Die Krone wird zur Not auch auf der Wasserbahn gerichtet
Den 7. August 2025 wird Julia Kellner noch lange in Erinnerung behalten: Für sie war es die Krönung eines unvergesslichen Jahres. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. An diesem Tag setzte ihr Schausteller-Präsident Albert Ritter die Krone auf. Ein Jahr lang repräsentierte die Kirmeskönigin die Volksfeste in Nordrhein- Westfalen. In wenigen Tagen reicht Julia I. die Krone weiter. Zuvor blickt das überzeugte „Kirmeskind“ im inherne-Gespräch noch einmal auf spannende zwölf Monate zurück.
„Schon der Start mit der Krönung während der Cranger Kirmes war etwas ganz Besonderes für mich. Meine Familie und Freunde waren dabei. Und das alles vor so vielen Menschen, das war wirklich ein ganz tolles Erlebnis. Außerdem war es damit auch offiziell.“ Inoffiziell durfte die 28-Jährige, die nach ihrem Abitur am Gymnasium Eickel Management und Wirtschaft studiert hat, schon beim Kirmesumzug 2025 in der ersten Reihe sitzen. Quasi inkognito als Beifahrerin im Cabrio von Albert Ritter. Damals verteilte noch ihre Vorgängerin Pauline I. die Rosen an das Publikum. Am 8. August darf sie das nun übernehmen und als eine der letzten Amtshandlungen den Zug in Richtung Cranger Tor anführen. „Ich habe in den vergangenen Jahren keinen Umzug verpasst. Dass ich ihn diesmal als Kirmeskönigin erlebe, ist natürlich großartig“, sagt die gebürtige Wanne-Eickelerin, die seit einem Jahr hauptberuflich als Model tätig ist.

Eine Krone trägt Julia I. auch an ihrem Handgelenk. Ein Geschenk ihrer Mutter.

Die gebürtige Wanne-Eickelerin Julia Kellner.
Mit rotem Kleid und Schärpe unterwegs
Der erste Termin nach Crange 2025 führte Julia Kellner nach Bonn. Der „Pützchens Markt“ gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Volksfesten Deutschlands. „Da merkte ich, jetzt geht es los. Das war schon aufregend für mich.“ Die Schaustellerfamilien kannten ihre neue Königin noch nicht und waren neugierig, wer sie nun repräsentiert. Das ist inzwischen anders. In ihrem roten Kleid und der Schärpe hat sie in den vergangenen Monaten zahlreiche Volksfeste und Kirmessen während der Eröffnung begleitet. Was dabei überraschte? Oft war Julia I. nicht die einzige Person mit einer Krone. „Mir war es nicht bewusst, dass wir bei uns so viele Königinnen haben. Ob Brunnenkönigin oder Weinkönigin – ich hatte viele nette Begegnungen.“
Schaustellerfamilien zeigen viel Herzblut
Und das nicht nur auf der Ebene der „Königshäuser“. Niemals hätte sie gedacht, dass sie so eine enge Bindung zu den Schaustellerfamilien aufbauen würde. „Von Anfang an hat man mich unterstützt, ich fühlte mich direkt gut aufgenommen. Die Schausteller sind wirklich eine große Familie, die sich gegenseitig hilft“, sagt Julia Kellner, die inzwischen mit anderen Augen auf das Schaustellerwesen blickt. „Es ist ein sehr harter Beruf. Wenn die eine Kirmes zu Ende ist, bauen sie nachts ihre Stände und Fahrgeschäfte ab und fahren direkt weiter zum nächsten Platz. So etwas kann man nur mit ganz viel Herzblut machen. Davor habe ich großen Respekt. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diesen Menschen für ein Jahr so nah sein durfte.“
Krone richten auf der Wasserbahn
Dabei habe jede Kirmes ihren eigenen Charme. „Die Allerheiligenkirmes in Soest ist natürlich auch sehr besonders mit ihren Karussells mitten in der Altstadt.“ In den vergangenen Monaten gab es so einige Runden in den Fahrgeschäften. Besonders die Wasserbahn hat es ihr angetan. „Diese Fahrten habe ich schon als Kind geliebt. Aktuell muss ich hier aber noch besonders auf meine Krone aufpassen“, lacht Julia Kellner, die sich schon wieder auf Crange freut. „Das ist meine Heimatkirmes, mit ihr bin ich besonders verbunden und sehr vertraut. Die Vorfreude ist diesmal natürlich noch größer als sonst“, sagt die ehemalige Leichtathletin vom TV Wanne, die beim Training unzählige Runden drehte. Eine gute Kondition besitzt sie noch heute. Und das ist auch gut so. Denn natürlich heißt es für eine Kirmeskönigin im August an elf Tagen: „Piel op no Crange …“
„Die Schausteller sind wirklich eine große Familie, die sich gegenseitig hilft.“