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Zu Fuß von Berlin nach Herne

Ralf Tillmann wandert in seine Heimatstadt zurück

Ralf Tillmann zeigt seine Wanderstrecke. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

568 Kilometer in 24 Tagen wanderte Ralf Tillmann, um von seiner neuen Heimat Berlin in die Stadt seiner Kindheit, Herne, zu kommen. Der Stuntman und Filmemacher dokumentierte seinen Weg mit Youtube-Filmen unter dem Titel „per pedes in’n Pott“. Außerdem möchte der Diabetiker anderen Betroffenen zeigen, dass man auch mit dieser Krankheit leistungsfähig ist.

Zu Fuß seine Mutter in Herne besuchen

„Wenn ich hier einfach weiter gehe, komme ich irgendwann bei meiner Mutter in Herne an“, diesen Gedanken hatte Tillmann beim Spaziergang mit seinem Hund in Berlin-Zehlendorf. Anfang Juni packte er seine Sachen, ein ultraleichtes Zelt, einen Schlafsack, Campingkocher und etwas zum Anziehen, dann ging es los. Durch fünf Bundesländer führte Tillmann sein Weg. Von Berlin aus durchquerte er Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und kam schließlich nach Nordrhein-Westfalen. Am Donnerstag, 28. Juni 2018, lief er schließlich die letzte Etappe und kam bei seiner Mutter in Herne an. Am Freitag empfing Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda den Wanderer im Rathaus.

  • Wieder in seiner Heimatstadt, wird Ralf Tillmann von Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda begrüßt. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Freundliche und hilfsbereite Menschen

Zwischen 18 und 37 Kilometer am Tag hat Tillmann zurückgelegt. Die beiden kurzen Etappen beendete er am frühen Nachmittag, um Deutschland bei der Fußball-WM spielen zu sehen. Schlafplätze fand der Wanderer in Gaststätten, bei Menschen, die er unterwegs kennen gelernt hatte und auf Zeltplätzen. Der Kontakt mit fremden Menschen sei ihm sehr wichtig geworden, so Tillmann. „Als ich losgelaufen bin, war ich menschenmüde. Aber auf der Tour habe ich festgestellt: Es gibt so tolle Leute, diese Freundlichkeit, diese Hilfsbereitschaft!“ Absichtlich hat Tillmann eine Strecke gewählt, auf der nur wenige Wanderer unterwegs sind. Denn: „Das kann man nur alleine machen, sonst kommt man nicht mit Menschen ins Gespräch.“

Jeden Abend ein Video produzieren

Jeden Abend schnitt Tillmann seine Aufnahmen zu kurzen Videos zusammen und lud sie auf Youtube hoch. Einen Abend ohne Videos sei nicht möglich gewesen, sonst hätte seine Mutter sich Sorgen gemacht, so Tillmann. Die 83-Jährige sei fit im Umgang mit der Online-Videoplattform. Außerdem wollte Tillmann mit seinen Videos zeigen, dass auch Diabetiker zu großen körperlichen Leistungen in der Lage sind. „Viele Diabetiker finden sich mit der Krankheit ab und bewegen sich nicht. Ich möchte zeigen, dass das geht.“ Natürlich habe er unterwegs sehr auf seine Ernährung und auf seinen Blutzucker geachtet, aber Schwierigkeiten hätte er nicht gehabt. Dass nicht jeder Mensch wochenlang laufen kann, ist Tillmann allerdings klar. „Es spielt keine Rolle, wie viel man macht, sondern dass man was macht“, findet er.

Vom Bergmann zum Stuntman

Aufgewachsen ist der 54-Jährige in Herne, lernte Elektriker auf General Blumenthal und arbeitete schließlich im Filmpark in Bottrop. Von dort aus ging es zu den Filmstudios Babelsberg, wo Tillmann Stuntmen kennen lernte und schließlich selbst Stuntman und Filmemacher wurde. Den Rückweg nach Berlin wird Tillmann mit der Bahn bewältigen, denn zuhause wartet der nächste Auftrag, und auch die Büroblumen brauchen wieder etwas Zuwendung.

Nina-Maria Haupt