Das Kirmesbüro des KOD

31. März 2026 | Ausgabe 2026/2

Hinter den Kulissen der Cranger Kirmes

Wenn im August die Cranger Kirmes Millionen Besucher*innen nach Herne lockt, bedeutet das für die Stadtverwaltung vor allem eines: Höchstleistung. Abseits des bunten Rummels läuft in der Jugendkunstschule an der Dorstener Straße die logistische Herzkammer des Volksfests heiß. Hier schlägt das Kirmesbüro des Fachbereichs Öffentliche Ordnung seine temporären Zelte auf. Von Verwaltungsalltag keine Spur: Im rollierenden Schichtsystem regeln die Mitarbeitenden um den stellvertretenden Fachbereichsleiter Tibo Zywietz alles, was für einen reibungslosen Ablauf sorgt – vom Einzug der Standgebühren über das Beschwerdemanagement bis hin zur Koordinierung von Reinigungseinsätzen.

  • Lagebesprechung mit Patrick Gockel, Dennis Przybylski, Nicole Schlingmann, Patrick Wronowski und Bernd Adler.

Der Spagat zwischen Schaustellern und Sicherheit
Ein zentraler Kopf im Hintergrund ist Dirk Reuter, Büroleiter des Kirmesbüros. Er steuert das komplexe Bewerbungsverfahren das ganze Jahr über. Bei rund 1.500 Bewerbungen können am Ende nur 500 Schausteller einen der begehrten Plätze auf Crange ergattern. Reuter versteht sich als entscheidendes Bindeglied zwischen den Schaustellern, den Behörden und den betroffenen Anwohnenden. Direkt nebenan läuft die digitale Überwachung auf Hochtouren. Sicherheitskoordinator Patrick Wronowski arbeitet eng mit Polizei, Feuerwehr, HCR und Rettungsdiensten zusammen. Auf einem großen Monitor im Kirmesbüro laufen die Live-Bilder städtischer Kameras zusammen, die auch der Polizei zur Verfügung gestellt werden. „Wir sehen genau, wie das Besucherverhalten auf dem Platz ist und haben zusätzlich die Füllstände der Parkplätze im Blick“, erklärt Wronowski. Diese Echtzeit-Daten bilden das Fundament für eine funktionierende, dynamische Verkehrslenkung.

Hand in Hand mit der Verkehrsüberwachung
Genau an dieser Schnittstelle greift das Team der Verkehrsüberwachung unter der Leitung von Markus Burke ein. Wer denkt, dass es hier nur um das Verteilen von „Knöllchen“ geht, irrt sich gewaltig. „Dazu gehört die Überwachung des ruhenden Verkehrs und die Geschwindigkeitsüberwachung im fließenden Verkehr“, stellt Burke klar. Während die Polizei sich aus dem ruhenden Verkehr heraushält, koordiniert die Stadt ein straff organisiertes System aus Kontrollen, Schrankendiensten und Zufahrtsbeschränkungen. Wie extrem sich dieser Ausnahmezustand vom normalen Dienst am Stammsitz Berliner Platz unterscheidet, weiß auch Mitarbeiter Mathias. Neben dem klassischen Kontrollgang besetzt sein Team mobile Baustellenschranken an strategischen Knotenpunkten wie der Heerstraße. Sie regeln den Zufluss, damit die Linienbusse des Kirmes-Pendelverkehrs ungehindert passieren können. An Kontrollpunkten wie der Recklinghauser Straße prüfen sie strikt die schriftlichen Zufahrtsberechtigungen der Anwohner*innen. Wer keine hat, muss unweigerlich abdrehen.

Kampf gegen den Domino-Effekt
Wie wichtig das konsequente Durchgreifen ist, betont Einsatzkraft Elke. Seit über sechs Jahren sorgt die gelernte Buchhalterin für freie Wege. Besonders rücksichtsloses Parken zwingt das Team regelmäßig dazu, Abschleppwagen anzufordern. „Es wird einfach querbeet geparkt – ob Grünflächen oder gar die Abfahrt der Autobahn A42, was lebensgefährlich ist“, berichtet sie. Häufig beobachtet sie einen Domino-Effekt: Parkt einer falsch, schließen sich andere blind an. Das Nachsehen haben die Schwächsten: Blockierte Gehwege zwingen Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen auf die Straße. Trotz des enormen Stresses bleibt das Team hochprofessionell und sieht sich vor allem in einer helfenden Funktion, um Behindertenparkplätze und Rettungswege freizuhalten. Wenn das Kirmesbüro und die Verkehrsüberwachung Hand in Hand arbeiten, wird das logistische Großprojekt Crange schlussendlich für Millionen Menschen zu einem sicheren Vergnügen.

Text: Patrick Mammen     Fotos: Thomas Schmidt