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Der Klang des Wachses

Ausstellung "roundabout about round" in den Flottmann-Hallen

Fleißige Bienen nutzen als Arbeitsmaterial bevorzugt Wachs, Kerzengießer auch. Auch die Kosmetikbranche schwört darauf, denn es eignet sich unter anderem vorzüglich als Haarentferner. Künstler nutzen Wachs eher selten. Inge Gutbrod hat sich aber dieser fettähnlichen Masse verschrieben. Die Künstlerin aus Fürth formt aus dem weichen Material erstaunliche Skulpturen, die ab Samstag, 27. Oktober, unter dem Titel „roundabout and about round“ in den Flottmann-Hallen zu sehen sind.

  • Die Wachskulpturen von Inge Gutbrod. Im Vordergrund die „LinienKaskade“. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Mitmachaktion mit Wachsstückchen

„Für die Flottmann-Hallen ist es die erste Ausstellung, die sich dem Thema ‚Wachs‘ widmet“, sagt die Kuratorin Jutta Laurinat. Um die Besucher auf den seltenen Werkstoff einzustimmen, hält sie einen Teller mit Wachsstückchen bereit, die eine frappierende Ähnlichkeit mit Gouda-Käse haben. Schon zu Ausstellungsbeginn ist es zu komischen Verwechslungen gekommen, als ein vorschneller Besucher in ein vermeintliches Käsestück biss. Der Zweck ist ein anderer: Die Gäste sollen daraus eine dünne Folie herauskneten, die dann ausgestanzt und auf ein senkrechtes Plastikrohr gestreift wird. Am Ende der Ausstellung soll dann ein neues kollektives Kunstwerk entstanden sein.

Scheiben auf einer Achse aneinandergereiht – nach dieser Methode hat Inge Gutbrod eine vier Meter lange und 80 cm hohe wuchtig wirkende Walze aus zahlreichen mehrere Zentimeter breiten weißen Wachsscheiben geformt, die auf ein ebenfalls vier Meter langes Plastikrohr geschoben wurden. Von innen ist diese „LichtWelle“ mit LED-Lichtbänder beleuchtet. „Die Skulptur hat ein unglaubliches Gewicht“, meint Laurinat. Sie ist stolz, dass die Arbeit, die an eine Schiffsantriebswelle erinnert, explizit für die Flottmann-Hallen konstruiert wurde.

Der tänzelnde Vorhang

Eine komplett andere Form hat die Arbeit „roundabout-tänzelnd“, obwohl sie auch nach dem Wachsscheibenprinzip gebaut wurde: Durch kleine Wachsscheiben, vielleicht 5 cm groß,  ziehen sich Fäden. Viele Wachssscheibenfäden bilden eine Art Fransen-Vorhang, der an einem Eisengestell angebracht ist, das sich rhythmisch, tänzelnd, in verschiedene Richtungen bewegt. Beim Aneinanderstoßen der Plättchen hört man den Klang des Wachses.

Beleuchtete Zylinder

Riesengroßen illuminierten farbigen Kerzen ähneln die 16 Skulpturen, die verstreut im Raum stehen und von der Künstlerin „light-soaked“, also lichtgetränkt, genannt werden. Beim Näherkommen erkennt der Betrachter, dass es sich um Wachszylinder handelt, die innen von einer Lampe beleuchtet werden. Auf Wachs verzichtet Inge Gutbrod bei der vierten Arbeit: Die „LinienKaskade“ ist eine bis ins Hallendach reichende Installation aus Transparentpapieren, die von Papprollen entrollt wurden. Mit Aquarellstiften hat sie Linien gezeichnet, die sich von oben nach „fließen“.

Inge Gutbrod: roundabout about round. Installationen und Objekte. 27.10. bis 16.12. Eröffnung: Samstag, 27. Oktober, 17 Uhr. Begrüßung: Jutta Laurinat. Einführung: Dr. Necmi Sönmez.

Wachs schmilzt bei 40 Grad

Nicht zufällig hat Jutta Laurinat die Ausstellung in die kalte Jahreszeit verlegt. Dabei hat sie nicht an erster Linie an die Adventszeit gedacht, in der Wachs in Form von Kerzen ins Rampenlicht rückt. „Wachs schmilzt ab 40 Grad“, weiß sie. „Und bei längerer Sonneneinstrahlung durch das transparente Hallendach würden sich die Kunstwerke verformen.“ So gesehen wünscht sich die Kuratorin nicht zu viel Sonnenschein für die nächsten Wochen.

Horst Martens