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David Macaulay zeigt Archäologie im Jahr 4022

Ausstellung "Irrtümer & Fälschungen" ab März im LWL-Museum für Archäologie

Das Badezimmer als heiliger Ort ritueller Handlungen? Die Ausstellung "Irrtümer & Fälschungen" wartet mit vielen zum Teil humoristischen Überraschungen auf. Foto: David Macaulay

Welche Spuren hinterlässt das 21. Jahrhundert und wie könnten Archäologen in 2.000 Jahren unsere Spuren lesen? Mit Zeichnungen des US-Amerikaners David Macaulay, die erstmals in Deutschland zu sehen sind, eröffnet das Museum für Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne am 23. März seine Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“.

Der preisgekrönte Autor und Zeichner Macaulay zeigt alternative Fakten der Zukunft. Für die Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ stellt er erstmals überhaupt originale Tuschezeichnungen seiner Grafik-Novelle „Motel der Mysterien“ (1979) aus. Zu Beginn der Ausstellung finden sich die Besucher in einer fiktiven Ausgrabung im Jahr 4022 nach Christus wieder. Howard Carson, ein Hobby-Archäologe der Zukunft, entdeckt einen verschütteten Motel-Komplex, den er für eine Kult- und Grabstätte der untergegangenen Kultur der Yankees hält. Carson fördert geheimnisvolle „Kultobjekte“ zutage, bei denen es sich tatsächlich um alltägliche Gegenstände der Gegenwart handelt. Der Archäologe der Zukunft folgert: Die Kultur der Yankees muss unendlich reich gewesen sein, denn alles besteht aus Plastik, einem Rohstoff, der im 5. Jahrtausend äußerst selten ist.

Als die Anfrage aus Herne kam, war Macaulay sofort begeistert: „Tatsächlich freue ich mich über jede Reaktion meiner Leser auf meine Bücher. Doch wenn sie eine transatlantische Brücke zwischen meinem kleinen Atelier in Vermont und einem Ort schlagen, den ich (noch) nicht kenne, bin ich überglücklich. Denn ist nicht genau das die Aufgabe von Kunst und Humor?“ Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock: „Mit der humoristischen Inszenierung zu Beginn wollen wir die Besucher für die realen Irrtümer und Fälschungen der in der Ausstellung sensibilisieren.“ So wird bei Macaulay die Toilettenschüssel zur Urne und die Klobrille zum Collier einer Priesterin. „Was meinen bescheidenen Beitrag zur Archäologie angeht, so bin ich mir ziemlich sicher“, meint Macaulay, „dass in 2.000 Jahren niemand mehr mit Sicherheit zu entscheiden vermag, wofür viele der von uns hinterlassenen Gegenstände gedient haben.“

Das Werk des Architekten, Kunsthistorikers und Grafikers Macaulay (geboren 1946) umfasst mehr als 20 Bücher. Es wurde in zwölf Sprachen übersetzt und zum Teil für das Fernsehen adaptiert. Berühmt wurde Macaulay vor allem durch seine Kinderfachbücher, in denen er geschichtliche Themen bildhaft erklärt. Er hat zahlreiche internationale Preise gewonnen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis. In den USA wurden seine Werke bereits mehrfach ausgestellt. Er lehrt an der Rhode Island School of Design, Providence. „Motel der Mysterien“ erscheint im Rahmen der Ausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologe“ in einer komplett neu übersetzten deutschen Auflage im Nünnerich-Asmus Verlag.

Irren ist menschlich – davon bleiben auch angesehene Wissenschaftler nicht verschont. Die Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne korrigiert vom Freitag, 23. März, bis Sonntag, 9. September 2018, populäre, aber überholte Thesen zu vergangenen Epochen. Über 200 Exponate decken spektakuläre Fehlurteile und Betrugsfälle in ganz Europa auf. Interaktive Medienstationen sollen den kriminalistischen Spürsinn von kleinen wie großen Besuchern wecken.

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