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100 Jahre Hilfe in der Not

Caritas feiert Jubiläum

Haben Jubiläumsveranstaltungen organisiert: Mechthild Greifenberg, Ronja Harder, Anja Hempel, Ansgar Montag und Bernd Zerbe. ©Horst Martens, Stadt Herne Haben Jubiläumsveranstaltungen organisiert: Mechthild Greifenberg, Ronja Harder, Anja Hempel, Ansgar Montag und Bernd Zerbe. ©Horst Martens, Stadt Herne

Armut, Hunger, Krankheit – die Auswirkungen des 1. Weltkrieges führten zur Gründung des Caritasverbandes Herne im Jahr 1919. In Wanne-Eickel etablierte sich ein Caritasverband 1926. Das Jubiläum soll im Laufe des Jahres mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert werden.

Auch schon vor 1919 waren immer schon ehrenamtliche Katholiken in Herne mildtätig, aber durch den Caritasverband erhielt diese Hilfe einen hauptamtlichen Unterbau.  „Seitdem hat der Verband einen stetigen Wandel durchzogen, denn nichts ist so beständig wie die Veränderung“, betont Ansgar Montag. „Und wenn es vor 100 Jahren noch um existenzielle und materielle Nöte als Folge der Kriegssituation ging, so geht es heute auch um Notlagen, aber häufig im Alltagsleben. Wir kümmern uns um schwierige Lebenslagen, um gesellschaftspolitische Veränderungen – Vereinzelung, Vereinsamung, Entsolidarisierung – außerdem um andere Themen wie die Pflege oder die Behindertenhilfe.“

Caritas – hauptamtliche Nächstenliebe

„Nach dem 1. Weltkrieg gab es viel Bedarf an Arbeit, so sind zum Beispiel Suppenküchen entstanden“, schildert Bernd Zerbe, der Bereichsleiter für die sozialen Dienste, die geschichtliche Situation. „Damals waren sehr viel mehr Menschen in Not als heute. Häufig waren es Frauen, die ehrenamtlich tätig waren. Dann kam der Impuls: Wir machen das professioneller, was bisher ehrenamtlich gemacht wurde. Man brauchte Krankenpfleger, die das gelernt hatten.“

  • Fotosession zum Thema „100 Jahre Caritas“. © Horst Martens, Stadt Herne

Entwicklungen seit den 50ern

In den 50-er Jahren entsteht – bedingt durch die Folgen des 1. Weltkriegs – der Bedarf nach Müttergenesung und Familienpflege sowie für Erholung (Mutter-Kind-Kuren, Seniorenreisen). Zerbe: „In den 70-er Jahren haben die Caritas-Verbände sich stark in der Kranken- und Altenpflege sowie in der Behindertenhilfe entwickelt.“ Die Herner Caritas gehört mit ihren 330 Mitarbeitern zu den mittelgroßen Verbänden. „Wir sind ausschließlich im ambulanten Bereich tätig, wir betreiben keine stationären Einrichtungen und keine Werkstätten. Wir gehen zu den Menschen. Man erkennt uns an den weiß-roten Autos“, sagt Zerbe. In der ambulanten Familienhilfe arbeitet die Caritas eng mit der Stadt zusammen. In der Ganztagsbetreuung ist die Einrichtung in vielen Schulen unterwegs.

Neue Dienstleistungen

Im Jahr 1974 starten die Sozialstationen, die Ambulante Pflege anbieten.  Am 1. April fusionieren die Caritasverbände in Herne und Wanne-Eickel. Das Haus Nazareth wird als neuer Wohnort für Menschen mit Behinderung umgebaut. Das jetzige Caritas-Zentrum an der Schulstraße 16 wird 2009 eröffnet. Im Jahr 2015 startet das Forum Inklusion Herne. 2018 erfolgt die Fertigstellung der Seniorenwohngemeinschaften für Menschen mit Demenz im „Stadthaus“. Im gleichen Jahr wird auch das Quartiersbüro Herne-Mitte eröffnet.

Spannungsfeld mit Kostenträgern

1995 wird die Pflegeversicherung eingeführt. Danach werden einzelne Leistungen finanziert und nicht mehr Personalstellen – das war eine neue Herausforderung für den Verband. Die Arbeit des Caritasverbandes bewegt sich heute häufig in einem Spannungsfeld zwischen Verband und Kostenträger. „Wir wollen die Menschen gut versorgen“, sagt Montag, „während die Kostenträger Geld sparen wollen.“

Wandel im Ehrenamt

Im Rahmen einer Mitglieder- und Imagekampagne sollen Ehrenamtliche für verschiedene gemeinnützige und soziale Projekte gewonnen werden.  „Dadurch soll das Engagement für andere betont werden“, sagt Mechthild Greifenberg, die den Bereich „Ehrenamtliche“ betreut. „Unter den Ehrenamtlichen hat es einen Wandel gegeben. Es überwiegen die Menschen, die sich zeitlich einsetzen für eine Aufgabe und die Arbeit nicht jahrzehntelang machen, wie es früher der Fall war.“ Die neuen Ehrenamtlichen wollen kein Amt, sondern nur helfen. Wem aber die Zeit fehlt, der kann die Arbeit durch Fördermitgliedschaften unterstützen, zum Beispiel bei den Projekten „Aktion Schulmaterial“, „Mobiles Hospiz“ mit der Palliativpflege zuhause, die „Wanner Mittagstafel“ und die Flüchtlingsarbeit. „Ehrenamtliche sind wichtige Multiplikatoren“, sagt Anja Hempel, Bereichsleiterin für Pflege und Betreuung. „Sie tragen Dinge, die wir auf den Weg bringen, in die breite Masse.“

Jubiläums-Veranstaltungen

14 Jubiläums-Veranstaltungen für das ganze Jahr hat die Caritas für 2019 gelistet, sie reichen vom Kinoabend mit dem Film „Papst Fanziskus“ (20.2.) über die Lange Tafel unter dem Motto „100 Jahre – 100 Gäste“ (24.5.) und dem „Open-Air Singen“ mit der Musikschule Herne (28.6.) bis hin zum Benefizkonzert im Möbelhof (im November).

Horst Martens