Die Oase mitten in der Stadt

9. Mai 2021 | Ausgabe 2021/2

Zu Besuch im Ökogarten von Hiltrud Buddemeier

„Was für eine Oase mitten in der Stadt“ – wie oft Hiltrud Buddemeier diesen Satz schon gehört hat, kann sie längst nicht mehr nachhalten. Besonders Menschen, die zum ersten Mal den Ökogarten an der Vinckestraße betreten, geraten sofort ins Schwärmen. Die Hernerin freut sich natürlich über so eine Begeisterung und öffnet gerne die Gartenpforte – diesmal für die inherne-Redaktion.

Frühstück für Wildbiene und Hummel
Wer das Areal betreten will, muss zuvor allerdings an den beiden „Hütehunden“ vorbei. Die Dackelmischlinge „Fine“ und „Seppel“ weichen Frauchen an diesem Tag nicht von der Seite und scheinen auch zu wissen, wo die Tour durch den Garten der Biologischen Station startet: bei den Taubennesseln. „Die gibt es nicht nur in lila, sondern weiter hinten auch in weiß“, erklärt die 80-Jährige und fügt hinzu: „Früher gab es sie an jeder Ecke, heute will sie keiner mehr haben, sie werden als Unkraut bezeichnet.“ Dabei sind es genau solche heimischen Pflanzen, für die sich die überzeugte Naturschützerin seit Jahrzehnten einsetzt. „Auch für die Wildbienen und Hummeln sind Taubennesseln besonders wichtig, um den Frühling zu überstehen.“ Kaum ausgesprochen, landet eine Biene an einer der ersten Nektarquellen der Saison. Kein Wunder, dass das direkt angrenzende Insektenhotel, wobei man an der Vinckestraße schon eher von einer Hotelkette sprechen kann, ausgebucht scheint.

„Auch für die Wildbienen und Hummeln sind Taubennesseln besonders wichtig, um den Frühling zu überstehen.“

Hiltrud Buddemeier mit den Hunden Seppel und Fine.

Noch 1990 eine Brachfläche
Auch an der blauen Blüte der Traubenhyazinthe hofft eine Hummel noch auf ein reichhaltiges Frühstück. „Das ist eine Pflanze, die eigentlich für jeden Garten geeignet ist. Wenn man sie nicht schlecht behandelt, kommt sie jedes Jahr wieder“, sagt die gebürtige Münsterländerin über die Zwiebelpflanze. 1990 hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass sich hier zwischen Goldlack, Wildtulpen und Schlüsselblumen auch das Scharbockskraut fast schon teppichähnlich nach jedem Winter als Frühlingsblüher zurückmeldet. „Damals war das hier alles noch eine Brachfläche“, erinnert sich die dreifache Mutter und zweifache Großmutter an viele mühsame Arbeitsstunden, die sie und weitere Aktive investierten. Eine Investition, die sich lohnte. Das belegen die zahlreichen Interessierten, die zu den beliebten Pflanzentauschbörsen und weiteren Veranstaltungen in direkter Nachbarschaft zum Haus der Natur pilgern.

Schon ihre Oma war ein Naturtalent
„Wir sind froh, dass uns die Stadt Herne damals das Gelände zur Verfügung gestellt hat“, sagt die Frau, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die große Vielfalt an Lebensräumen und Arten auch für die nächste Generation zu erhalten. Und das natürlich alles ehrenamtlich. Allein 36 Jahre lang war die ehemalige Lehrerin Vorsitzende des Naturschutzbeirates der Stadt Herne, bevor Anfang des Jahres Rolf Reinholz zu ihrem Nachfolger gewählt wurde. Besonders ihr Wissen rund um die Pflanzenwelt ist beeindruckend und längst nicht nur auf ihr Lehramtsstudium für Biologie zurückzuführen. „Als kleines Kind habe ich viel Zeit bei meinen Großeltern in Schloss Neuhaus verbracht, das war damals noch ein richtiges Dorf. Meine Oma war ein Naturtalent, sie kannte jede Pflanze und hat mir so alles beigebracht.“

In einer Ecke des Ökogartens befinden sich auch Bienenkörbe.

Blütenpracht von heimischen Pflanzensorten.

Auch ein Biotop mit Dutzenden von Fröschen gibt es auf dem Arreal.

Kräutergarten

Das Gartenhaus

Im Hühnerstall

Von Vorwerk-Hühnern und Fröschen
Von diesem Wissen profitieren jetzt auch viele Kindergartenkinder. Nicht nur aus der direkten Nachbarschaft vom Juri-Gerus-Weg. Die kleinen Gäste zieht es meistens direkt an den Teich. „Die Kinder freuen sich immer, wenn sie einen Frosch entdecken.“ Zum Naschen gibt es für den Naturschutz-Nachwuchs Johannis- und Stachelbeeren. Noch tragen die Sträucher, die neben dem Hochbeet stehen, in dem Küchenkräuter wie Rosmarin, Maggikraut und Salbei wachsen, aber keine Früchte. Das gilt auch für die Felsenbirne. „Dieser große Strauch ist ein Gewinn für jeden Garten“, schwärmt Hiltrud Buddemeier. „Die offenen Blüten werden schnell von den Bienen gefunden. Wenn sie verblüht sind, wächst außerdem aus jeder Blüte eine kleine Frucht. Sie sieht aus wie eine ganz kleine Birne. Sie schmeckt nicht so süß, sondern etwas säuerlich.“ Meist überlässt sie aber den Vögeln die Ernte. Seit sieben Jahren sorgen auch Vorwerk-Hühner für einen Blickfang im Garten. Sie gelten als zutraulich. „Fine“ und „Seppel“ sind im Gehege aber dennoch eher vorsichtig und trauen dem Gefieder nicht über den Weg. Doch es bleibt friedlich. Kein Wunder: Sind wir doch in der Oase mitten in der Stadt …

Seppel auf Futtersuche bei den Hühnern.

Text: Michael Paternoga     Fotos: Thomas Schmidt