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Ausgezeichnete Liebeserklärung

Fotograf Thomas Schmidt und Historiker Ralf Piorr erhielten Geschichtspreis

Nie gab es so viel Geschichte an Ruhr und Emscher wie heute – und das liegt nicht nur am allgegenwärtigen Abschied vom Bergbau. Das renommierte „Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher“ begleitet diesen Prozess seit 1991 und lud mit dem Geschichtswettbewerb „Hau rein! Bergbau im Ruhrgebiet. Alltag. Wissen. Wandel“ ein, sich mit dem Vermächtnis des Kohlengräberzeitalters auseinanderzusetzen.

Dem Thema angemessen wurden nun auf der Zeche Zollverein die Arbeiten prämiert. Besonders angetan zeigte sich die Jury vom Bildband „Herne 50/80. Fotografie“, der vom Stadtfotografen Thomas Schmidt und dem Historiker Ralf Piorr im November letzten Jahres im adhoc Verlag herausgegeben wurde. In der Laudatio heißt es: „In dem Buch werden nicht nur das Lebensgefühl der Stadt, sondern auch die Träume und Visionen, die wichtigsten Ereignisse, aber auch die kleinen Geschehnisse am Rande gezeigt. Insgesamt eine Liebeserklärung an die Stadt, die mit dem Buch auch als pars pro toto für das gesamte zentrale Ruhrgebiet steht. Eine sehr gute professionelle Arbeit, die gut recherchiert und mit historischem und fotografischem Sachverstand sicherlich einer der Höhepunkte im Fotogeschehen im Ruhrgebiet darstellt.“

  • Ort der Preisverleihung auf Zeche Zollverein.©Thomas Schmidt

Und warum hat es bei so viel Lob nur zum zweiten Platz gereicht? Thomas Schmidt liefert die Erklärung: „Letztlich haben wir in unserem Buch Fotos von anderen Fotografen zusammengestellt und mit diesem ‚Remix‘ ein historisches Bild der Stadt entworfen. Das war unglaublich viel Recherche- und Auswahlarbeit, aber eben nicht der kreative Prozess des Fotografierens selbst.“ So ist es auch für ihn nachvollziehbar, dass die Jury das Projekt der jungen Fotografin Nanna Heitmann auf das oberste Podest stellte, die über Monate hinweg Bergleute auf ihrem Weg zur letzten Schicht begleitet hat und begleitet.

Zufrieden ist auch Ralf Piorr, der als einziger Akteur beim Geschichtswettbewerb mit zwei Preisen bedacht wurde. Die von ihm im Stadtarchiv gefundene und herausgegebene Erzählung „Die Männer von Luise. Erzählung eines unbekannten Bergmanns“ erreichte in der Kategorie „Literarische Bearbeitungen“ ebenfalls den zweiten Platz. Und last but not least wurde ein weiterer Preis mit Herner Bezug an die Erich Fried-Gesamtschule mit dem stadtteilübergreifenden Kooperationsprojekt „Unterm Förderturm der Zeche Lothringen“ vergeben.