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Hühner beruhigen und Hunde brechen das Eis

Sabrina Jericho bietet Therapie mit Tieren an

Sabrina Jericho mit Mala ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Wenn Sabrina Jericho ein Zeichen gibt, weiß Mala genau, was sie machen soll. Die zweijährige Australian-Shepard-Hündin setzt sich, springt über Jerichos ausgestrecktes Bein, dreht sich im Kreis und legt sich auf ein Handzeichen hin. Auch wenn Fremde auf sie zugehen bleibt Mala ruhig. Das ist wichtig, denn sie absolviert gerade eine Ausbildung zum Therapiehund. Ihre Besitzerin, Sabrina Jericho, bietet nun in Herne Seminare zur tiergestützen Therapie an.

  • Sabrina Jericho und Mala… ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Hamster, Hunde, Schnecken

Ob mit Kindern, Erwachsenen,  Älteren, Menschen mit und ohne Behinderung – viele Therapie-Angebote können durch Tiere unterstützt werden. Das muss nicht immer ein Hund sein.  Auch mit Hamstern, Hühnern und Schnecken kann man Menschen helfen, berichtet Jericho. Die 26-Jährige ist Reittherapeutin und Fachkraft für tiergestützte Intervention. Nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit hat sie eine Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Intervention gemacht und arbeitet nun mit Schulen, Kindergartenkindern und Erwachsenen auf einem Bochumer Bauernhof.

Tiere als Ruhepol

Seit kurzem lebt Jericho in Herne und bietet im Herner Natur-Erlebnis-Revier im Gysenbergpark Seminare zum Thema Therapie mit Tieren an. „Ich wollte immer schon mit Menschen und Tieren arbeiten“, sagt Jericho. Sie ist in Bochum mit Tieren aufgewachsen, ob Hunde, Katzen, Pferde, Ziegen oder Gänse. „Tiere sind oft ein Ruhepol und sie brechen das Eis“, meint die gebürtige Bochumerin. Gerade bei Menschen, die auf andere Therapien nicht gut ansprechen, hat sie es als hilfreich erlebt, wenn Tiere dabei sind. Zum Beispiel würden Kinder, die ungerne vorlesen lieber einem Tier vorlesen als ihren Klassenkameraden. Oder Menschen mit Behinderung, die bestimmte Bewegungen üben müssen, würden das lieber tun, indem sie ein Tier streicheln oder versorgen. Alte Menschen, die sich selbst nicht mehr alleine versorgen können, würden es oft genießen, ein Tier zu pflegen.

Beruhigende Hühner

„Die Tiere sind nicht Therapeuten, sondern Co-Therapeuten. Die Verantwortung liegt beim Menschen“, betont sie. Zum Beispiel können Menschen mit Down-Syndrom mit den Tieren ihre Bewegungen üben, ihre Wahrnehmung schärfen und Verantwortungsbewusstsein üben. Korpulentere Menschen bewegen sich lieber gemeinsam mit einem Tier oder strengen sich an, um es zu versorgen. Hühner, hat Jericho beobachtet, sind vor allem bei Autisten beliebt. „Hühner beruhigen“, widerspricht sie dem gängigen Klischee vom aufgeregten Federvieh.

In der Stadt sind andere Tiere gefragt

In Herne will sie nun nebenberuflich Fortbildungen anbieten, vor allem „tiergestützte Basiskompetenz“. Dahinter verbirgt sich ein breites Wissen darüber, mit welchen Tieren man wie arbeiten kann. Die Teilnehmer sollen nicht nur Tiere, sondern auch Krankheitsbilder bei Menschen kennen lernen, sie müssen gesetzliche Grundlagen und Hygiene-Vorschriften büffeln. Außerdem wird es darum gehen, mit welchen Tieren man in einer Großstadt arbeiten kann. Kämen bei Seminaren in ländlichen Gegenden auch Kühe, Schafe oder anderer Bauernhoftiere zum Einsatz, sind in Städten Kleintiere eher gefragt. Für den Einsatz in Herne kann Jericho sind Hunde, Schnecken, Meerschweinchen oder Kaninchen vorstellen. Auch ihr eigener Hund Mala wird dabei sein.

Nina-Maria Haupt