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Wenn die Kohle verglüht

Mit Kohle heizen? Das macht doch heute in Herne niemand mehr! Diese Vermutung stimmt nicht ganz, wie ein Besuch an der Koloniestraße beweist. Die Brüder Jörg (55) und Frank Höhne (54) sind ehemalige Bergmänner, die auf ihre wohlige Wärme nicht verzichten möchten und ihre Deputatkohle verheizen.

„Eine ganz besondere Wärme“

Das morgendliche Schüren des Feuers gehört aber auch in der Hannover-Kolonie längst der Vergangenheit an. „Bei den aktuellen Temperaturen reicht es, wenn wir einmal in der Woche die Kohle im Keller nachlegen. Das ist einfach eine ganz besondere Wärme“, ist Jörg Höhne von den Vorteilen seiner Zentralheizung auf Kohlebasis überzeugt. Die Anlage bezeichnet der Betriebsschlosser auch gerne als Kraftwerk: „Der Kessel ist Baujahr 2007, das ist kein Alter für so einen Ofen.“ Und dennoch könnte bald der Ofen aus sein. Denn mit dem Ende des Steinkohlebergbaus endet auch die Lieferung der Deputatkohle an aktive und ehemalige Kumpel.

Etwa 400 Euro für eine Tonne Importkohle

Mit anderen Worten: Die Brüder müssen die sechs Tonnen Kohle, die bisher jährlich für das Heizen und die Warmwasserversorgung verfeuert wurden, anderweitig einkaufen. „Etwa 400 Euro fallen pro Tonne an. Wir werden das ganze für ein Jahr testen und dann entscheiden, ob sich das rechnet“, sagt Frank Höhne mit Blick auf die Kosten für die Importkohle. Vor der Entscheidung, auf Gas oder eine andere Energiequelle umzustellen, stehen in Herne natürlich nicht mehr viele Haushalte. „Ich schätze es sind noch etwa 60 Kunden, die mit einem Kokskessel heizen“, betont Karl Josef Panner. Der 60-Jährige muss es wissen, als Schornsteinfeger ist er mit dem Thema Kohle bestens vertraut und hat die Entwicklung hautnah miterlebt.

Kurze Hosen bleiben im Winter im Schrank

„Als ich 1974 angefangen habe, wurde noch zum größten Teil mit Kohle geheizt. Da stand ich im Jahr zehn Monate mit dem Kehrwerkzeug auf dem Dach und habe richtige Kehrarbeit durchgeführt. Heute ist es umgekehrt, heute bin ich noch zwei Monate auf dem Dach“, verrät Panner, der sich mit seiner Tochter Katja Bezirk Nummer 10 teilt. Es ist der Bezirk von Jörg und Frank Höhne. Sie wollen am liebsten weiter mit Kohle heizen und sehen schon Einsparpotential: Wir wollen etwas weniger verbrauchen, wir müssen ja nicht mehr mit der kurzen Hose im Winter auf dem Sofa sitzen …“