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Vom Bauernhof zum Technischen Rathaus

Eine kleine Geschichte des ehemaligen Heitkamp-Gebäudes

Schuitz Edmund, Glasarbeit, Stadtkarte von Wanne-Eickel mit historischen Bauernhöfen, Landwirtschaft, Heitkamp Verwaltungsgebäude, Fensterverglasung und Aquarell Bilder von Vorarbeitern der Firma Heitkamp. Foto: Wolfgang Quickels

Früher ackerte Bauer Heitkamp auf dem Gelände, dann stand dort die Zentrale des international arbeitenden Bauunternehmens. Nun zieht die Stadt Herne mit ihrem Technischen Rathaus in das Gebäude. An verschiedenen Stellen können Besucher die Geschichte des Ortes noch entdecken.

Der Blick auf Haus A vom Dach des Hauses B. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

So sieht das ehemalige Heitkamp-Gelände heute aus. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Bauer Heitkamps Weide

Dass hinter dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel einmal ein Bauer seine Felder bestellte, ist heute schwer vorstellbar. Dort, wo am Montag, 13. November 2017, das Technische Rathaus der Stadt Herne offiziell eröffnet wird, war vor 125 Jahren noch ein Bauernhof. Schon im 13. Jahrhundert erwähnte ein Chronist den Heitkamphof, der damals zum Kloster Herdecke an der Ruhr gehörte. Seinen Namen bekam das Landstück durch eine simple Beschreibung: Heide und Kamp, also eine von Hecken eingefasste Weide, wurden zuerst zu „Heidkamp“, dann zu „Heitkamp“. Der Name ging bald auch auf die Familie über, die den Bauernhof bewirtschaftete.

„Lichtdurchflutete Arbeitsräume“

1892 gründete Engelbert Scharpwinkel, genannt Heitkamp, auf der Fläche, wo sich heute Langekampstraße und Landgrafenstraße kreuzen, ein Bauunternehmen. 1964 begann der Bau der neuen Firmen-Zentrale, dem ersten Gebäudeteil, der heute noch steht. Wie die Lokalzeitungen vermelden, rollten am 2. Januar 1964 die Bagger an und noch im selben Jahr wurde der langgezogene Bau mit sechs Ebenen fertiggestellt. „Eine Vielzahl von Fenstern gewährt lichtdurchflutete Arbeitsräume. Ohne Zweifel wird dieser Bau das Bild unserer Stadt verschönern.“, urteilte die WAZ am Dienstag, 24. November 1964.

Lohn in der Papiertüte

Schon bald wurde dem Unternehmen das Gebäude zu klein und 1969 wehte der Richtkranz über dem zweiten Gebäudeteil, der quer zum ersten angebaut wurde. Mehr als 800 Heitkamp-Mitarbeiter sollten dort arbeiten, das „Technische Büro“ alleine belegte drei Etagen. In dem heutigen Gebäudeteil B befand sich die Lohnhalle, dort wo sich heute der Eingang B befindet. In Papiertüten bekamen die Mitarbeiter in dieser Halle ihren Lohn ausgehändigt – in D-Mark und Pfennig.

Alte Adelssitze aus Wanne-Eickel

Aus dieser Zeit stammt auch die Glasmalerei des Künstlers Edmund Schuitz, die früher schon im Heitkamp-Gebäude hing. Zukünftig soll das Kunstwerk die Eingangshalle des neuen Technischen Rathauses schmücken. Die Glasmalerei zeigt eine historische Karte von Wanne-Eickel mit den Gemeindegrenzen von 1824. Eingezeichnet sind Wanne, Crange, Eickel und Bickern sowie Holsterhausen mit den Adelssitzen Haus Bönninghausen, Haus Crange, der Dorneburg, den Bickerer Höfen wie Stratmannshof und Laarmannshof, Haus Grimberg und der Kirche auf dem Eickeler Markt. Beschriftet sind die Orte mit den alten Flurbezeichnungen, unter anderem auch dem „Heidkamp“.

Eine besondere Glasmalerei

Entstanden ist die Karte 1955, als die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. den Künstler Edmund Schuitz beauftragte, die Karte von 1824 grafisch zu gestalten. In den 1960er Jahren beauftragte Robert Heitkamp, der selbst Mitglied der Gesellschaft für Heimatkunde war, den Künstler, die Karte als Glasmalerei umzusetzen. Mehr als ein Vierteljahr arbeitete Schuitz daran, bis die Glasmalerei fertig war. Dann wurde sie in der Eingangshalle der Firmenzentrale ausgestellt. Nach der Insolvenz von Heitkamp kaufte die Gesellschaft für Heimatkunde die Glasmalerei vom Insolvenzverwalter und ließ sie restaurieren.

Das Technische Rathaus zieht ein

Als die Firma Heitkamp 2013 in den neuen Firmensitz auf dem Pluto-Gelände zog, wurde das Gebäude mit inzwischen drei Bauteilen für eine neue Nutzung frei. Ursprünglich sollte das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft dienen, war dafür aber zu groß. Deswegen beschloss die Stadt Herne 2015, nur einen Trakt als Unterkunft herzurichten und den anderen Trakt als Verwaltungsgebäude zu nutzen, der die Keimzelle für ein Technisches Rathaus werden sollte. Als weniger Geflüchtete nach Herne kamen als ursprünglich vermutet, konnte die Stadt beide Gebäudeteile für die Verwaltung nutzen. Da die Sanierung bereits lief, wurden die Pläne angepasst und statt Wohnräumen für Geflüchtete Büros gebaut, anstelle von großen Waschräumen entstanden weitere Arbeitsplätze. Am Donnerstag, 31. August 2017, übergab die neue Eigentümerin HGW den fertiggestellten Block B an die Stadt Herne.

Die Farben des neuen Stadtlogos finden sich im gesamten Gebäude wieder: Das Farbleitsystem kennzeichnet mit grün die Flure in Block A und in gelb die Flure in Block B. Der Dorneburger Bach, der an dem Gebäude entlang fließt, steht für die Farbe blau im Stadtlogo. Vor dem Haus erstrecken sich neue Beete und Parkplätze für Elektro-Autos. Bauer Heitkamp würde sich wundern…

Nina-Maria Haupt

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