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Sommer, Schule und jede Menge Spaß

Erfolgreicher Abschluss der ersten Herner Summerschool

Die Teilnehmer der Summerschool präsentieren ihre Werke. © Frank Dieper, Stadt Herne

Tanztrainer Speedy hat sich vor seinen Tänzern aufgebaut. Zwei schnelle Schritte, einmal Klatschen. Dann ein Schritt, einmal Klatschen. Und von vorne. Schon haben sie einen Rhythmus, die neu zugewanderten Jugendlichen, die an der ersten Herner Summerschool teilgenommen haben. Sie haben in den Sommerferien vom 7. bis 25. August 2017 drei Wochen lang ihre Deutschkenntnisse verbessert und verschiedene Kultur-Workshops ausprobiert. Ob Tanzen oder Theater, Hörspiel-Produktion oder Fotografie – in allen Kursen konnten sie die Vokabeln einsetzen, die sie morgens in den Deutschkursen gelernt hatten. Und sie haben Herne kennengelernt, die Parks, die Museen, die Freizeitangebote – damit sie Anschluss finden und Kontakte knüpfen können.

  • Die Teilnehmer der ersten Herner Summerschool präsentieren Tanz… ©Frank Dieper, Stadt Herne

Deutschkenntnisse verbessern

Viele der Jugendlichen sprechen zuhause kein Deutsch und haben noch kaum Kontakte in der Stadt. Damit sie in sechs Wochen Ferien die Sprache nicht verlernen, haben Mulvany-Berufskolleg und Emschertal-Berufskolleg nach einer Möglichkeit gesucht, wie die Jugendlichen ihre Kenntnisse auffrischen können. Das Projektbüro Integration von Neuzugewanderten der Stadt Herne und das Kulturbüro haben die Idee aufgegriffen und gemeinsam mit der VHS Herne, dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, dem Kommunalen Integrationszentrum und dem Stadtsportbund Herne e.V. das einzigartige Projekt auf die Beine gestellt. Gefördert wurde die Summerschool vom DVV, dem Deutschen Volkshochschulverband. Die Mittel für das Foto-Projekt kamen aus der Jugendförderung.

Streifzüge durch die Stadt

Jetzt, wo die Jugendlichen ihren Rhythmus gefunden haben, verschwindet die Aufregung. Selbst diejenigen, die sich vorher in der hinteren Reihe versteckt haben, präsentieren nun selbstbewusst ihre Choreografie. In den Räumen des O – Ort der Kulturen haben sie je eine Woche lang die verschiedenen Kurse besucht. Zum Abschluss spielen sie auch die Hörspiele vor, die sie aufgenommen und geschnitten haben. An der Wand hängen Fotos, die die Teilnehmer in Herne gemacht haben. Wer genau hinschaut, erkennt die Ausstellung im Schloss Strünkede, die Parks und Geschäfte, die die Jugendlichen kennen gelernt haben.

  • Fotos der Teilnehmer der ersten Herner Summerschool. © Herner Summerschool

Die Schönheit Hernes

„Das Thema war die Schönheit von Herne“, erklärt die Fotografin Angie Schumann. Sie hat den 14- bis 18-Jährigen die ersten Foto-Kenntnisse vermittelt. „Die Verständigung hat überraschend gut geklappt, weil sie motiviert waren.“ Vieles hat Schumann den Jugendlichen erst gezeigt, dann mit Worten erklärt. Und die Teilnehmer haben nachgefragt: Wie spricht man dieses Wort aus? Wie heißt das? Was muss ich können, damit ich diesen Beruf erlernen darf? „Alle waren interessiert, vor allem an der deutschen Sprache“, hat die gelernte Fotografin beobachtet. Auch die Fotos sind mit der Zeit immer besser geworden. „Man erkennt, sie haben angefangen, anders zu sehen“, sagt Schumann und zeigt die Fotos der Teilnehmer.

  • Fotos der Teilnehmer der ersten Herner Summerschool. © Herner Summerschool

Dem Schulabschluss ein Stückchen näher

„Ich fand die Summerschool sehr, sehr gut. Das Fotoprojekt war am besten“, sagt der 18-jährige Mohammad. „Fotografie ist mein Hobby, aber ich konnte nur mit dem Handy fotografieren. Jetzt haben wir richtige Kameras benutzen dürfen.“ Sein Deutsch ist schon sehr flüssig, obwohl er erst vor einem Jahr und zehn Monaten aus Syrien gekommen ist. „Ich habe viel Kontakt mit Deutschen und lerne dabei die Sprache“, erklärt er.

Auch Joudy hat viele Fotos gemacht. Sie ist ebenfalls vor knapp zwei Jahren aus Syrien gekommen und geht seit einem halben Jahr zur Schule. In der Summerschool wollte sie vorwiegend ihre Sprachkenntnisse verbessern. „Die Deutschkurse haben mir sehr geholfen“, findet sie. Aber auch das Fotoprojekt war „sehr schön und wir haben viel Spaß gehabt und viele Sachen gelernt.“

Alaa betrachtet kritisch seine Bilder. „Die große Kamera war super, aber ich muss noch mehr üben“, findet der 17-Jährige. Er hat außerdem den Hörspiel-Kurs besucht und eine Radio-Redaktion besichtigt. Und er ist ehrgeizig: „Im nächsten Schuljahr will ich den Hauptschulabschluss machen.“ Die Summerschool hat ihn diesem Ziel ein Stück näher gebracht.

Nina-Maria Haupt