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Wer bietet mehr fürs Dromedar?

Jugendkunstschule versteigert 100 Kunstwerke

Jahr für Jahr stellen die Werkstätten der Jugendkunstschule ihre von Jugendlichen gearbeiteten Kunstwerke aus. Weil das Depot bis oben gefüllt war, organisierten Jugendkunstschulleiterin Sylvia Steffan und Kolleginnen eine Auktion im Mondpalast.

„Wat ’ne Auktion“ hieß die Aktion, bei der rund 100 Kunstwerke unter den Hammer kamen. „Hinter den Exponaten stecken jede Menge Emotionen, Themen und Geschichten“, sagte Sylvia Steffan. Wer also am Montagabend das weitläufige Mondpalast-Foyer betrat, der wurde zwar auch von Prinzipal Christian Stratmann begrüßt, aber vieles war doch ganz anders als gewohnt: An vielen Stellen waren Kunstwerke platziert – ein stattlicher Drache mit einer Spannweite von 2,50 Meter machte den Anfang, ein 1,80 Meter kuschliges Dromedar namens „Wüstenflieger“ stand ein paar Meter daneben. An einem Verkaufsstand konnten Interessierte jede Menge kleinere Kunstartikel erwerben. Vor dem Kantine waren die Stehtische, an denen sich die kunstinteressierten und kauffreudigen Besucher schon platziert hatten. Freundliche Mitarbeiterinnen hatten ihnen schon eine kunstvoll gestaltete Bieterkarte in die Hand gedrückt.

  • Ein prachtvoller Drache begrüßte die Besucher schon im Foyer. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Jugendliche in einer schwierigen Lebensphase

Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff hieß die Besucher willkommen und erläuterte, wie die Arbeiten entstanden sind. Die Jugendlichen, die an den Werkstätten teilnehmen, befinden sich häufig in einer schwierigen Lebensphase. Das Ziel ist, ihre Persönlichkeit zu stabilisieren. Über das praktische Werken werden sie zum Nachdenken angeregt, das Selbstwertgefühlt wird gestärkt. Zum Schluss ihrer Rede animierte Thierhoff das Publikum „großzügig und interessiert mitzubieten“, wobei sie selbst sich auch als Bieterin betätigte und in einem heiß umkämpften Bieterduell einen eleganten Wal aus Holz erwarb.

Dramaturg schwang den Hammer

Chefdramaturg Thomas Rech schwang den Hammer. Er bekannte, das er sich mit amerikanischen Auktionssendungen motiviert hatte, verzichtete aber auf das Schnellsprechen nach amerikanischer Art. Mit seinen launigen Kommentaren griff er bisweilen auch in das Geschehen ein. So machte er aus sechs afrikanischen Puppen, die er nicht einzeln anpreisen wollte, einen afrikanischen Stamm, den er als Gesamtobjekt anbot. Mädchen und Jungen der Jugendkunstschule präsentierten die Exponaten formvollendet in weißen Handschuhen.

  • Im Bieterfieber: Sylvia Steffan, Pädagogische Leiterin der Jugendkunstschule. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ausgefallene Exponate

Auch für die Großexponate fanden sich Bieter. So entschied sich Tobias Larisch für das spektakuläre 1,40 Meter lange Werk „Fußballweltmeisterschaft 2010 – Giraffen vs. Zebras“. „Es macht mir einfach Spaß, ausgefallene Sachen zu kaufen – und das noch mehr, wenn ich andere Leute dadurch unterstützen kann.“ Larisch hat schon eine außergewöhnliches Kunstwerk auf seinem Dach platziert – eine Badewanne mit Schaufensterpuppe. „Ich bin halt ein wenig schräg drauf“, grinst er und hebt die Bieterkarte für das nächste Angebot. Selbst der 3,30 hohe Eiffelturm wechselte den Besitzer. Für fast alle Exponate fanden sich Liebhaber – für den „Roboter“ aus Stoff, die große und die kleine Eule aus Holz, den Giraffen-Sonnenuntergang in neun Teilen, selbst für die fünf Alien im weißen Kleid.

„Daraus sollte Tradition werden“

1390 Euro kamen bei der Auktion zusammen, eine Summe, die JKS-Leiterin Sylvia Steffan freut. „Wir werden uns Materialien und Werkzeuge kaufen“, sagt sie, „und wir werden mit den Jugendlichen einen Ausflug zum K21-Kunsthandel nach Düsseldorf unternehmen. Dort interessieren sie sich für die an der Decke angebrachten 2.500 qm großen Installation mit Netzstruktur, die auch begangen werden kann. Währenddessen zog Thomas Rech kurz Bilanz: „Wir sollten die Auktion Tradition werden lassen.“ Ganz dieser Meinung war auch Sylvia Steffan.