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10 Jahre Palliativnetzwerk in Herne

Zusammenschluss verschiedener Professionen begleitet Sterbende

Angefangen hat es als runder Tisch mit Mitarbeitern verschiedener Fachrichtungen, seit 2009 ist das Palliativnetzwerk Herne, Wanne-Eickel, Castrop-Rauxel ein eingetragener Verein. In diesem Jahr feiert er sein zehnjähriges Bestehen.

„Der Aufbruch kam, als 2008 ein Bundesgesetz kam, dass jeder Bürger ein Recht auf palliative Versorgung in häuslicher Umgebung hat“, erklärt Dr. Axel Münker, stellvertretender Vorsitzender, der hauptberuflich Chefarzt für Schmerz- und Palliativmedizin am Marienhospital ist. Acht von zehn Menschen wollten zuhause sterben, aber die meisten wollten auch ihre Angehörigen nicht belasten. Damit sie professionell begleitet werden und damit die letzten Momente des Lebens so schmerzfrei und so menschlich wie möglich gestaltet werden, gibt es die Palliativmedizin. Aber nicht nur Ärzte spielen bei den letzten Stationen des Lebens eine wichtige Rolle. Auch Apotheker, Physiotherapeuten, Pflegekräfte, Krankenhäuser, das Trauernetz und andere Experten gehören zu den 31 Mitgliedern. Auch die Stadt Herne ist Mitglied des Vereins.

Ziel der Zusammenarbeit ist, sich fachlich auszutauschen, Patienten und Angehörigen schnell die richtigen Ansprechpartner zu vermitteln und das Angebot in der Bevölkerung bekannter zu machen. Nach Angaben des Netzwerks werden mehr als 1100 Menschen im Bereich des Netzwerks palliativ begleitet. Einer der großen Erfolge des Netzwerks ist ein Leitfaden für Pflegeeinrichtungen, der in Zusammenarbeit eigentlich konkurrierender Pflegeeinrichtungen entwickelt wurde. Inzwischen findet er bundesweit Beachtung.

Seit 2018 bietet das Netzwerk auch eine mobile Ethikberatung an, denn oft sind Angehörige, Pflegende oder Ärzte unsicher, wie mit dem Willen des Sterbenden umzugehen ist. Möchte der Betroffene künstlich am Leben gehalten werden? Darf man ihn sterben lassen? Gemeinsam beraten alle Beteiligten, was sie im Sinne des Sterbenden tun können.

Für dieses Jahr hat sich das Netzwerk das Thema „letzte Hilfe“ vorgenommen und möchte in vierstündigen Workshops alle Interessierten informieren, was beim Umgang mit Menschen kurz vor dem Tod wichtig ist. „Wir entwickeln eine Präventionsstrategie für die gesamte Stadt, von der Geburt bis zum Tod“, erklärt Dr. Katrin Linthorst, Leiterin des städtischen Fachbereichs Gesundheitsmanagement.

„Unser Wunsch ist langfristig, eine Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu unterzeichnen“, so Karin Leutbecher, Koordinatorin beim ambulanten Palliativdienst und erste Vorsitzende des Vereins. Doch zuerst wird gefeiert: Ein Grillfest für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter ist im September geplant, die öffentliche Jubiläumsfeier soll am Mittwoch, 6. November 2019, um 17 Uhr im wewole-Forum im Citycenter an der Bahnhofstraße beginnen. Außer Grußworten und einem Vortrag ist auch eine literarische Lesung mit der Schauspielerin Maria Wolf geplant.

Nina-Maria Haupt