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Sichtbare Erfolge und Ausrichtung auf die Zukunft

Bündnis für Arbeit

Das Bündnis für Arbeit im Herner Rathaus ©Frank Dieper, Stadt Herne

Gute Nachrichten und Pläne für die Zukunft diskutierte das Herner Bündnis für Arbeit am Mittwoch, 26. September 2018. Seit 2015 arbeiten Herner Träger und Institutionen rund um Ausbildung und Arbeitsmarkt zusammen. In diesem Jahr konnte Herne entgegen dem landesweiten Trend mehr neue Ausbildungsverträge verzeichnen. Allerdings fehlen nach wie vor Ausbildungsstellen für junge Menschen.

  • Im Bündnis für Arbeit sind Institutionen rund um den Arbeitsmarkt vertreten. ©Frank Dieper, Stadt Herne

Den Arbeitsmarkt nicht dem Zufall überlassen

„Wir wollen den Arbeitsmarkt nicht dem Zufall überlassen“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Besonders in der Gesundheits- und Pflegebranche wird es in Herne bald mehr Bedarf an Fachkräften geben. Elf Bauprojekte für ältere Menschen stünden an, für diese Wohn- und Pflegeeinrichtungen werde bald Personal gebraucht, rechnete Dr. Dudda vor. Deswegen planen die Stadt Herne und die Agentur für Arbeit eine gemeinsame Veranstaltung zur „Zukunft der Gesundheits- und Pflegebranche“ am 29. November 2018. Dort sollen Ideen entwickelt werden, wie einerseits Firmen genügend qualifizierte Mitarbeiter finden, andererseits Bürger neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Aber auch die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die Arbeitswelt stehen in Workshops und einer Podiumsdiskussion auf dem Programm.

Menschen für Pflege begeistern

„Auf unserem Herner Arbeitsmarkt müssen wir selbst Impulse setzen“, erklärte Dr. Dudda das Ziel der Veranstaltung. Er rechnet damit, dass vor allem Pflegekräfte demnächst noch begehrter werden. Das sah auch Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit, so. „Wir haben sehr viele gemeldete Stellen in dieser Branche. Wir sind froh, dass wir diese Arbeitsplätze haben, aber wir brauchen auch die Menschen, die diese Aufgaben übernehmen können. Deswegen müssen wir eine Initiative starten, um Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern.“ Das sei in Herne nicht anders als bundesweit.

Weniger Arbeitslose in Herne

Dass Herner Initiativen funktionieren, hat das Bündnis für Arbeit bereits unter Beweis gestellt. „Unser Bündnis gibt Impulse“, stellte Dr. Dudda fest. So konnte Dr. Schmalhorst berichten, dass die Arbeitslosenquote in Herne im August bei 10,7 Prozent lag und damit abermals gesunken war. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen war gesunken, um 540 Personen. Allerdings gebe es hier weiter Handlungsbedarf. „Wir haben hohe Zahlen, aber eine sehr gute Entwicklung“, sagte der Leiter des Jobcenters, Karl Weiß.

Um Menschen auch nach langer Zeit wieder in den Job zu bringen, berichtete Weiß, gebe es das neue Teilhabe-Chancen-Gesetz. „Auch Menschen, die langzeitarbeitslos sind und eventuell Einschränkungen haben, sind in der Lage, viel zu leisten“, betonte er. Mit verschiedenen Fördermöglichkeiten bekommen einige hundert Herner neue Chancen. Fachkundig diskutierte das Bündnis verschiedene Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose einstellen. Unter anderem ist das Programm Soziale Teilhabe erfolgreich in Herne gestartet und hat 140 Menschen in Arbeit gebracht.

Als Erfolg zeigte sich auch das neue Zentrum für Vermittlung in der Heidstraße, das allen Bürgern offen steht. Sie können sich dort über freie Stellen informieren, Hilfe beim Bewerbung-Schreiben bekommen und sich beraten lassen, ohne sich arbeitslos oder arbeitssuchend melden zu müssen.

Schwerpunkt Ausbildung

117 zusätzliche Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr zählte die Agentur für Arbeit in Herne, berichtete Dr. Schmalhorst. Damit stellte sich Herne gegen den NRW-weiten Trend, nach dem immer weniger ausgebildet wird. Trotzdem ist es für Jugendliche in der Stadt besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, denn immer noch gibt es mehr als doppelt so viele Bewerber wie freie Plätze. Oft fehle es den Arbeitgebern an Ausbildern, an Wissen und an einer Personalabteilung, die Auszubildende betreuen könne, so Schmalhorst. Sie warnte davor, junge Menschen ohne Ausbildung lediglich als Aushilfen einzustellen, denn diese Stellen seien oft nicht sicher. Statt dessen sei eine abgeschlossene Ausbildung ein deutlich besserer Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Hoffnungen setzt das Bündnis auf neue große Betriebe, die sich in Herne ansiedeln und auch ausbilden werden. Vor allem sei es wichtig, dass Jugendliche nach dem Schulabschluss in eine Ausbildung starten und nicht in einer Warteschleife landeten. Dies sei in Herne leider oft der Fall, referierte Christian Kattenbeck vom städtischen Bildungsbüro: „Viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, gehen entweder an Berufskollegs, um die Zeit zu überbrücken oder sie studieren. Die Mitte, die Ausbildung im Betrieb, fehlt.“ „Die Jugendlichen müssen raus aus der Warteschleife“, stimmte auch Dr. Dudda zu.

Zweite Runde des Azubi-Speed-Datings eröffnet Chancen

Damit sie dort gar nicht erst landen, hatten Agentur für Arbeit, IHK, Kreishandwerkerschaft, Stadt Herne und andere Partner das Azubi-Speed-Dating neu aufgelegt. Dabei hatten Jugendliche Gelegenheit, sich in wenigen Minuten bei einem Arbeitgeber vorzustellen und im persönlichen Gespräch Fragen rund um die Ausbildung zu besprechen. Auch die Jugendberufsagentur, die junge Menschen ab 16 Jahren in Ausbildung oder Job vermittelt, sorgt für einen guten Übergang zwischen Schule und Beruf. Dazu kommt für junge Menschen noch das europaweite Programm Eyes, das Jugendliche auf eine selbstständige Tätigkeit vorbereitet, falls es mit der Vermittlung bisher nicht geklappt hat.

Schließlich stellten die Teilnehmer Programme und Hilfen vor, um auch Neuzugewanderte schnell auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihnen die deutsche Sprache zu vermitteln. Um für Fragen rund um die Integration passende Ansprechpartner zu vermitteln, wies Dezernentin Gudrun Thierhoff auf die Broschüre Integrationsarbeit für Geflüchtete hin.

Arbeitgeber, die sich über Fördermöglichkeiten informieren möchten, finden beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit kompetente Ansprechpartner unter Telefon 0800/ 4 55 55 20.

Nina-Maria Haupt