„Herne ist schon eine Hip-Hop-Stadt“

14. Januar 2025 | Ausgabe 2025/1

Urban Arts mit dem Begründer von Pottporus

Der Verein Pottporus aus Wanne hat in Sachen Hip-Hop Pionierarbeit geleistet. Damit ist er weit über die Stadtgrenzen bekannt geworden. Das Gesicht von Pottporus ist Zekai Fenerci. Wir sprachen mit dem Macher über die vielen Facetten des Vereins und die Perspektiven, die er jungen Menschen eröffnen kann.

„Ich war sieben oder acht Jahre alt, da waren in der Innenstadt in Wanne junge Menschen mit Ghettoblastern, die Hip-Hop getanzt haben, mit weißen Handschuhen. Das hat mich so beeindruckt“, beschreibt Zekai Fenerci seine ersten Berührungspunkte mit der Kultur, die ihn nicht mehr losgelassen hat. Heute ist er Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Vereins Pottporus, der seit 2007 besteht.

Pottporus-Tanz, RENEGADE

Zekai Fernici, Pottporus

Pottporus-Urban Arts-Ensemble

Wir sitzen im Headquarter von Pottporus in Wanne an der Dorstener Straße 262. Von hier aus koordinieren und bewerben die Mitarbeitenden das 2023
gegründete Urban Arts Ensemble Ruhr mit sieben internationalen Tänzer*innen und wechselnden Choreograf*innen. Die Künstler*innen kommen gezielt in die Ruhrgebietsstadt. „Wanne kann was und wir wissen, was wir können“, so Fenerci.

An der Dorstener Straße gibt es außerdem einen Übungsraum, in dem die Pottporus Akademie Tanzkurse für Kinder und Jugendliche anbietet. Die Räumlichkeiten sind etwas in die Jahre gekommen, der Platz ist begrenzt. Doch man hat im Laufe der Jahre gelernt zu improvisieren. „Wir wären über jede Unterstützung dankbar“, merkt Fenerci an.

Mit dem Projektbüro Urban Arts in der Wanner Innenstadt hat Pottporus einen weiteren Ableger. Hier können sich Künstler*innen von drei Mitarbeitenden beraten lassen, unter anderem zu Fördergeldern. Die Kunstform ist vielfältig: „Wir reden immer über vier Elemente: den DJ, den Rapper, den Tänzer und den Graffitikünstler. Die Segmente können zusammen fusionieren, aber auch für sich stehen“, erläutert der 1972 geborene Sohn eines Bergarbeiters. „Wir sind in dem Bereich nicht nur führend, sondern einmalig, so wie wir arbeiten. Wir sind eine Einrichtung, die für eine Kultur steht, die versucht, diese mit all ihren Facetten sichtbar zu machen.“

„Wir sind in dem Bereich nicht nur führend, sondern einmalig, so wie wir arbeiten.

Kiez-Fest Wanne, 2023

Urban-Arts-Ensemble, Ruhr-Herne-Wanne-Eickel

Pottporus-Talente, Nachwuchsförderung, DJ-ing, New-Talents-Ruhr

„Leider ist das Manko in Herne, dass ein Ort fehlt, wo man speziell die Kultur des Hip-Hops leben und erleben kann. Hip-Hop braucht einen Ort, wo er sichtbar sein kann“, so Fenerci, der schon einige Anläufe unternommen hat, einen solchen Ort in seiner Heimat Wanne zu finden, der er bis heute treu verbunden ist.

Pottporus weicht mit seinen Aufführungen daher auf Nachbarstädte aus. „Es gibt viel Zuspruch. Da kommen 300 bis 500 Leute zu einem Tanztheaterstück.“ Ob Essen, Leverkusen oder Ingolstadt – das Ensemble spielt auswärts stets vor gut besuchten Häusern. Zum Beispiel mit der Produktion „MC Messer“. „Das ist die erste große Musiktheaterproduktion, wo Rap, der Tanz und die Musik zusammenkommen“, erläutert Fenerci. „Das ist für die deutsche Szene die erste große Hip-Hop-Operette, die es gibt.“ Durch Pottporus wird Kultur aus Herne national und international vertreten, ist Fenerci überzeugt: „Und da muss man natürlich auch mal gucken, wie kann man das stärken, wie kann man das weiterentwickeln.“

Dabei sind nicht nur die Stücke des Ensembles Exportschlager, vielen jungen Menschen hat sich mit Pottporus eine Perspektive eröffnet, manche sind heute global erfolgreiche Profikünstler*innen. Da ist beispielsweise Chris Greiffenbach aus Wanne-Nord, der als Tänzer mit Nelly Furtado auf Tour war, oder Peter Sowinski aus Herne, der mit Breakletics ein Fitnessprogramm mit Breakdance-Bewegungen entwickelt hat.

Da ist der gebürtige Wanne-Eickler Simon Wolant, der für die Tanzkompanie Pina Bausch tätig war und in dem Musicalfilm „Ich war noch niemals in New York“ mitgespielt hat. Schauspieler und Model Marc Eggers, bekannt unter anderem von „Let’s Dance“ war bei Pottporus genau wie Lil Amok, zweifacher Weltmeister im Breaking, Weltrekordhalter und Coach des Olympiateams Deutschland Breaking 2024. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Auch diese Erfolge sind für Fenerci ein Ansporn weiterzumachen. Ein neues Projekt ist bereits in der Pipeline. „Demnächst gibt es in der Wanner Innenstadt eine Hip-Hop-Musikserie, wo Künstler*innen aus der Region die Möglichkeit haben, ihre musikalischen Talente zu zeigen.“ Und vielleicht ergeben sich mit den aktuell laufenden Planungen der Stadt, Wanne-Mitte zu einem „Urban Arts District“ zu machen, noch weitere Perspektiven für Pottporus. Egal, wie es kommt,
„Herne ist schon eine Hip-Hop- Stadt“, das steht für Fenerci fest.

Text: Carina Loose    Fotos: Pottporus e.V., Kooné, Oliver Look, Daniel Bausch