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Soundtüftler grooven mit Tiergeräuschen, organischen Beats und Synthie-Bässen

Offstream-Festival "Blaues Rauschen"

Das Offstream-Festival „Blaues Rauschen“ bringt bei seiner Erstauflage Anfang Oktober Konzerte und Performances internationaler Soundkünstler auf die Bühnen.  So treten in den Herner Flottmann-Hallen beispielsweise Leafcutter John (GB) und Mouse on Mars (GER) auf. Auch Essen und Dortmund sind Gastgeber der Musik-Veranstaltung.

Offstream ist das Gegenteil von Mainstream. Zu hören ist viel elektronische Musik, die sich, so die Veranstalter, „zwischen Electronica, Klangkunst, Postdigitalia und Maschinen-Folk bewegt“. Elektropop-Bands wie „Susanne Blech“ würden nicht in das Genre dieses Festivals, da sie klassische Instrumente wie Gitarren und Tasteninstrumente zum Einsatz bringen. Der Begriff „Blaues Rauschen“ stammt aus der Musikelektronik.

  • Als das digitale Zeitalter noch jung war … ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Musikalische Urgesteine aus Wanne-Eickel

Veranstalter ist der Verein „Open Systems“, hinter dem sich Eckart Waage und Karl-Heinz Blomann verbergen, den Hernern noch gut bekannt, da sie lange Zeit das „Studio b“ im ehemaligen Media-Tec-Zentrum in Wanne-Eickel betrieben. Heute ist das Studio in Essen ansässig. Sie sind Inhaber des Labels AufRurRecords, das in den 80-ern „The Vorgruppe“, „Pöhl Musik“ und andere Bands managte. Musikalisch sind Waage und Blomann in den Herner Flottmann-Hallen immer noch präsent durch ihre Veranstaltung „Ambitionierte Konzerte“.

Klang-Collage aus dem Smartphone

„Wir beschäftigen uns beim Festival mit der Frage, wie Technik unser kreatives Schaffen transformiert“, sagt Waage. Dabei geht es vor allem darum, wie sich analoge und digitale Musik entwickelt haben. Das Veranstalter-Duo hat insgesamt 17 Gruppen engagiert, die nun in Herne, Essen und Dortmund auftreten. „Blaues Rauschen“ startet zunächst am Freitag, 6. Oktober, mit einem Workshop für Schüler – zwölf Mädchen und Jungen aus dem Pestalozzi-Gymnasium nehmen teil. Die Schüler sollen die künstlerischen Möglichkeiten des Smartphone entdecken und dann selber auch Kunst in Form von Tönen und Bildern produzieren. Ab 19 Uhr kommen „Native Instruments“ aus Norwegen auf die Bühne, die diese Klänge aufgreifen und mit ihren eigenen Tönen zu einer Klang-Collage verbinden. Nennt sich dann Join-In-Konzert. Stine Janvin Motland und Felicity Mangan von „Native Instruments“ spielen im Übrigen mit Tier- und Insektengeräuschen aus ihren Heimatländern Australien und Norwegen.

  • Clube Blue.

Jede Menge Effekte

Am Samstag, 7. Oktober, ab 19 Uhr, glänzen die Konzertmanager mit gleich vier Formationen. Die Soundtüftler von „Club Bleu“ (GER) produzieren Live-Musik mit Synthesizer, Game-Controller, Bewegungssensoren und Spielzeuginstrumenten. Die „Sonic Robots“ (GER) verbinden Beats und Synthie-Bässe mit einer effektgeladenen Video-Show. Ein Multitalent hingegen ist Dominic Robertson (GB): Er ist Opern-Produzent, Autor, Songwriter, Klang-Collagist und Musik-Theoretiker. Leafcutter John (GB) steuert seine Klangerzeugnisse mit Lichtsignalen.

Sonntag, 8. Oktober, 19 Uhr: Jasna Velckovic (SRB) bringt mit ihrem selbst entwickelten Instrument „Velicon“ aus Magneten und Spulen Armbanduhren und Glasschalen zum Klingen. Mit düsteren Dancefloor-Tracks beeindruckt Demdike Stare (GB). Zahlreiche Awards hat der spanische Künstler Enrique Tomás gewonnen. Weltweit einen Namen gemacht hat sich „Mouse on Mars“ (GER). Sie präsentieren „Fluxpad“, eine App, mit der auf einem Tablet-Computer ungewöhnliche Klänge erzeugt werden.

Karl-Heinz Blomann ist nicht nur Veranstalter, sondern auch Künstler. Zusammen mit dem aus Wanne-Eickel stammenden Klangkünstler Richard Ortmann bildet er das Duo „Bloort“. Im Schloss Eving liefern sie eine analog-digitale Performance zum Strukturwandel des Ruhrgebiets ab – sie arbeiten mit historischen Originalaufnahmen aus der Geschichte des Bergbaus. „Die Entwicklung vom analogen zum digitalen Zeitalter und die Geschichte vom Niedergang des Bergbaus laufen zeitgleich“, ist Blomann überzeugt. Deshalb passt beides zusammen. Ihre Präsentation soll schon die erste Stufe zu einem Hörstück sein, dass sie 2018 veröffentlichen wollen, wenn die letzte Zeche im Ruhrgebiet geschlossen wird.

Auch mit dem „Blauen Rauschen“ haben Waage und Blomann schon Zukunftspläne. „Die Idee ist, dieses Festival auszudehnen und ruhrgebietsweit zu veranstalten“, so Blomann. „Unsere Absicht ist, dieses Festival als Impuls zu sehen, das Strahlkraft weit in die Region hat“, fügt Waage hinzu.

Konzerte im Detail – auch in Dortmund und Essen.  / studio-b-media.de/blauesrauschen

Horst Martens