Oberbürgermeister-Fahrer Domenico Nimi geht in den Ruhestand
Seit 39 Jahren fährt Domenico Nimi die Oberbürgermeister der Stadt Herne. Am Ende des Jahres ist nach einer bewegenden Laufbahn Schluss für ihn. Dabei war zu Beginn seiner Karriere noch gar nicht abzusehen, dass sie einmal auf dem Fahrersitz enden würde.
Das Stadtmagazin hat Domenico Nimi bei einer seiner letzten Fahrten begleitet. Nach Waschanlage und Seitenspiegel-Reinigung, gab es ein paar Stadtfahrten und eine kurze Autobahnfahrt zu absolvieren- diesmal mit unserem Stadtfotografen anstatt des Oberbürgermeisters im Fond.



Aufgewachsen ist Nimi in Herne mit einem italienischen Vater und der deutschen Mutter. „So wie das damals bei den Gastarbeitern war: Sie sind nach Deutschland zum Arbeiten gekommen und wegen einer Frau geblieben.“ Aus der Ehe sind drei Kinder entstanden: Domenico ist der Mittlere. Sein Vater stammt aus Galatone, der südliche Punkt der „Hacke“ Italiens.
Ein bewegtes Leben
Angefangen hat er in der Gärtnerei auf der Wiescherstraße und in der Poststelle der Stadt Herne. In dieser Zeit hat er bereits ab und zu Dezernenten gefahren und sich auf eine Fahrerstelle beworben. „Eines Tages hat der Hauptamtsleiter Herr Hundertmark mich gefragt, ob ich unseren Oberbürgermeister fahren möchte“, berichtet er. „Natürlich habe ich direkt zugesagt.“
Ursprünglich hat er den Beruf des Kfz-Mechanikers gelernt. Nach der Lehre ging es zur Bundeswehr, anschließend bekam er einen Job bei Opel am Band. Dort hat der den Führerschein für LKW und Motorrad gemacht. Eigentlich war sein Plan, bei Opel in den Werksverkehr zu gehen. Sein Meister sagte ihm, dass es damit erst kurz vor der Rente klappen könnte. „Aber er hat mir keine Steine in den Weg gelegt bei meiner Bewerbung“, sagt Nimi.
„Eines Tages hat der Hauptamtsleiter Herr Hundertmark mich gefragt, ob ich unseren Oberbürgermeister fahren möchte“



Glück braucht man auch
Nach zweieinhalb Jahren Wartezeit hat er sich dann bei der Stadt Herne beworben – die Idee lag nahe: „Mein Opa war Hausmeister an der Schule an der Saarstraße, die gibt es heute nicht mehr. Mein Vater war im Sport- und Bäderamt. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass ich irgendwann die Oberbürgermeister fahren darf. Zu Beginn dachte ich, ich würde vielleicht die Briefe und Pakete der Poststelle ausfahren.“ Doch glücklicherweise wurde in dieser Zeit die Fahrerstelle des Oberbürgermeisters frei – ganz spontan hat man ihn gefragt. Nimi hat sofort zugesagt: an einem Mittwoch, zwei Tage später ging es dann direkt los. Vor seinem ersten Tag war er nicht nur nervös, er musste auch erst einmal Einkaufen gehen und sich die richtige Kleidung besorgen. In der Poststelle trug man Jeans und T-Shirt, im Wagen des Oberbürgermeisters sollte er Hemden tragen.
Auch die Vorbereitungen auf den ersten Tag sahen damals anders aus als heute: „Damals gab es bei uns ja noch keine Computer oder Navigeräte im Auto. Ich musste mir also im Vorzimmer die Termine und Adressen geben lassen und dann erst einmal die Routen planen: ganz klassisch mit einem Stadtplan aus dem Katasteramt.“
Diskretion gehört zum Beruf
Vor dem ersten Tag haben ihm die Knie gezittert, bevor er Willi Pohlmann zu Hause abholen musste. Aber er war auch stolz, den Oberbürgermeister fahren zu dürfen: „Das schafft ja auch nicht jeder. Ich habe bis heute nicht bereut, den Job angenommen zu haben.“
Als Fahrer der Oberbürgermeister hat er in all den Jahren natürlich auch viele Gespräche mitbekommen. Streng vertrauliche Informationen für sich zu behalten, ist eine der Grundvoraussetzungen für den Beruf. Eine witzige Anekdote fällt ihm dann aber doch noch ein: „Ich habe natürlich immer versucht, im Rahmen der Geschwindigkeitsbegrenzungen so schnell wie möglich zum nächsten Termin zu kommen. Der ehemalige Oberstadtdirektor Roland Kirchhof war ein großer Fan der Sportschau und legte großen Wert darauf, pünktlich zu Hause zu sein für die Sendung. Als ich aber mit 200 km/h über die Autobahn gefahren bin, lehnte er sich irgendwann zu mir nach vorne und sagte, dass es nicht ganz so schlimm wäre, die ersten Minuten zu verpassen. Ich bin dann also etwas langsamer gefahren.“



Mehr Verkehr heißt mehr Geduld
Die Straßen sind mittlerweile deutlich voller als früher, dadurch dauern die Fahrten auch etwas länger. Wenn er seinen Mitmenschen einen Rat geben müsste, den er in seiner langjährigen Karriere auf der Straße gelernt hat, dann: „Mehr Geduld zu haben, ruhig und besonnen zu sein. Wenn sich jemand vordrängeln möchte im Verkehr, dann lasst ihn fahren.“ Ob mit dem Oberbürgermeister im Auto oder ohne.
Das frühe Aufstehen werde er nicht vermissen – dafür aber seine Kolleginnen und Kollegen, von denen viele allerdings auch schonin Rente gegangen sind. Für seinen Ruhestand hat er noch keine großen Pläne – nur: „Man muss sich ein Hobby suchen, aktiv bleiben und unter Menschen. Aktuell spiele ich schon einmal die Woche Darts.“ Eigentlich habe er sich einen ungünstigenZeitpunkt für den Ruhestand ausgesucht, findet er: „Im Sommer wäre besser gewesen.“ Da kommt vielleicht wieder der Italienerin ihm durch.

Nimi im August 2007. Ein Alfa Romeo Giulia 1300 GT Scalino hätte ihm wahrscheinlich besser gestanden als ein Ford Mondeo.