Ehrenamt wird neu strukturiert
Das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger*innen ist eine wesentliche Stütze der Stadtgesellschaft in Herne. Um diesem Engagement noch mehr Raum und Anerkennung zu geben, wird das Ehrenamt in Herne neu strukturiert. Zum einen wird es mit Prof. Dr. Matthias Kemen erstmals einen Botschafter für das Ehrenamt geben, zum anderen wird ein neuer Ehrenamtsverein gegründet.
(v.l.) Susanne Schübel vom Verein ID55, Prof. Dr. Matthias Kemen, neuer Ehrenamtsbotschafter, Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Victoria Apel, Abteilung Zukunft der Gesellschaft, Agnieszka Lewczuk, Herner Sparkasse, und Arnd Röbbelen, Evangelischer Kirchenkreis Herne. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne
Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda hob hervor, wie hoch der Stellenwert von Ehrenamt für die Stadtgesellschaft ist und berief sich dabei auf den neuen EhrenamtAtlas 2026, der auf einer repräsentativen Umfrage von „WestLotto“ in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut „forsa“ basiert: „Der Ehrenamtsfaktor in unserer Stadt liegt bei 229 Stunden pro Jahr und Person und ist im Vergleich zu 2024 deutlich gestiegen. Das ist ein erheblicher und unverzichtbarer Einsatz für die Gemeinschaft. Dafür danke ich den Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, ausdrücklich. Wir wissen aber auch, dass fast 80 Prozent der bisher nicht engagierten Hernerinnen und Herner sich vorstellen können, das zu ändern. Dieses Potential gilt es zu heben“, so das Stadtoberhaupt.
Neuer Ehrenamtsbotschafter
Wie wichtig das ist, verdeutlicht der EhrenamtAtlas mit dem wirtschaftlichen Gegenwert, der hinter dem Engagement der Menschen steht. So beläuft sich der Wert aller Ehrenamtsstunden nach Mindestlohn auf 180,2 Millionen Euro. Das Ehrenamt zu stärken, ist auch die Idee hinter dem neuen Ehrenamtsbotschafter Prof. Dr. Matthias Kemen, der bis 2025 siebenundzwanzig Jahre als Chefarzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Herne tätig war. Er fügte hinzu: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie bereichernd ehrenamtliche Arbeit ist, weshalb es mir eine Herzensangelegenheit ist, als Botschafter die Vielfalt unseres lokalen Engagements sichtbar zu machen. Gemeinsam mit dem neuen Verein möchte ich Anlaufstelle und Motivator für alle Hernerinnen und Herner sein, die etwas bewegen wollen.“
Deswegen soll das Ehrenamt in Herne neu strukturiert werden. Die zentrale Neuerung ist die Gründung eines Ehrenamtsvereins. Sein Zweck ist die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements. Diese Förderung beinhaltet unter anderem die Information, Beratung und Vermittlung von Freiwilligen sowie von Organisationen. Insbesondere kleinere Vereine und Initiativen sollen von den Beratungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangeboten profitieren. Zudem soll er Akteur*innen in der Stadtgesellschaft vernetzen und Anerkennungs- und Weiterbildungsveranstaltungen ausrichten. Das städtische Ehrenamtsbüro soll diese Arbeit in Zukunft unterstützen.
Verbesserte Anerkennungskultur
Ein wesentliches Ziel ist es, dem sinkenden Engagement im Ehrenamt entgegenzuwirken. Denn auch das ist eine Erkenntnis des aktuellen EhrenamtAtlas: Die Ehrenamtsquote in Herne sank von 56 Prozent im Jahre 2024 auf 44 Prozent in diesem Jahr. Die Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, wünschen sich, dass die Engagierten und ihre Arbeit stärker in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden und dass die Politik das Ehrenamt als gesellschaftliche Leistung stärker würdig. Generell solle die Anerkennungskultur verbessert werden und die Mitsprache und -gestaltung erhöht werden. Das sehen 82 Prozent der Engagierten in Herne als wichtigstes Instrument der Wertschätzung. Auch hier soll der neue Verein helfen, die verschiedenen Akteur*innen und ihre Ideen zusammenzubringen.
Dabei muss der Schwerpunkt auch auf dem Erreichen jüngerer Zielgruppen liegen: In Herne wird das Ehrenamt stark von der Generation „60Plus“ getragen, die 48 Prozent der ehrenamtlich Tätigen ausmacht. Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sind hingegen nur zu 14 Prozent engagiert. Eine Möglichkeit, das Mitwirken jüngerer Menschen zu erhöhen, wären zum Beispiel flexible, projektbezogene und digitale Formate für ein Engagement zu schaffen.
Hier möchte auch der Verein „ID55 – anders alt werden e.V.“ ansetzen, dem es um Teilhabe, Toleranz, Selbstbestimmung und Mitverantwortung für ein vielfältiges Ruhrgebiet geht. Mitgründerin Susanne Schübel will Brücken schlagen zwischen Jung und Alt: „Das Ehrenamt in Herne gemeinsam mit jungen Menschen voranbringen zu können, erscheint uns angesichts der häufig altersdiskriminierenden Diskussion um Rente und Pflege wichtiger denn je. Die Babyboomer, die jetzt in den Ruhestand gehen, sind viel mehr als ein Kostenfaktor. Sie stellen die größte Reserve für bürgerschaftliches Engagement. Wir freuen uns sehr darauf, ihre Stimme in den neuen Ehrenamtsverein einbringen zu können.“
Verortet im Demokratiezentrum Herne
Für die Arbeit des Ehrenamtsvereins besteht die Möglichkeit, an zwei Tagen in der Woche die Räumlichkeiten im Demokratiezentrum Herne im Stadt Forum an der Bahnhofstraße 65 zu nutzen Der zentrale, barrierefreie Standort in der Fußgängerzone ist fußläufig vom Bahnhof erreichbar, gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und als Ort für Veranstaltungen und Begegnung etabliert. Mittelfristig soll der Verein eigene Räumlichkeiten in der Herner und Wanner Innenstadt beziehen, um nah bei den Bürger*innen und niederschwellig erreichbar zu sein.

