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Träume ein schöneres Wanne

Glitzer, Glamour und Träume für Wanne ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Wanne, ein Sehnsuchtsort – das kann sich Diana Wesser gut vorstellen. Die Leipziger Künstlerin lebt und arbeitet den Sommer über in Wanne. Ihr Projekt „Sehnsucht Wanne“ beschäftigt sich mit den Wünschen und Sehnsüchten von Wannern. Wesser spricht mit den Einwohnern, lernt ihre Geschichten und Wünsche kennen – und den Grund, warum sie so gerne in Wanne leben.

  • Das Festival-Team und Diana Wesser sitzen in der Wanner Fußgängerzone. ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Einhörner gegen Wanner Geschichten

„Wir brauchen jemanden, der von außen kommt, der professionell arbeitet und der weiß, wie er mit den Leuten ins Gespräch kommt“, erklärt Kama Frankl vom Kulturbüro der Stadt Herne. Dafür setzt sich Wesser schon mal mit Tisch und Bank in die Fußgängerzone und spricht mit Passanten. Oder sie tauscht selbst gebackene Einhorn-Plätzchen gegen Geschichten aus dem Stadtteil. „Das Projekt soll andere Publikumsschichten erreichen, nicht nur die, die sich für Kultur interessieren. Das ist meine Spezialität“, erklärt Wesser.

„Die meisten Menschen leben gerne hier“

„Sehnsucht kann so viel bedeuten: Ich sehne mich nach Wanne. Ich sehne mich aus Wanne weg. Ich sehne mich nach etwas in Wanne.“ All das trägt die Künstlerin zusammen, trägt die Orte der Sehnsucht in eine Karte des Stadtteils ein. Ihr Eindruck von dem Stadtteil ist überwiegend positiv. „Die meisten Menschen leben gerne hier. Wenn sie etwas beklagen, dann, dass es dreckig ist.“ Als jemand, der von außen kommt, hat Wesser als erstes die vielen Bänke in der Fußgängerzone bemerkt, wo man sich hinsetzen und verweilen kann. Auch die leeren Ladenlokale findet die Leipzigerin interessant: „Wo die Läden leer sind, sind Orte, die ein unglaubliches Potential haben. Leere Läden bieten Platz für kreative Entwicklungen, wo vorher keiner war.“

Ein Eimer hilft schon

Kreative Entwicklungen, das ist das Ziel ihres Projektes. Die Menschen aus Wanne sollen sich ihr eigenes Wanne schaffen. Dabei sind es schon kleine Veränderungen, die den Stadtteil in Bewegung bringen sollen. Als Bürger erzählten, dass die Bäume am Buschmannshof vor dem Wasserspiel vertrocknen, stellte Wesser dort Eimer auf, mit der Bitte, dass jeder, der vorbei geht, den Bäumen einen Eimer Wasser gibt. Für eine andere Aktion sammelt sie alte Fotos aus Wanne, die gar nichts Besonderes sein müssen. Sie sollen demnächst eine neue Kneipe schmücken.

Draußen unterwegs, mit Gold und Glitzer

Einen festen Ort hat das Projekt nicht. „Die Nachbarschaft ist draußen, sie hat viele Orte“, so Wesser. Schön wäre ein leerstehendes Ladenlokal, das sie für ein paar Monate nutzen möchte. Allerdings sind die meisten Mietangebote zu teuer gewesen. Statt dessen ist Wesser im Stadtteil unterwegs. Sie stellt ein Schild mit goldenem Lametta auf, trägt ein goldenes Kleid, arbeitet mit Glitzer. Denn Wanne brauche mehr Glamour. Und die Menschen würden durch Gold und Glitzer schnell neugierig. Bald will sie in die Emscherstraße gehen und dort mit Anwohnern sprechen. Und Wesser besucht auch Menschen, die sie einladen oder die ihr eine E-Mail schreiben: Sehnsucht-wanne@ensample.de

Ein Festival für junge Impulse

Das Nachbarschaftslabor soll im Herbst in das Festival „Junge Impulse“ münden. Dieses Festival bietet außer Kunst, Musik, Tanz und Kulturvorführungen auch Workshops und Labore an, an denen Bürger teilnehmen können. Hinter dem Festival steht das Team vom Tanzeensemble ENSAMPLE, Christopher Deutsch, Rahel Steffen, Jana Wagner, Kama Frankl und andere. Junge Impulse bezieht sich dabei nicht nur auf junge Menschen, sondern auch auf neue Ideen und Dinge, die noch nicht da gewesen sind. In diesem Jahr steht die Rebellion und die Gestaltung von Wanne-Eickel im Mittelpunkt: „Unsere Frage ist: Wie kann ich rebellieren gegen etwas, was mich stört?“, so Frankl. Dabei geht es nicht ums Meckern, sondern ums Verändern. „Wir wollen der jungen Generation Mut geben, etwas anzupacken.“

Das Festival wird vom Freitag, 12. Oktober, bis voraussichtlich Sonntag, 21. Oktober 2018, laufen. Zentrum der Aktionen ist die Realschule Crange, denn das Festival soll sich ganz konkret auf den Stadtteil beziehen und Wanne-Eickler Themen aufgreifen. Finanziert wird das Projekt vom Förderfonds Interkultur Ruhr des Landes NRW und vom Förderprogramm des Bundes Demokratie leben.

Nina-Maria Haupt