Wir, die Haubs, sind ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Es hat sich immer wieder einer gefunden, der weiter macht. Und das sollte hier auch möglich sein.
inherne: Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern?

Merle: Gott sei Dank. Das ist nicht selbstverständlich.

Haub: Das ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit.

Merle: Aber die teilen wirklich die Vision und die Begeisterung.

inherne: Wer macht was in Ihrer Familie?

Merle: Julia hat Jazz-Gesang und Jazz-Komposition studiert. Sie leitet die musikalische Abteilung. Bei einem Praktikum in „Willow Creek“ in Chicago hat sie Allen Emmens kennen gelernt und später geheiratet. Er leitet heute das Fitnessangebot „Crossfit“. Mein Sohn Tim, der eine eigene Firma hat, die alte Häuser saniert, initiierte das „Dinner for Everyone“. Er hat ein Herz für das Gospel-Center. Bei einem Konzert hat er die Balletttänzerin Tatiana aus Amsterdam kennen- und lieben gelernt. Sie leitet heute die Ballettschule.

Haub: Inzwischen ist es ein Familienprojekt. Das gibt mir auch die Zuversicht, dass es in jedem Fall weiter geht.

Merle: Aber wir haben auch ganz tolle Mitarbeiter. Zum Beispiel die Tiffany Bonin. Sie leitet die komplette Organisation und die Fundraisingabteilung und macht einen absolut überragenden Job.

Kurz vorgestellt

Familie MerleWEB2001 gründete die Kirchenmusikerin Christa Merle den Gospelprojekt-Ruhr e.V..  Aus einem kleinen Vorhaben wurde ein vielseitiges und weit strahlendes  „Imperium“ mit Gesangsabteilung, Ballettschule, Fitness-Abteilung und  sozialen Projekten. 4.000 Kinder und 1.000 Erwachsene haben mitgemacht, über 200.000 Besucher die Veranstaltungen erlebt. In Karl-Erivan Haub, dem smarten Kopf eines Handelsunternehmens in Familienbesitz – Herr über Obi, KiK, Tedi, die Trei Immobiliengesellschaft, Babymarkt.de sowie über
viele Start up-Beteiligungen wie Zalando, Lieferheld, Westwing oder Uber – hat sie nicht nur einen finanzkräftigen, sondern auch einen von der Sache überzeugten Unterstützer gefunden.

Haub: Das ist wirklich von den Menschen getragen. Schön, wie sich diese Geschichten ergeben.

inherne: Und Sie würden das Projekt finanzieren?

Haub: Ich unterstütze weiter mit. Aber es geht nicht nur um mich. Es gilt auch noch ein paar andere zu begeistern. Damit daraus ein Gemeinschaftsprojekt wird.

inherne: Sie haben gesagt, dass später Erweiterungen möglich sein sollen?

Haub: Idealerweise ist das Haus nicht einmal gebaut und dann fertig. Weil man ja immer wieder neue Ideen hat. Das wird die Herausforderung sein für die Architektur: die Möglichkeiten für spätere Erweiterungen zu schaffen.

inherne: So wie das Gospelprojekt selber, das aus vielen Modulen besteht. Modular?
Haub: Modular!

Merle: Modular. Genau. Ein gutes Wort. Die Idee ist, das Gospel-Center später
(es wird aber wahrscheinlich ganz anders heißen) auf verschiedene Säulen zu stellen: das Fitnessangebot „Crossfit“, die Tanzschule, die Gesangsabteilung.
Schließlich soll eine Säule der soziale Bereich sein. Da würden wir gerne mit dem DRK zusammen arbeiten. Das DRK träumt von einer Anlaufstelle in Form eines Sozialkaufhauses, einer Beratungsstelle. Ein Platz, wo Menschen mit ihren Problemen hinkommen können und ganz unbürokratisch Hilfe bekommen.

Haub: Das neue Domizil könnte ein richtiger Anlaufpunkt für Menschen sein, die Beratung suchen. Wir kennen diese Form aus den USA. Aber ganz wesentlich bleibt das Ehrenamt. Ich glaube einfach ans Ehrenamt. Das ist wahrscheinlich die amerikanische Prägung.

inherne: Sie wollen jetzt eine Stiftung gründen?

Haub: Wir haben ja einen Förderverein. Wir können uns aber vorstellen, dass wir, wenn das Gebäude erst steht, noch einen draufpacken und dann eine Stiftung draus machen. Derzeit lassen wir uns ganz prominent in
Düsseldorf beraten.

inherne: Wann wird das Gospel-Center gebaut?

Haub: Wir haben immer gesagt, wenn es 2020 so weit wäre, das wäre ein schönes Ziel. Deshalb werden wir jetzt auch konkreter. Das müssen wir ja noch erleben, nicht?

Merle: Genau. Wir werden ja auch älter.

inherne: Aber die Konzerte werden immer in anderen Hallen stattfinden?

Haub: Ich denke, wir sind völlig flexibel. Wenn wir eine ganz große Produktion machen, müssen wir in große Hallen ausweichen, in die Grugahalle
oder nach Bochum. Wir sind seit mehreren Jahren im Kulturzentrum in
Herne. Funktioniert wunderbar.

inherne: Ihre Baupläne sind ja nicht ganz unbekannt. Aber es hat nie jemand besonders nachgefragt.

Haub: Wir haben uns schon vor Jahren Grundstücke angeschaut, alte Hallen. Auch in anderen Städten haben wir uns umgeschaut. Wir wollen nicht drohen, aber wenn es hier nichts wird, dann muss man ja anderswo bauen.

inherne: Das wäre ja schlimm. Oder andersrum: Ich glaube, es wäre ein
weiteres Highlight für unsere Stadt.

Haub: Make Herne herrlich!

Das Gespräch führte Horst Martens