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Vom Reuber, der zum Spaß Bäume ausreißt

theaterkohlenpott-Produktion "Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes"

Till Beckmann ist Forscher und Reuber gleichermaßen. ©Horst Martens, Stadt Herne Till Beckmann ist Forscher und Reuber gleichermaßen. ©Horst Martens, Stadt Herne

Sie sind allseits bekannt, diese Geschichtenerzähler, die uns – halb Wissenschaftler, halb Entertainer – die abenteuerliche Welt jenseits des großen Gartenzauns erklären wollen und manchmal mit absonderlichen Geschichten in Funk, Fernsehen oder Kulturzentrum auftrumpfen. So einer ist der Forscher Markus Michalik, der bis zu einem schwarzen, also unerforschten Punkt von Google Maps vorgedrungen ist und dort auf eine berüchtigte Gestalt trifft. „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ heißt das neue Stück des theater kohlenpott, das am Samstag, 17. Dezember, um 16 Uhr Premiere feiert.

Ein bisschen Karl May

Finn-Ole Heinrich ist der preisgekrönte Autor des Stückes. In der Haupt- und einzigen Rolle ist Till Beckmann zu sehen. Beckmann spielt den Forscher, der dem Publikum den großen dunklen Wald so plastisch vor Augen führt, dass die Zuschauer das Gefühl haben, dabei zu sein. Dabei ist der Erzähler auf der Suche nach dem, was hinter den Geschichten, Mythen und Gerüchten um jenes geheimnisvolle Wesen tief im Wald steckt. Man hat Schlimmes von ihm gehört, von ihm, dem Reuber (ja, mit e-u). Er „reißt Bäume aus, nur so zum Spaß, … er schleift jeden Tag mehrere Stunden seine Messer“. „Ein bisschen Karl May“, sagt Beckmann grinsend, „weil sich am Ende alles als ein Schwindelbericht entpuppen könnte.“ Spannend erzählt, aber nicht unbedingt selbst erlebt – wie Karl May als Old Shatterhand. Dafür gelingt es Beckmann aber hervorragend, in die Rolle des Ungeheuers namens Reuber zu schlüpfen. Er setzt dafür in erster Linie seine Stimme ein – und seine Mimik. Da könnte es kleinen Kindern ein wenig gruselig werden, denn genauso stellt man sich den Reuber vor.

  • Pressekonferenz des theaterkohlenpott: Sebastian Maier, Mischa Lorenz, Valerie Seela, Frank Hörner, Milena Michalak, Jasmin Büning und Gabriele Kloke.

Für alle Altersklassen

„Aber nein“, betont Regisseur Frank Hörner, „‚Familienstück‘ ist nicht nur ein Etikett. Es ist für die Kleinen genauso gedacht wie die Großen.“ Hörner betont, es sei „ein vielschichtiges, sehr unterhaltsames Werk, das auf mehreren Ebenen spielt.“ „Die Reise“ pendelt auf der Bruchstelle von Kindheit und Erwachsenenwelt. Für die Musik hat Hörner seinen „Haus-Musikproduzenten“ engagiert, der in zahlreichen kohlenpott-Produktionen dabei ist. Ausstatterin ist Valerie Seela, die auf ein zurückhaltendes, aber dennoch markantes Bild setzt. „Die Bühne als Wald erscheinen zu lassen, wäre zu konkret“, sagt Seela. Dafür hat sie farbige Segel aufgespannt, die weit über die Bühne hinaus bis in die Zuschauerreihen reichen. Sie sollen ein stilisiertes Zelt darstellen. Die Stoffbahnen sind gleichzeitig Projektionsfläche von Videos, die Mischa Lorenz geschnitten hat. Nach „Der Dachs hat heute schlechte Laune“ ist dies die zweite neue Theaterproduktion dieses Jahres im Profibereich.

Autor ist Literaturpreisträger

Der Autor Finn-Ole Heinrich wurde 1982 in der Nähe von Hamburg geboren. Er erhielt 2012 den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Buch „Frerk, du Zwerg!“. Seine „Maulina“-Trilogie brachte ihm den  Jahres-Luchs 2014 ein. Er lebt und arbeitet als freier Autor in Hamburg.

Für die Premiere in den Flottmann-Hallen am Sonntag, 17. Dezember, um 16 Uhr gibt es noch Karten, die Folgetermine vom 18. bis 20. Dezember sind schon ausgebucht. Für Januar gibt es allerdings noch Karten. Tickets: Tel. 0 23 23 / 16-29 61 oder Tel. 0162 / 2869037 oder info@theaterkohlenpott.de, www.theaterkohlenpott.de.

Horst Martens