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300 Jahre Teekultur

Ausstellung "It's tea time" im Schloss Strünkede

Von der Dröppelminna bis zum Samowar, vom barocken Teeservice bis hin zu neuzeitlichen Kännchen – die Ausstellung “It’s tea time – Teegenuss in Messing” im Schloss Strünkede gibt einen spannenden Überblick über 300 Jahre Teekultur in Westeuropa.

Die etwa 100 unterschiedlichen Tee-Sets erstrahlen alle im schönsten Messingglanz, ihr Schimmern ist mit Gold vergleichbar. Messing ist bekanntlich eine Legierung aus Kupfer und Zink. Die wertvollen Sammlerstücke stammen alle aus der Sammlung des Brass Collectors Club Germany (BCCG) in Viersen. “Alles leuchtet und strahlt”, ist Museumsdirektor Dr. Oliver Doetzer-Berweger begeistert. Nicht zuletzt passt die Ausstellung ins Schloss. “Die Westfalen lebten bescheiden und nicht ganz so protzig”, so Doetzer-Berweger, “aber dennoch kann man sich gut vorstellen, wie die Strünkeder die britischen Teesitten kopiert haben und hier Tee aufgegossen haben.” Reiche Adlige favorisierten allerdings Teesets aus Silber.

  • Von der Teedose bis zum Samowar. It´s Tea Time! ©Thomas Schmidt, Stadt Herne.

Ausstellung “It’s tea time. Teegenuss in Messing” (24.3.-28.7.2019) / Familienfest am Eröffnungstag: Sonntag, 24. März, 14 bis 17 Uhr.

Hinter dem Brass Collectors Club Germany steckt vor allem Knud Schöber, ebenfalls aus Viersen. Er erläutert, warum um das Sammeln von Messing-Gegenständen aus dem Haushalt so fasziniert. “Vor 45 Jahren verbrachte ich die Reiterferien im Schloss Vornholz. In einer Kammer fand ich ein paar Gegenstände, die teilweise schimmerten. ‘Das kommt in den Sperrmüll’, erklärte eine Schlossmitarbeiterin.” Schöber eignete sich die Messing-Geräte an – und wurde fortan ein begeisterter Sammler. Schöber, die “paar” Vereinsmitlieder und zahlreiche Unterstützer der “Initiative” setzen sich für die Gründung eines Deutschen Messing-Museums ein.

Von der Holzkohle bis zum Elektrokocher

Die Messing-Sammlung im Schloss Strünkede umfasst die Zeitspanne vom 16. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Bis 1850 etwa wurden die Behälter von Handwerkern gefertigt und häufig mit wertvollen Prägemustern versehen, dann setzte die industrielle Fertigung ein. Vor der Elektrifizierung wurde das Wasser mit Holzkohle erhitzt oder mit einem Petroleumbrenner. In der Ausstellung kann man mehrere kunstvoll hergestellte Samoware bewundern. Samoware zeichnen sich dadurch aus, das sie in ihrem Innern einen mit Kohle gefütterten Kamin haben, der das Wasser ständig warm hält. Dröppelminnas sehen ähnlich aus, doch das Teewasser wird von einer externen Wärmequelle erhitzt. Diese Teezubereitungs-Gegenstände werden ebenso präsentiert wie Teeurnen, Krannenkannen, Teedosen, Teesiebe, Teekannen und Teekessel. Die Ausstellung beleuchtet das Aufbereiten, Kochen und den Genuss des damaligen Luxusgetränks von Anfang an. Die Kuratorin Katrin Lieske hat die 150 Ausstellungsobjekte in verschiedenen Gruppen einander zugeordnet – nach dem Zeitalter, aus dem die Gegenstände stammen, nach ihrer Funktion oder einfach nach ästhetischen Gesichtspunkten.

“Wenn es so festlich leuchtet, das ist für mich wie Weihnachten”, sagt der Sammler Knud Schöbel.

Horst Martens