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„Zille“ sucht neue Pächter

Karl-Heinz Gerdes geht nach 20 Jahren

Noch zapft er das eine oder andere Bier: Karl-Heinz Gerdes geht in den verdienten Ruhestand. ©Horst Martens, Stadt Herne. Noch zapft er das eine oder andere Bier: Karl-Heinz Gerdes geht in den verdienten Ruhestand. ©Horst Martens, Stadt Herne.

Wer die „Zille“ im Kulturzentrum kennt, der kennt auch Karl-Heinz Gerdes. Seit 20 Jahren führt er als Pächter die KuZ-Gastronomie und bewirtschaftet ebenfalls die Veranstaltungshalle. Doch damit ist jetzt Schluss. Im nächsten Jahr geht er in den verdienten Ruhestand. Daher sucht die TGG (Tagungsstätten- und Gastronomiegesellschaft mbH (TGG) zum 1. August 2018 einen neuen Pächter.

„Ein Urgestein des Kulturzentrums will uns jetzt verlassen“, sagt Kerstin Kramm (TGG). Mit Gerdes geht auch seine Tochter Nathalie Kerkmann-Gerdes, die mit ihm die „Zille“ geführt hatte. Sie geht in Mutterschutz, erwartet Zwillinge. Acht Mitarbeiter in der Küche und im Schankbereich müssten vom Nachfolger übernommen werden – zumindest wird das von der TGG erwartet.

  • Karl-Heinz Gerdes und Tochter Nathalie führten die Gaststätte „Zille“.

Gerdes hat ein langes Gastronomieleben hinter sich. Im Badischen wurde er als Restaurantfachmann und Bäcker ausgebildet. Dann kehrte er in seine Heimat Herne zurück und arbeitete in der Gysenberg-Gastronomie seit der Eröffnung des Revierparks 1970. In die „Zille“ kam er 1980 – zuerst war er Betriebsleiter, seit 2008 Pächter. Der Nachfolger findet dieses vor: ein „traditionsreiches Restaurant Zille“, das sich „in der Region als erstklassige Adresse für gut bürgerliche Gastronomie mit regionalen Spezialitäten etabliert“ hat (Text: Anzeige). Neben dem laufenden Gastronomiegeschäft sollte er oder sie auch die gastronomische Betreuung der Veranstaltungen im Kulturzentrum übernehmen. Interessierte sollten ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen bis zum 28. Februar 2018 an info@kulturzentrum-herne.de senden.

45 Bankette mit einer Gästezahl, die zwischen 200 und 800 Gäste schwankt, zählt die TGG in „Zille“ und Kulturzentrum, darunter sechs Abibälle. „Wir mussten auch schon mal Speisen für 2.000 Gäste kochen“, erinnert sich Gerdes. Das war im Jahr 2.000 zum Parteitag in Bochum, wohin das Essen geliefert wurde. Neben den Abibällen zählen heute die Veranstaltung des „Herner Forums“ der Sparkasse mit 800 Besuchern, Gewerkschaftsveranstaltungen und private Feiern wie zum Beispiel Hochzeiten zu den gastronomischen Herausforderungen. Im Kulturzentrum treten zahlreiche Stars auf, die nachher auch noch bewirtet werden wollen. „Bei den Künstlern“, sagt Gerdes, „geht es immer häufiger um die Frage, ob wir vegan kochen.“

Wichtig war für Gerdes immer der persönliche Kontakt: „Ich kenne fast alle Gäste – die meisten aber nicht nach ihrem Namen, sondern nach der favorisierten Speise. „Erinnern Sie sich?“ fragt jüngst ein Gast, der sich lange nicht mehr hatte blicken lassen. „Ja“, antwortete der Gastronom, „Sie sind doch Kaviar und Röstkartoffeln.“ Kerstin Kramm lobt das Gedächtnis von Gerdes: „Er ist wie eine wandelnde Festplatte. Wenn einer kommt und sagt, ich will das so haben wie vor zehn Jahren, dann ist er sofort im Bilde.“

Gerdes kann sich gut vorstellen, auch nach dem Ausscheiden noch ab und zu in der „Zille“ auszuhelfen. Ansonsten will er sich seinen zukünftigen Enkeln widmen. „Ich habe zwar keinen Führerschein, aber den Kinderwagen werde ich wohl schieben können.“

Horst Martens